Zum Inhalt springen
Inhalt

International Geplantes Kosovo-Tribunal: Del Ponte ist skeptisch

Sie kämpfte dafür, dass Untersuchungen gegen die kosovarischen Befreiungsarmee UÇK eingeleitet werden: Carla Del Ponte, bis 2007 Chefanklägerin am Uno-Tribunal für Ex-Jugoslawien. Nun äussert sie sich skeptisch zum Sondergericht, welchem das Parlament Kosovos hierfür zugestimmt hat.

Carla Del Ponte spricht in ein Mikrofon.
Legende: Del Ponte war von 1999 bis 2007 Chefanklägerin am Uno-Tribunal für Ex-Jugoslawien. Keystone

Ein Sondergericht soll mutmassliche kosovo-albanische Kriegsverbrechen Ende der 1990er Jahre beurteilen. Carla Del Ponte, bis 2008 Chefanklägerin am Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) in Den Haag, äussert sich skeptisch zu dem neuen Gericht.

Sie glaube nicht so sehr an dieses Sondertribunal, sagt die Tessinerin. Das Haager Tribunal in Den Haag beschäftige sich seit Jahren mit der Aufklärung von schweren Verbrechen während des Krieges in Ex-Jugoslawien. Und der Kosovo gehöre auch zu Ex-Jugoslawien.

Erfolglose Ermittlungen des ICTY

«Was mich stutzig macht ist, dass das Gericht seinen Sitz im Kosovo hat», sagt Del Ponte. Kosovo habe nie mit dem Haager Tribunal zusammengearbeitet. Diese Ermittlung seien seit vier Jahren im Gang, und bisher sei nichts dabei herausgekommen. Angesichts der Zeit, die seit dem Krieg im Kosovo vergangen ist, werde es immer schwieriger zu ermitteln. Sie habe «etliche Zweifel» an dem neuen Gericht.

Das Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag beendet seine Arbeit voraussichtlich in zwei Jahren und kann keine neuen Fälle aufnehmen. Statt ein neues Tribunal mit den Untersuchungen im Kosovo zu beauftragen fände es Del Ponte sinnvoller, wenn der Uno-Sicherheitsrat das Gericht in Den Haag beauftragen würde, sich auch mit den Fällen im Kosovo zu beschäftigen. «Aber das sind politische Entscheide.»

Ermittlungen wegen Organhandels

Das Parlament im Kosovo hatte am Mittwoch die Bildung eines Kriegsverbrechertribunals mit Sitz in Pristina beschlossen. Das Gericht soll sich mit mutmasslichen Verbrechen der UÇK im Kosovo-Krieg (1998-1999) beschäftigen.

Die Schaffung des Tribunals steht in Verbindung mit den Ermittlungen zum mutmasslichen Organhandel. Der Sonderberichterstatter des Europarates, der damalige Tessiner Ständerat Dick Marty, hatte UÇK-Kommandanten 2010 in einem Bericht vorgeworfen, während des Kosovo-Krieges am Handel mit den Organen hunderter serbischer Gefangener beteiligt gewesen zu sein.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Thomas Sabo, Zürich
    Zuerst wurde Serbien von Slovenien angegrifen. Danach von Kroatien, Bosnien und Kosovo. Danach trennte sich Mazedonien und Montenegro. All diese länder haben Serbien geschadet. Wer wurde immer beschuldigt? Serbien! Dabei waren es immer die anderen. Das ganze vertreiben, morden, vergewaltigung, genozied, zerstörung und ethnische säuberung gescha in Serbien. Habt erbarmen bitte.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Del Ponte hat recht; wenn schon ein Tribunal, dann sollte dieses auch auf "neutralem" Boden statt finden. Aber vielleicht hat Del Ponte noch nicht den eigentlichen Sinn und Zweck des Kosovos-Krieges erkannt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von F. Zuber, Solothurn
      Und der wäre Ihrer Meinung nach, Herr Knecht? Kriegsverbrechertribunale für den Kosovokrieg gab es in Den Haag, nichts ist dabei herausgekommen. Der eigentliche Sinn und Zweck dieses Sondergerichts in Prishtina ist immer noch nicht ganz geklärt. Eine Aufarbeitung ist aber immer gut. Wie wäre es gewesen, wenn man die Kriegsverbrechen des 2. WK in London, New York oder sonstwo an einem "neutralen" Ort - ob UK und USA neutral wären... - behandelt hätte? Alles wurde in der BRD gemacht.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von F. Zuber, Solothurn
    Frau Del Ponte hat doch nichts mehr zu melden. Klar arbeitete Kosova mit dem ICTY zusammen, wer war denn zwischen 1999 und 2008 bzw. bis heute in Kosova? UNO und EU. Was für ein Unsinn... Es geht um die Aufarbeitung von einer problematischen Vergangenheit und die ist in jedem ehemaligen Kriegsland nötig. Auch in der BRD passierte das nach dem 2. WK. Die Bevölkerung muss sich mit diesem Thema auseinandersetzen und das Sondergericht ist gut so.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen