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Legende: Audio Kommission macht über 200 Empfehlungen, um Gewalt gegen Urbevölkerung zu bekämpfen abspielen. Laufzeit 01:46 Minuten.
01:46 min, aus HeuteMorgen vom 03.06.2019.
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Gewalt an Indigenen in Kanada Wenn die Tochter verschwindet und die Polizei wegschaut

Der Staat unternehme viel zu wenig gegen die Gewalt an Tausenden indigenen Frauen und Mädchen. Zu diesem Schluss kommt eine Kommission.

Die Tochter sei wohl an einer Party und betrunken, sie komme schon wieder – das bekamen die Eltern der 18-jährigen Jennifer vor zwölf Jahren in der kanadischen Provinz Manitoba von der Polizei zu hören, als sie eine Vermisstmeldung aufgeben wollten. Jennifer wird noch immer vermisst.

Jennifers Eltern sind Indianer. Sie gehören zu den Hunderten von Personen, welche die Kommission seit dem Herbst 2016 angehört hat. Eltern, Geschwister und Ehepartner, die von ermordeten oder verschwundenen Frauen und Mädchen berichteten. Und von der Gleichgültigkeit, ja vom Rassismus mancher Polizeibeamter gegenüber den verzweifelten Angehörigen.

Tausende Mädchen und Frauen wurden Opfer

Wie viele Frauen und Mädchen Opfer dieser Gewalt wurden, wisse man auch jetzt nicht, schreibt die Kommission. Sie geht von Tausenden aus. Die Ursachen lägen im Kolonialismus. Die Ureinwohner Kanadas verloren ihr Land, ihre Kulturen und Sprachen wurden unterdrückt. In den Reservaten ist die Armut gross, in den Familien grassiert häusliche Gewalt. Und in den Städten werden indigene Frauen oft zu Freiwild für Sexualstraftäter.

Die Kommission macht über 200 Empfehlungen, was zu tun sei. In Verwaltung und Regierung, in Polizeicorps und in Schulen. Und: Es brauche eine andere Haltung gegenüber der Urbevölkerung, ein anderes Denken und Handeln der ganzen Gesellschaft.

Bisher hat die kanadische Öffentlichkeit mehrheitlich ohne Anteilnahme auf diese Tragödie reagiert. Durch die öffentlichen Hearings bekamen die Opfer und ihre Angehörigen nun ein Gesicht. Das «Inquiry», wie die Untersuchung der Kommission genannt wird, war 2015 eines der Wahlversprechen von Premierminister Justin Trudeau an die Ureinwohner. Die Kommission sollte vor allem die Ursachen dieser Gewalt ermitteln. Das hat sie getan. Doch viele indianische Eltern fragen sich noch immer, was aus ihrer Tochter geworden ist.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Schmidlin  (Queren life)
    Wo war denn da die freie Presse in Kanada?
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  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Jahrzehntelang steckte Kanada mehr als 150.000 Kinder von Ureinwohnern in Zwangsinternate. Sie starben an den Folgen der Quälereien, der Erniedrigungen oder der Einsamkeit, viele leiden an den Folgen. Das Ziel dieser Politik: Die Ureinwohner sollten ihrer Kultur beraubt und in der weissen Gesellschaft assimiliert werden.So gehörten sexueller Missbrauch und physische Gewalt in vielen Internaten zu Alltag. Von einem „kulturellen Genozid“ aber hat die Regierung bislang nicht gesprochen.
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  • Kommentar von Heinrich Rubi  (heru)
    Das ist erschütternd. Und das in Kanada, das sich so gern humanitär und weltoffen präsentiert und z.B. in Reaktion auf Trumps Versuch, Muslime nicht mehr ins Land zu lassen, laut erklärt hat, in Kanada seien sie willkommen. Es gibt eben keine Medaille ohne Kehrseite.
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