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Terrorbekämpfung 2.0 Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof

Deutschland rüstet sich gegen den Terror. Am Berliner Bahnhof Südkreuz läuft ein Versuch, der zeigen soll, ob Kameras und Software brauchbare Ergebnisse zur Terror- und Verbrechensbekämpfung liefern. Beteiligt sind die Bundespolizei, die Deutsche Bahn und das Bundesinnenministerium. Die Reportage.

Legende: Video Terrorbekämpfung per Gesichtserkennung abspielen. Laufzeit 01:55 Minuten.
Aus Tagesschau vom 12.08.2017.
  • Die Sicherheitsbehörden testen am Berliner Bahnhof Südkreuz eine neue Software. Diese soll die Fahndung nach Terrorverdächtigen erleichtern.
  • 300 Personen haben sich zu Testzwecken von der Polizei fotografieren und registrieren lassen, damit die Behörden die neue Software testen können.
  • Datenschützer laufen gegen den Testlauf Sturm.

Achtzehn Sekunden lang dauert die Fahrt auf der Rolltreppe in der Haupthalle des Bahnhofs Südkreuz in Berlin. Tausende Passagiere nutzen diese Rolltreppe täglich. Seit Anfang August werden die Passanten in der Bahnhofshalle nicht mehr nur überwacht wie bisher: Drei Kameras gehen ganz nah ran an ihre Gesichter und scannen sie.

Eine Software gleicht sekundenschnell ab, ob es sich um das Gesicht einer polizeibekannten Person handelt. Dadurch erhofft sich die Polizei schnelle Fahndungserfolge und Hinweise über den Aufenthalt von Terroristen, Gefährdern oder anderen polizeilich registrierten Personen.

300 Personen, die häufig am Bahnhof Südkreuz verkehren, haben sich zu Testzwecken von der Polizei fotografieren und registrieren lassen, damit die Behörden die neue Software testen können.

Der Testlauf hat heftige Reaktionen bei Datenschützern ausgelöst. Die digitale Gesichtserkennung sei ein schwerwiegender Eingriff in die Privatsphäre. Die Aktion Freiheit hat zu Protesten am Bahnhof aufgerufen. Ihrer Ansicht nach kann der Test dazu führen, dass nicht nur nach Terroristen, sondern auch nach Anderen gefahndet wird – Schwarzfahrern, Sprayern, Obdachlosen oder Bettlern etwa.

Niemand könne der biometrischen Erfassung entgehen ohne auf seine Bewegungsfreiheit zu verzichten, kritisiert die Aktion. Zudem fehle jegliche Zweckbindung der erhobenen Daten.

Auch der deutsche Anwaltsverband übt Kritik am Pilotprojekt in Berlin. Die Behörden hätten den Test ohne genaue Prüfung der Rechtmässigkeit gestartet. «Zuerst sind die rechtlichen Voraussetzungen zu klären. Wir haben verfassungsrechtliche Vorgaben. Im Moment steht die technische Realisierbarkeit im Vordergrund und das ist nicht der richtige Weg», so Ulrich Schellenberg vom Deutschen Anwaltsverein gegenüber SRF.

Zuerst sind die rechtlichen Voraussetzungen zu klären. Wir haben verfassungsrechtliche Vorgaben.
Autor: Ulrich SchellenbergDeutscher Anwaltsverein

Trotz Bedenken und Kritik wollen Polizei und Bundesinnenministerium den Test am Berliner Südkreuz während der nächsten sechs Monate weiterführen. Die Daten aus dem Test sollen nach einem Jahr gelöscht werden. An verschiedenen Orten weist die Polizei auf die gesichtsnahe Überwachung hin. Gleichzeitig gibt es am Bahnhof gekennzeichnete Orte, an denen keine Gesichter gescannt werden, damit die aufmerksamen Passanten einem Gesichtsscan entgehen können.

Ende August will der deutsche Innenminister Thomas de Maizière erste Resultate des Tests präsentieren. So oder so löst dieser Testlauf eine neue Debatte aus – darüber, wie nahe der Staat zum Schutz der Allgemeinheit an den einzelnen Bürger herantreten darf.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Fabio Krauss (FabioK)
    Und wem haben wir das ganze zu verdanken?
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  • Kommentar von Martin Steffen (/\o/\)
    Hierbei geht es ganz bestimmt nicht um Terrorbekämpfung - Stichworte: "Terroropfer in Deutschland Trauboth"! Totale Überwachung und Präventionsstaat sind durch totale Vernetzung und moderne ICT (Digitalisierung) machbar geworden, also macht man' s! Weitere Versuche im öffentlichen Raum in Deutschland laufen (Kameras mit Verhaltensanalysen mittels Algorithmen, etc.)! Alle Macht den Mächtigen! Welch ein Hohn, wenn da Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier noch immer "Mut zur Freiheit" einfordert!
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  • Kommentar von Martin Steffen (/\o/\)
    Unter dem Terrorbekämpfungs-Deckmänteli werden die totale Überwachung, die totale Kontrolle und die Massenversklavung technisch vorangetrieben! Thomas de Maizière fällt häufig negativ auf mit massiven Angriffen auf die freiheitliche Gesellschaft, auf die Menschenrechte! Mediale und behördliche Panikmache zeigen Wirkung! Auch Deutschland wird zur DDR 2.0 umgebaut - und die verängstigten und teils hysterischen Bürger flehen gar darum! Faktum: Auch in Deutschland stirbt praktisch niemand an Terror!
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    1. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      eine Rückkehr zur DDR wäre eine Rückkehr in den Kommunismus. Und das wollen viele Deutsche? Auch in Deutschland stirbt niemand an Terror? Da muss ich in den letzten Jahren in einer anderen Welt gelebt haben.
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    2. Antwort von Martin Steffen (/\o/\)
      @ Christa Wüstner, Basel: DDR 2.0: Es geht um die Neuauflage der Stasi: Stasi 2.0! Fakten: In Deutschland stirbt PRAKTISCH niemand an Terror - Stichworte: "Terroropfer in Deutschland Trauboth"! Und die Deutschen wollen mehr Überwachung - Stichworte: "Deutschland mehr Überwachung Bevölkerung". Tragische Einzelfälle muss ein 80-Mio.-Volk in einer freiheitlichen Gesellschaft unbedingt aushalten können, ohne danach gleich alle überall unter Überwachung/Generalverdacht stellen zu wollen! Rechtsstaat!
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