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Gewalteskalation in Nahost «Vermittler müssen wohl wieder bei Null anfangen»

Legende: Video Angst vor neuem Krieg im Nahen Osten abspielen. Laufzeit 01:20 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.11.2018.

Zwischen Israel und Gaza ist die Lage in der Nacht eskaliert, so schlimm wie seit vier Jahren nicht mehr. Militante in Gaza feuerten gemäss israelischen Armeeangaben rund 400 Raketen auf Israel, die israelischen Streitkräfte bombardierten ihrerseits rund mehr als 100 Ziele in Gaza. Auf beiden Seiten gab es Tote und Verletzte. Susanne Brunner, Nahost-Korrespondentin von SRF, erklärt, wie es trotz einer vorübergehenden Entspannung der Situation am Wochenende soweit kommen konnte.

Susanne Brunner

Susanne Brunner

SRF-Nahostkorrespondentin

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Susanne Brunner ist seit 2018 Nahostkorrespondentin für Radio SRF. Zuvor hatte sie zwölf Jahre lang die Sendung «Tagesgespräch» moderiert.

SRF News: Was ist der Auslöser für die Gewalteskalation letzte Nacht?

Susanne Brunner: Der Auslöser war angeblich eine Geheimoperationen einer militärischen Sondereinheit Israels in Gaza. Diese tötete insgesamt sieben Hamas-Kämpfer, darunter einen ihrer Kommandanten. Diese Einheit flog auf. Hamas-Kämpfer beschossen sie und töteten einen israelischen Offizier.

Dann kamen israelische Kampfjets zum Einsatz, um den Rückzug seiner Soldaten zu decken. Darauf folgte die Eskalation mit Hunderten – die israelische Seite spricht von 370 – Raketen aus Gaza auf Israel. Die Streitkräfte Israels griffen ihrerseits Dutzende von Zielen in Gaza an.

Die Waffenstillstandsgespräche zwischen Israel und der Hamas unter ägyptischer Führung schienen auf gutem Weg.
Legende: Video Raketenangriffe im Gaza-Streifen abspielen. Laufzeit 00:31 Minuten.
Aus News-Clip vom 13.11.2018.

Dabei sah es eigentlich erst am Wochenende noch nach etwas Entspannung aus. Israel liess Treibstoff und Geld aus Katar in den Gazastreifen. Die Menschen hatten statt nur vier plötzlich acht Stunden Strom am Tag. Die Hamas konnte die ausstehenden Löhne der Angestellten in der Verwaltung bezahlen. Und die Waffenstillstandsgespräche zwischen Israel und der Hamas unter ägyptischer Führung schienen auf gutem Weg.

Warum ist die Situation trotz Friedensgesprächen so eskaliert?

Die Frage wird in den Medien der Region nicht wirklich beantwortet. Klar ist: Hinter der massiven Reaktion auf die Operation der israelischen Sondereinheit in Gaza steckt wohl nicht nur die Hamas, sondern auch die Gruppierung islamistischer Dschihad, die schon letzte Woche Raketen auf Israel feuerte.

Was bedeutet diese jüngste Eskalation? Ist ein neuer Krieg möglich?

Nein, schreiben einige Zeitungskommentatoren. Nur: Diese Eskalation kommt einem Krieg wirklich sehr nahe. Ägypten und die UNO versuchen krampfhaft zu vermitteln, aber sie können nach heute Nacht wohl wieder bei Null anfangen.

Das Gespräch führte Christina Scheidegger.

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32 Kommentare

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  • Kommentar von Fabio Rüegsegger (Rüegsegger)
    Kampfjets zur "Unterstützung" einer geheimen Sondereinheit die verfolgt wird über städtischem Gebiet? Einen Kampfhelikopter hätte ich noch nachvollziehen können, aber Kampfjets sind in einer solchen Situation absolut nicht der Sache dienlich. Das ist einfach ein massiver Angriff und das während Friedensgesprächen (eigentlich schon nur die Geheimoperation)
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Zwischen Israel und Gaza ist die Lage in der Nacht ein weiteres Mal eskaliert. Es wird nie Frieden geben zwischen Israel und Palästina, solange sie sich weiter bekämpfen. Eine Zweistaatenlösung muss her. Illegale Siedlungen, Verfolgung, Vertreibung durch die Israelis.Israel hat während des Sechstagekriegs 1967 unter anderem das Westjordanland, den Gazastreifen und den Ostteil Jerusalems an sich gerissen. Palästinenser haben ein Recht auf ihr eigenes Land.
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  • Kommentar von Eugen Thomas Bühlmann (E.T.)
    Wo kein Vertrauen und Respekt ist, gibt es keinen Frieden. Das ist im Kleinen (Ehe, Familie) wie im Grossen (Kanton, Staaten) so. Welche Staatsführung im nahen Osten fördert Vertrauen und Achtung? Leider finde ich sie nicht.
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