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Gipfel in Wladiwostok Putin inszenierte sich als Politiker von Weltformat

Legende: Video «Inhaltsvolles» Gespräch zwischen Kim und Putin abspielen. Laufzeit 00:51 Minuten.
Aus SRF News vom 25.04.2019.

Es war das erste Treffen überhaupt zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un heute in Wladiwostok. An der kurzen Stellungnahme nach dem Treffen sprachen beide von ergiebigen Gesprächen. Was hinter verschlossenen Türen während mehreren Stunden besprochen wurde, darüber schwiegen sich die Staatschefs nach ihrem Treffen jedoch aus.

Kurzfristig war das Treffen mehr ein Symbol nach Aussen, um der Weltöffentlichkeit die eigene Stärke unter Beweis zu stellen. Doch langfristig dürfte Wladimir Putin weitere Ziele verfolgen.

Anerkennung von China

Wenn Wladimir Putin über 6000 Kilometer von Moskau nach Wladiwostok reist, um sich mit einem Staatschef zu treffen, muss dem russischen Präsidenten viel an dem Treffen gelegen sein. Mehrmals bedankte sich Kim Jong-un denn auch für den weiten Weg, welchen der russische Präsident auf sich genommen habe.

Die weite Reise hat Putin jedoch nicht ganz uneigennützig angetreten. Das Treffen dürfte ihm dabei helfen, sich selbst als Politiker von Weltformat zu inszenieren. Die Bilder vom heutigen Treffen sind ein Signal von Wladimir Putin an China, dass Russland bereit ist, in der aktuell verfahrenen Situation als Verhandlungspartner einzuspringen.

Wenn Wladimir Putin im Anschluss des heutigen Treffens nach Peking weiterreist, kann er dort auf Anerkennung hoffen. Chinas Interesse an einer Lösung des Konflikts mit Nordkorea ist deutlich grösser als jenes von Russland. Doch um die Gespräche im Handelsstreit mit den USA nicht zu gefährden, hält sich China zur Zeit auffällig im Hintergrund.

Im Schatten von Stalin

Wladimir Putin sagte nicht ohne Zufall nach dem Treffen, dass man über die Geschichte der Beziehungen beider Länder zueinander gesprochen hätte. Das Nordkorea von heute ist das Erbe sowjetischer Aussenpolitik. Stalin persönlich soll an der Verfassung Nordkoreas mitgeschrieben haben.

Eine solch wichtige Rolle wie einst die Sowjetunion in Nordkorea spielte, wird das Russland unter Wladimir Putin nicht mehr spielen. Auch wenn Nordkorea als eine Pufferzone zum Süden der koreanischen Halbinsel für Putin gelegen kommt, hat Russland akzeptiert, dass Nordkorea zur Einflusssphäre von China gehört. Dies liest sich auch aus den Worten Putins, wenn er davon spricht, dass man die Beziehungen in der Gegenwart entwickeln müsse.

Im Unterschied zur Sowjetunion verfolgt Wladimir Putin keine ideologischen Ziele in einer bipolaren Welt. Nordkorea ist für Wladimir Putin einer von vielen Steigbügeln in den Sattel einer multipolaren Weltordnung.

Zurück an den Verhandlungstisch

Ganze drei Jahre lang sollen die Vorbereitungen für das heutige Treffen gedauert haben. Angesichts dieser langen Vorbereitungszeit ist es auf den ersten Blick erstaunlich, wie wenig konkretes heute bekannt gegeben wurde. Mehrere Anzeichen deuten darauf hin, dass Russland langfristig die Wiederbelebung der sogenannten Sechs-Parteien-Gespräche plant.

Diese Verhandlungsrunden, bei denen auch Russland mit von der Partie war, sind seit dem Austritt von Nordkorea vor knapp zehn Jahren vollständig zum Erliegen gekommen. Wladimir Putin dürfte ein Interesse daran haben, dass diese Gesprächsrunde wieder zum Leben erwacht.

Denn am Verhandlungstisch zur Lösung um das nordkoreanische Atomwaffenprogramm würde nicht nur Donald Trump sitzen, sondern neben China, Japan und Südkorea auch Russland.

Luzia Tschirky

Luzia Tschirky

Russland-Korrespondentin

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Luzia Tschirky ist SRF-Korrespondentin für die Region Russland und die ehemalige UdSSR. Zuvor war sie im trimedialen Journalismus-Stage bei SRF.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Kurt E. Müller  (KEM)
    "Putin inszenierte sich als Politiker von Weltformat". Wieso inszenierte? Sowas hat Putin nicht nötig. Er glänzt lieber durch Ideen und Taten, im Gegensatz zu all den Schwätzern auf dem Politparkett.
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  • Kommentar von Benjamin Knie  (Beno)
    Ach liebe Russen warum müsst ihr schweigen wie zu alten Zeiten? Ist nicht etwas im Busch, was die Öffentlichkeit nicht wissen sollte? Im Gegensatz zu Amerika wird hier nichts offengelegt sondern das Handeln wie im Mittelalter wird strickte weitergeführt. Wo sind die Morde aus neuen wie alten Zeiten schön aufgezeichnet und Preisgegeben sowie die russische Präsenz in allen Weltländern inklusive vieler Kriegsstiftungen? Der Westen muss die Russen vertreiben und Unabhängiger werden.
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    1. Antwort von Stefan Renevey  (weissdassichnichtsweiss)
      Ergänzen Sie Russen mit Wertewesten/USA und ich bin bei Ihnen...
      Etwas gar kurzsichtig und einseitig, Ihr Statement.
      Wunschdenken, weitab der Realität und zudem ohne Fakten.
      Was war mit M.L. King, Kennedy, 9/11? Waren das etwa die Russen?
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    2. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Benjamin Knie, ich fürchte sie verwechseln da was, Präsenz in allen Weltländern und viele Kriegsstiftungen? Nüchtern betrachtet trifft das doch nur auf die USA zu.
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    3. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      @B.Knie: die USA haben seit dem 2. WK 10 bis 30 Mio Kriegsopfer zu verantworten (alleine im Irakkrieg 2Mio), min. 36 regime-change, min. 50 Morde an Regierungsmitgliedern anderer Staaten, 10'000ende Menschen in CIA-Geheimgefängnisse wo auch gefoltert wird usw. Also zumindest seit dem Ende der UdSSR dürfte klar sein, wer auf der Welt hauptsächlich Gewalt sät und Frieden gefährdet.
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  • Kommentar von Urs Stotz  (Urs Stotz)
    Ein gut geschriebener Artikel von Russland-Korrespondentin Luzia Tschirky.
    Aber ein unterirdischer Artikeltitel: "Putin inszenierte sich als Politiker von Weltformat".
    Ich gehe davon aus, dass dieser Titel von der Redaktion gesetzt wurde.
    Irgendwie musste die Redaktion ihre Marke hinterlassen.
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