- Die mehr als zwölfjährige Herrschaft des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro ist abrupt beendet worden.
- US-Spezialkräfte nahmen den 63-jährigen Sozialisten gefangen und flogen ihn aus dem Land, wie US-Präsident Donald Trump mitteilte.
- Damit endet die Ära eines Staatschefs, dem Kritiker im In- und Ausland vorwarfen, ein Diktator zu sein: Er liess politische Gegner inhaftieren und Wahlen fälschen, um an der Macht zu bleiben.
Maduro, ein Salsa-Liebhaber mit einem Hang zur Theatralik, bezeichnete Oppositionspolitiker oft als «faschistische Dämonen». Er war stolz darauf, dem Druck der USA zu widerstehen. Seine Anhänger feierten ihn als Helden, der in der Tradition des Kubaners Fidel Castro der Weltmacht USA die Stirn bot.
Zuletzt hatte Maduro im Januar 2025 nach einer international als Betrug verurteilten Wahl eine dritte Amtszeit angetreten. Tausende Menschen, die gegen die Ausrufung seines Sieges protestierten, wurden inhaftiert. Die Verleihung des Friedensnobelpreises 2025 an die Oppositionsführerin María Corina Machado setzt ein Zeichen gegen diese repressive Politik.
Die USA hatten den Druck auf Maduro in den vergangenen Monaten massiv erhöht. So wurde unter anderem eine Belohnung von 50 Millionen Dollar für dessen Ergreifung wegen Drogenhandelsvorwürfen und der Beschlagnahmung venezolanischer Öltanker ausgesetzt.
Schwere Menschenrechtsverletzungen und Wirtschaftskrise
Einem Bericht der Vereinten Nationen vom Dezember zufolge hat die Nationalgarde des Landes über mehr als ein Jahrzehnt schwere Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit bei der Verfolgung politischer Gegner begangen. Bei Protesten gegen seine Regierung kamen 2017 insgesamt 125 Menschen ums Leben. Nach der Wahl 2024 eskalierte die Regierung laut UNO die Repression, um friedliche Proteste niederzuschlagen. Die Folge waren mehr als zwei Dutzend Tote und 2400 Verhaftungen.
Maduros Herrschaft war zudem von einem tiefen wirtschaftlichen Zusammenbruch des einst relativ wohlhabenden Landes geprägt, dessen Ölvorkommen zu den grössten der Welt zählen. Die hohe Armut löste eine Auswanderungswelle von rund 7.7 Millionen Menschen aus. Einem UNO-Sonderberichterstatter zufolge lebten 2024 fast 82 Prozent der Venezolaner in Armut, 53 Prozent davon in extremer Armut.
Vom Busfahrer zum Präsidenten
Der am 23. November 1962 in eine Arbeiterfamilie geborene Maduro arbeitete als Busfahrer, als der Offizier Hugo Chávez 1992 einen Putschversuch unternahm. Maduro setzte sich für Chávez' Freilassung ein und wurde zu einem glühenden Verfechter von dessen linker Agenda. Nach Chávez' Wahlsieg 1998 stieg Maduro rasch auf, wurde Parlamentspräsident und später Aussenminister.
Nach dem Krebstod von Chávez im Jahr 2013 wurde Maduro knapp zu dessen Nachfolger gewählt. Seine Präsidentschaft war von Beginn an von Versorgungsengpässen geprägt. Dies lag vor allem an seiner Weigerung, die kostspieligen Subventionen aus der Chávez-Ära nach dem Ende des Ölbooms zurückzufahren.
Eine wichtige Rolle an seiner Seite spielte stets seine Frau Cilia Flores, die als «erste Kämpferin» bezeichnet wurde und zahlreiche hohe Ämter bekleidete. Sie wurde nach US-Angaben ebenfalls gefangen genommen.