- Eine private Initiative will den seit Wochen gestrandeten Buckelwal in der Wismarbucht in Deutschland mit einem Lastkahn zur Nordsee transportieren.
- Das Deutsche Meeresmuseum fordert, den Wal in Ruhe zu lassen, da wiederholte Strandungen auf ein ernstes Gesundheitsproblem hinwiesen.
- Tierschützer warnen vor Stress und Panik beim Wal, möglichen heftigen Flossenschlägen oder einer Schockstarre mit verkrampften Muskeln.
Wenn es nach den freiwilligen Helferinnen und Helfern geht, soll Dienstag der entscheidende Tag sein. Der schätzungsweise zwölf Tonnen schwere Meeressäuger soll mit Hilfe eines Gurtes in die sogenannte Barge gelenkt werden. Der Rettungsversuch dürfte knifflig werden.
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Bild 1 von 2. Der Lastkahn ist absenkbar und soll so den Wal aufnehmen können. Das Schiff soll den Wal dann samt Wasser Richtung Skagen zum Eingang der Nordsee bringen. Dafür sind etwa dreieinhalb Tage eingeplant. (26.4.2026). Bildquelle: KEYSTONE/DPA/Bodo Marks.
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Bild 2 von 2. Mit einem Bagger wurde eine Rinne im flachen Wasser gegraben, durch die der Wal in die Barge gelenkt werden soll. (25.4.2026). Bildquelle: KEYSTONE/DPA/Philip Dulian.
«Wir versuchen, das so schonend wie möglich zu machen, und das ist nur eine Unterstützung», sagte die beteiligte Tierärztin Kirsten Tönnies. Der Wal werde nicht überbeansprucht. Oliver Bartelt von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), die die Initiative unterstützt, sagte, der Wal werde sich «floatend bewegen». Er werde nicht aufliegen. «Er wird über keinen Sand gezogen.»
Dennoch war bis zuletzt offen, ob es überhaupt zu dem Versuch kommt. Bis zum späten Nachmittag des Vortags wurden nach Angaben des Umweltministeriums von Mecklenburg-Vorpommern trotz mehrfacher Nachfragen keine Unterlagen für den Einsatz des Gurtes eingereicht. Das Ministerium hatte in der Vergangenheit betont, dass es bei der Abstimmung entsprechender Massnahmen nicht um Genehmigungen, sondern die Frage der Duldung gehe.
Deutsches Meeresmuseum: Wal grösstmöglich in Ruhe lassen
Das Deutsche Meeresmuseum sprach sich am Montag nochmals dafür aus, dem Tier stattdessen die grösstmögliche Ruhe zu lassen. Die wiederholten Strandungen des Wales wiesen auf ein ernsthaftes Gesundheitsproblem hin.
Wie der Wal letztlich reagiert, könne niemand sagen, hiess es von der Wal- und Delfin-Schutzorganisation WDC. Die wenigen vorhandenen Daten wiesen darauf hin, dass Interaktionen mit Menschen bei wildlebenden Gross- beziehungsweise Bartenwalen Stress auslösten.
«In freier Natur sind Wale keine Situationen gewohnt, in denen sie eingesperrt sind. Am wahrscheinlichsten ist, ganz allgemein gesprochen, dass die ungewohnte Situation einen Wal zusätzlich in Stress, möglicherweise auch Angst und Panik versetzen würde.» Dies gelte insbesondere, da der Wal nicht seinem natürlichen Fluchtinstinkt nachkommen könne.
Wetter laut Vorhersagen günstig
Wenn der Wal die Energie aufbringe, seien etwa heftige Flossenschläge und damit Risiken für das Tier und Einsatzkräfte denkbar, hiess es von der Schutzorganisation weiter. Es könne aber auch sein, dass das Tier in eine Fangmyopathie verfällt, «also in eine Art Schockstarre, bei der sich die Muskeln verkrampfen». Es könne auch schon zu geschwächt sein, um starke Reaktionen zu zeigen. «So könnte es dann wirken, als würde er den Einsatz freiwillig mitmachen oder über sich ergehen lassen.»
Sollte der Transport trotz aller Widrigkeiten starten, ist laut Vorhersagen von Meteorologen immerhin das Wetter günstig. Es werden schwacher Wind auf See und keine aussergewöhnlichen Pegelschwankungen erwartet.