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Die Gerichtszeichnerin des historischen Trump-Prozesses
Aus Echo der Zeit vom 15.05.2024. Bild: Elizabeth Williams/Pool via Reuters
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Gerichtszeichnerin in New York Ihre Werke vermitteln der Welt Eindrücke vom Prozess gegen Trump

Bei einigen Gesichtern hat sie mehr, bei anderen weniger Mühe: Die Werke von Gerichtszeichnerin Elizabeth Williams gehören zu den einzigen Bildern des historischen Prozesses gegen Donald Trump. Mit Ölkreide, Farbstiften und hochwertigem Papier versucht sie die entscheidenden Szenen zu verewigen.

Donald Trumps Gesicht zu zeichnen, sei nicht schwierig, sagt Elizabeth Williams. «Trump hat diese markanten Haare, buschige Augenbrauen, diesen kleinen, dicken Mund, eine gerade Nase.» Und sie hat Übung darin, denn der 77-Jährige ist nicht zum ersten Mal vor Gericht.

Der Strafprozess gegen Trump

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In New York läuft die fünfte Woche des ersten Strafprozesses gegen den ehemaligen US-Präsidenten. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Trump, seine Aussichten auf einen Erfolg bei der Präsidentschaftswahl 2016 durch die Zahlung von 130'000 US-Dollar an eine Pornodarstellerin verbessert haben zu wollen. Obwohl die Zahlung selbst nicht illegal war, soll Trump bei der Erstattung des Betrages an seinen damaligen Anwalt Michael Cohen Unterlagen manipuliert haben, um den wahren Grund der Transaktion zu verbergen. Trump droht eine mehrjährige Freiheitsstrafe, die auch zur Bewährung ausgesetzt werden könnte, oder eine Geldstrafe.

Williams ist eine von drei Gerichtszeichnerinnen, die mit ihren Werken einen optischen Eindruck davon vermitteln, wie es beim ersten Strafprozess gegen den ehemaligen US-Präsidenten zu- und hergeht. Abgesehen von einigen wenigen Fotos sind das die einzigen Bilder aus dem New Yorker Gerichtssaal, wo keine Kameras zugelassen sind.

Das schwierige Gesicht von Michael Cohen

Mit Ölkreide, Farbstiften und hochwertigem Papier ausgerüstet versucht Williams für ihre Auftraggeberin, die Nachrichtenagentur «Associated Press» (AP), die entscheidenden Szenen einzufangen. Trump selbst sitzt mit dem Rücken zum Publikum, doch Williams versucht, seinen Gesichtsausdruck einzufangen, etwa wenn er sich dem Zeugenstand zuwendet.

Anspruchsvoll seien die, wie Williams es nennt, langweiligen, ausdruckslosen Gesichter: El Chapo, der Drogenkartell-Boss aus Mexiko, habe ihr Mühe bereitet. Es sei ihr auch schwergefallen, Michael Cohens Gesicht abzubilden, als sie ihn bei anderer Gelegenheit habe zeichnen müssen, sagt Williams.

Diese Woche muss sie Trumps ehemaligen Anwalt wieder abbilden. Cohen soll im Auftrag von Trump das Schweigegeld an den Pornostar «Stormy Daniels» gezahlt haben. Das macht ihn zu einem zentralen Zeugen.

Die Letzten ihrer Art

Es ist eine Arbeit mit einer strikten Deadline. Sie habe schlicht keine Zeit, sich zu überlegen, was sie selbst vom Prozess halte. Sie sehe sich als Journalistin, erklärt sie: «Ich kann nicht einfach einige hübsche, künstlerische Bilder von Trump zeichnen. Ich muss die Szene im Gerichtssaal so abbilden, wie sie sich vor mir abspielt.»

Lächelnde Frau mittleren Alters mit Brille auf dem Kopf sitzt an einem Tisch.
Legende: Elizabeth Williams hat sich an Hochschulen zur Illustratorin ausbilden lassen. Aus der Modezeichnerin wurde vor über 40 Jahren eine Gerichtszeichnerin. Williams hat Prozesse mit teils sehr prominenten Angeklagten abgedeckt. Jefferson Siegel

Als erfahrene Gerichtszeichnerin müsse sie auch merken, «wenn etwas Wichtiges geschieht», erklärt Williams. «Trump gab einem ehemaligen Mitarbeiter einen ­‹Fist Bump›, einen Gruss mit der Faust, als dieser aus dem Zeugenstand trat. Ich sagte den AP-Reportern: ‹Trump hat das gerade getan. Und ich habe es eingefangen.›»

Ihr Beruf sei allerdings auf dem absteigenden Ast, sagt Williams. In einem Teil der US-Gerichtssäle sind nun Kameras zugelassen, Medienhäuser hätten ihre Budgets gekürzt. Die drei Gerichtszeichnerinnen, die den Trumpprozess zeichneten, seien die letzten ihrer Art: «Wir drei sind die, die überlebt haben. Wir sind die letzten Gerichtszeichnerinnen in New York.»

Bilder für die Geschichtsbücher

Bald dürften die Geschworenen im Trumpprozess ihr Urteil fällen. Elizabeth Williams wird diesen Moment einfangen müssen. Trump ist in 34 Punkten angeklagt. Es werde dauern, bis das Urteil verlesen sei. Das verschaffe ihr Zeit, sagt die Gerichtszeichnerin. Der vielleicht wichtigste Moment komme aber danach: die Reaktion auf das Urteil. «Man muss dann auf alles gefasst sein», weiss Williams.

Drei ältere Erwachsene in Winterkleidung in einem U-Bahn-Eingang.
Legende: «Die letzten Gerichtszeichnerinnen in New York»: Elizabeth Williams, Jane Rosenberg and Christine Cornell (von links nach rechts). Jefferson Siegel/Pool via REUTERS

Sie übergebe ihre Werke auch der Bibliothek des US-Kongresses, sagt sie. Tatsächlich haben sie historische Bedeutung: Sie gehören zu den wenigen Bildern vom ersten Strafprozess gegen einen ehemaligen US-Präsidenten.

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Echo der Zeit, 13.05.2024, 18:00 Uhr

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