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Journalistin Bettina Rühl über das «System Bongo» in Gabun
Aus SRF 4 News aktuell vom 07.01.2019.
abspielen. Laufzeit 05:39 Minuten.
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Gescheiterter Putschversuch «Bongo leitet viel Geld in die eigene Tasche»

Im westafrikanischen Gabun ist ein Putschversuch von Teilen des Militärs offenbar gescheitert. Soldaten drangen in die Räumlichkeiten des Staatsradios- und Fernsehens in der Hauptstadt Libreville ein und verlasen dort eine Erklärung.

Sie drückten darin ihre Unzufriedenheit mit Präsident Ali Bongo und seinem Clan aus, der das erdölreiche Land seit fast einem halben Jahrhundert regiert. Diese Haltung herrsche auch in weiten Teilen der Bevölkerung, sagt die freie Afrika-Journalistin Bettina Rühl.

SRF News: Was genau haben die Soldaten im Radio und Fernsehen gesagt?

Bettina Rühl: Sie gaben bekannt, dass sie die Macht im Land übernehmen und dazu einen nationalen Rat zur Erneuerung des Landes einsetzen. Zugleich riefen sie die Bevölkerung dazu auf, sich am Putsch zu beteiligen. Präsident Ali Bongo warfen sie vor, angesichts seines schlechten gesundheitlichen Zustands nicht mehr in der Lage zu sein, das Land zu regieren. Bongo befindet sich seit einem Schlaganfall im vergangenen Herbst in Marokko.

Ist der schlechte Gesundheitszustand von Präsident Ali Bongo der einzige Grund für den Putschversuch?

Es ist jedenfalls der erste Grund, den der Putschführer in seiner TV-Ansprache genannt hat. Bongo wusste sehr wohl, dass seine Gesundheit im Land schon länger diskutiert wurde. In einer Neujahrsansprache wandte er sich denn auch an das Volk. Er wirkte dabei einigermassen gesund, sprach jedoch etwas undeutlich und konnte den rechten Arm nicht bewegen. Die Putschisten sagten nun, es sei unwürdig, dass so jemand das Land führe, Bongo sei dazu nicht in der Lage.

Es gibt eine grundsätzliche Unzufriedenheit mit der Regierungsführung Bongos.

Allerdings ist das offensichtlich nur ein Teil der Unzufriedenheit der Putschisten. In der Ansprache des Putschführers wurde eine grundsätzliche Unzufriedenheit mit der Regierungsführung und insbesondere mit der langen Dauer deutlich. Auch wurde Bongo und seinem Clan vorgeworfen, sich unrechtmässig zu bereichern, während die Bevölkerung in Armut lebe.

Gabun verfügt über reiche Erdölvorkommen. Ist dies mit ein Grund für den Putschversuch?

Ganz sicher. Es müsste dank dem Erdöl eigentlich nicht allzu schwer sein, den 1,8 Millionen Gabunern ein einigermassen menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Tatsächlich aber lebt ein Drittel der Bevölkerung in Armut, während die Bongo-Familie allein in Frankreich mindestens 40 Immobilien besitzen soll.

Ein Drittel der 1,8 Millionen Gabuner lebt in Armut, während dem Präsidentenclan in Frankreich 40 Häuser gehören.

Auch ermittelt die französische Justiz schon seit Jahren wegen Korruptionsvorwürfen gegen den Clan. Es ist offensichtlich, dass Präsident Bongo und seine Entourage einen grossen Teil der Erdöleinnahmen in die eigenen Taschen leitet. Das schürt die Unzufriedenheit der Gabuner.

Wie gross ist der Rückhalt von Präsident Bongo derzeit noch?

Vor zwei Jahren wurde er wiedergewählt, nachdem er das Amt von seinem verstorbenen Vater ohne Wahl übernommen hatte. Er gewann die Wahl 2016 jedoch mit bloss 6000 Stimmen Vorsprung auf seinen Gegner. Dabei fällt es einem schwer zu glauben, dass die Wahl nicht gefälscht war. Im allerbesten Fall steht also bloss gut die Hälfte der Gabuner hinter ihrem Präsidenten.

Das Gespräch führte Antonia Moser.

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23 Kommentare

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  • Kommentar von ueli hofer  (refoh,parteifrei)
    «Bongo leitet viel Geld in die eigene Tasche». Es gibt in ganz Afrik kaum einen Staatspräsidenten, der nicht viel Geld in die eigene Taschen leitet. Nicht nur die Präsidenten - meistens auch die Direktoren der Departementen und der Provinzen.
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  • Kommentar von Roger Stahn  (jazz)
    Einerseits könnte »dank dem Erdöl« es den Gabunern ein einigermassen menschenwürdiges Leben ermöglichen, anderseits will der Weltklimarat, dass das Erdöl aus dem globalen »Energiemix« verschwindet. (...) Ferner die Entwicklungshilfe massiv zur Verarmung des Kontinents beiträgt (Dr. Dambisa Moyo, Sambia) und es ein Journalist (A. M. Saleh) aus Tansania präzisiert: «Entwicklungshilfe nimmt das Geld der Armen in den reichen Ländern und gibt es den Reichen in den armen Ländern.» (...)
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    1. Antwort von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
      Journalist (A. M. Saleh) aus Tansania präzisiert: «Entwicklungshilfe nimmt das Geld der Armen in den reichen Ländern und gibt es den Reichen in den armen Ländern.» (...)........SUPER!!!!
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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Wenn das stimmt, dass Bongo viel Geld in seine eigene Tasche verschwinden lässt, ist dies für mein Empfinden ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Wenn dort Menschen verhungern oder sonst zu kurz kommen, trägt er die Hauptverantwortung. Eigentlich wäre dies ein Fall für die UNO, diesen "Verbrecher" zu stoppen.
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    1. Antwort von E Hitz  (Habo)
      Bis vor sechzig Jahren war Gabun eine Kolonie von Frankreich, anschliessend wurden die Machenschaften und Strukturen wie in vielen Ländern in Afrika übernommen. Moderne Waffen zur Unterdrückung waren auch schon da. Einen sicheren Hafen für das erwirtschaftete Geld gab es in Zentraleuropa. Verantwortung ?
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