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Militärschlag gegen Venezuela «Es ging Trump nie nur um Maduro»

Die USA haben Venezuela angegriffen und gemäss US-Angaben Staatschef Nicolás Maduro gefangen genommen. Für Lateinamerika-Experte Wolf Grabendorff ist klar: Der Kampf gegen Drogen war nur ein Vorwand. In Wahrheit gehe es um Öl, Geopolitik und Trumps persönliche Agenda.

Wolf Grabendorff

Politologe

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Der deutsche Politikwissenschafter lebte jahrzehntelang in Lateinamerika und war unter anderem in Ecuadors Hauptstadt Quito als Gastprofessor für internationale Beziehungen tätig. Grabendorff hat mehrere Bücher verfasst.

SRF News: Herr Grabendorf, die USA haben Venezuela angegriffen und den Staatschef Maduro gefangen genommen. Was ist passiert?

Wolf Grabendorff: Das ist die Umsetzung einer Drohung, die seit Wochen im Raum stand. Es gab Explosionen in Caracas und anderen Städten. Vor allem Flughäfen und Militärinstallationen wurden getroffen. Die Trump-Regierung hat nach einem gescheiterten Versuch in der ersten Amtszeit nun eine tatsächliche Invasion durchgeführt, um einen Regimewechsel zu erzwingen.

Trump will beweisen, dass die USA Lateinamerika kontrollieren können.

Was will Trump mit diesem Angriff erreichen?

Es geht ihm um viel mehr als nur um Maduro. Er will beweisen, dass die USA Lateinamerika kontrollieren können. Das steht so auch in der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie. Und es geht ihm um den Zugriff auf die grössten Erdölreserven der Welt. Der oft genannte Kampf gegen die Drogenmafia ist nur eine Geschichte, um den Angriff dem eigenen Land zu verkaufen.

Maduro war das typische Feindbild, weil sich in ihm alles vereinigte, was nicht in Trumps Weltsicht passt.

Warum war ausgerechnet Maduro so ein Dorn im Auge der USA?

Er war das typische Feindbild, weil sich in ihm alles vereinigte, was nicht in Trumps Weltsicht passt: Er unterstützte andere sozialistisch geprägte Staaten wie Kuba und Nicaragua, pflegte enge Beziehungen zu China und Russland und hatte sich einem früheren Sturzversuch erfolgreich widersetzt. Das hat Trump nie vergessen.

Maduro ist weg. Wird jetzt alles besser in Venezuela?

Nein, davon würde ich nicht ausgehen. Zuerst ist mit einem Machtvakuum und Chaos zu rechnen. Die Geschichte zeigt, dass von den USA erzwungene Regimewechsel, wie im Irak oder in Afghanistan, selten zu einer stabilen Demokratie führen. Die Übergangszeit wird lange dauern.

Die Probleme des Landes sind mit Maduros Gefangennahme nicht gelöst.

Die grösste Sorge der Nachbarländer ist nun eine neue grosse Flüchtlingswelle. Ich glaube nicht, dass mit Maduro weiter zu rechnen ist, aber die Probleme des Landes sind mit seiner Gefangennahme nicht gelöst. Die US-Regierung geht davon aus, dass sie die «Drecksarbeit» gemacht hat und jetzt die Opposition das Land in den Griff kriegen wird. Ich bezweifle, dass das so laufen wird.

Das Gespräch führte David Karasek.

Tagesgespräch, 3.1.2026, 13:00 Uhr ; 

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