Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Gestrandet in der Ostsee Wal-Rettungsversuch läuft – Tier ist in einem Lastkahn unterwegs

  • Der an der Ostseeküste gestrandete Buckelwal ist mit einem Lastkahn (Barge) von seiner bisherigen Position vor der Insel Poel wegbewegt worden.
  • Die mit Wasser gefüllte Barge wurde am Abend von mehreren kleineren Booten weggeschoben, wie in Livestreams zu sehen war. Ein Schlepper hat den Lastkahn nun übernommen.
  • Tierärztinnen und -ärzte der Initiative haben den Wal für transportfähig erklärt. Andere Experten sehen die Aktion allerdings kritisch.

Der festliegende Meeressäuger war zuvor durch eine eigens dafür ausgebaggerte 100 Meter lange Rinne zu der Barge bugsiert worden. Im tieferen Wasser soll der Lastkahn mit dem Wal von einem Schlepper in die Nordsee gezogen werden.

Das Verladen des Tiers in die Barge hatte mehrere Stunden gedauert. Mitglieder des Rettungsteams zogen den Wal mit Gurten zum Lastkahn. Um 14:45 Uhr war das Tier schliesslich in dem abgesenkten Kahn.

Helfende haben am Vormittag im Hafen von Kirchdorf auf Poel Boote bestiegen und sind zum Wal hinausgefahren, der seit vier Wochen in einer flachen Bucht der Insel vor Wismar feststeckt. Der Wal liess die Prozedur zunächst ruhig über sich ergehen.

«Mir fällt wirklich ein Stein vom Herzen», sagte Umweltminister Till Backhaus im Hafen von Kirchdorf. Er gestand, er habe auf dem Schiff, von wo er die Aktion beobachtete, geweint. Nach der Aktion fielen sich die Helfer der privaten Rettungsinitiative in die Arme, bei manchem rollt ebenfalls eine Träne der Erleichterung nach Wochen der Anspannung.

Für die Fahrt der von einem Schlepper gezogenen Barge Richtung Nordsee sind etwa dreieinhalb Tage geplant.

Doch damit ist das Überleben des Wals noch nicht gesichert: Experten des Meeresmuseums hatten vor dem Transport des Tiers gewarnt. «Der Allgemeinzustand des Wals hat sich weiter verschlechtert» und die Erfolgsaussichten einer Lebendbergung seien sehr gering. Sie «ist zudem mit enormen Verletzungsrisiken für den Wal verbunden», erklärten die Forscher und verwiesen auf ähnliche Einschätzungen etwa der International Whaling Commission und British Divers Marine Life Rescue.

Die Wal- und Delfin-Schutzorganisation WDC erklärte: «In freier Natur sind Wale keine Situationen gewohnt, in denen sie eingesperrt sind. Am wahrscheinlichsten ist, dass die ungewohnte Situation einen Wal zusätzlich in Stress, möglicherweise auch in Panik versetzen würde.» Dies gelte insbesondere, da der Wal nicht seinem natürlichen Fluchtinstinkt nachkommen könne.

Zwei Personen in einem Schlauchboot auf einem See, mit einem Wal im Wasser.
Legende: Helferinnen und Helfer befeuchten am Montag den Rücken des Buckelwals. Er war etwa vor einem Monat bei Wismar gestrandet und liegt weiterhin im Flachwasser fest. (28.4.2026) KEYSTONE / DPA, Marcus Golejewski

Auch Umweltminister Backhaus gab zu bedenken, dass es sich bei dem Wal um ein Wildtier handele, dessen Reaktionen nicht absehbar seien. Der Gesundheitszustand des Tiers sei der Einschätzung zufolge gut, die Atmung tief und ohne pathologische Geräusche.

Schon Anfang März gestrandet

Box aufklappen Box zuklappen

Bereits Anfang März war der Buckelwal nach Angaben der Behörden in Küstennähe aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar. In der Nacht zum 23. März strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. Dem Tier gelang es, das flache Wasser über eine ausgehobene Rinne zu verlassen. Danach nahm es aber nicht Kurs aufs offene Meer und Richtung Norden, sondern schwamm wieder Richtung Wismar. Schliesslich schwamm es in die flache Bucht der Insel Poel, Kirchsee genannt. Dort strandete es erneut, schwamm sich zwischenzeitlich frei, lag aber wenige Stunden später am Ausgang der Bucht wieder fest.

Backhaus hatte Mitte April trotz aller Warnungen aus der Wissenschaft entschieden, die Versuche der privaten Initiative zu dulden. Sie wird neben der Unternehmerin Karin Walter-Mommert vom Mediamarkt-Gründer Walter Gunz finanziert. Die Initiative hat den Lastkahn herangeschafft, um den Wal damit in die Nordsee zu bringen. Ein vorheriges Konzept der Gruppe gelang nicht und wurde verworfen.

Holen Sie sich SRF News in Ihr Whatsapp

Box aufklappen Box zuklappen

Die wichtigsten und spannendsten News jetzt bequem auf Whatsapp – einmal morgens (Montag bis Freitag), einmal abends (die ganze Woche): Abonnieren Sie hier den SRF-News-Kanal auf Ihrem Smartphone.

SRF 4 News, 20.4.2026, 9 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel