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Was ist wichtiger - die Religion oder die Sicherheit?
Aus Echo der Zeit vom 27.10.2020.
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Glauben in Corona-Zeiten Die Wallfahrt nach Bukarest fällt dieses Jahr aus

Manche Rumänen sehen in den Einschränkungen wegen Corona vor allem eine Verletzung der Religionsfreiheit.

Ende Oktober klopfen orthodoxe Priester in Bukarest normalerweise auf Holzkreuze, die sie auf den Schultern tragen. Ein langer Zug von Geistlichen und Gläubigen begleitet die Reliquien des heiligen Demetrius durch die Strassen von Bukarest.

Nur 200 Gläubige zugelassen

Die Prozession des Stadtheiligen ist auf Geheiss der Regierung dieses Jahr abgesagt. Zu gross ist das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus.

Zwar fand der grosse Gottesdienst zu Ehren des heiligen Demetrius diese Woche statt, doch es durften gerade mal zweihundert Gläubige teilnehmen.

Umzug von Geistlichen.
Legende: Der Pilgerumzug und das Klopfen der Geistlichen auf Holzkreuze fallen dieses Jahr aus. Aufnahme aus dem Jahr 2011. Reuters

Der Besuch am Reliquienschrein mit den Überresten des Heiligen war zwar erlaubt, aber nur für Bewohnerinnen und Bewohner von Bukarest. Die zehntausenden Gläubigen, die normalerweise von auswärts in die Hauptstadt pilgern, müssen anderswo für ein Wunder beten. Das Küssen des Schreins war gestattet – aber nur durch die Maske

Kirche wollte die Wallfahrt nicht absagen

Man habe die Organisation der diesjährigen Feier ganz den epidemiologischen Vorschriften angepasst, versichert im rumänischen Fernsehen der Sprecher des rumänisch-orthodoxen Patriarchen.

Leute rund um den Schrein, alle mit Maske, eine Person küsst den Schrein.
Legende: Das Küssen des Schreins ist dieses Jahr trotz Corona möglich – aber nur mit Maske und umgehender Desinfizierung nach dem Küssen. Keystone

Die Wallfahrt zum heiligen Demetrius abzusagen oder zu verbieten, kam für die rumänisch-orthodoxe Kirche nicht infrage. Man könne den Gläubigen doch nicht sagen, die heiligen Reliquien brächten Unheil.

Das sieht die Epidemiologin Andreea Moldovan ganz anders. Sie findet es überaus fragwürdig, dass überhaupt Pilgerfahrten zugelassen werden: «Da kommen genau jene Leute zusammen, die am meisten gefährdet sind – Alte und Kranke», sagt sie.

Einschränkung der Religionsfreiheit?

Die Kirche hatte sich ursprünglich gegen die Einschränkungen gewehrt. Und auch Catalin Raiu, der rumänische Delegierte für Religionsfreiheit bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit, kritisierte das Verbot für auswärtige Pilger.

«Überall werden strenge Massnahmen gegen die Religionsfreiheit ergriffen», sagte er im staatlichen TV R. Bis zu einem gewissen Grad sei das auch legal. Aber in Rumänien habe man wohl übertrieben, so Raiu. Denn solche Einschränkungen der Religionsfreiheit dürften nicht kurzfristig erlassen werden, ausserdem müssten sie sorgfältig begründet werden. Schliesslich gehe es um ein Menschenrecht.

Kommt dazu: So gross in Coronazeiten der Wunsch nach Sicherheit ist, so gross ist bei vielen Gläubigen der Wunsch nach einem Wunder.

SRF 4 News, Echo der Zeit vom 27.10.2020

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Müller  (Hugh Everett)
    Klar will die Kirche eine Wallfahrt nicht absagen, denn da wird munter eine Menge Geld verdient. Den Hammer aber fand ich: "Man könne den Gläubigen doch nicht sagen, die heiligen Reliquien brächten Unheil." Es wäre ja auch das Virus, dass Unheil bringt. Erschrecken finde ich aber den Einblick in die Psyche dieser Orthodoxen. Die würden also lieber einen Haufen Kranker und Toten hinnehmen als die Menschen warnen. Und ausgerechnet diese Brüder wähnen sich im Besitz des moralischen Highroundes.
  • Kommentar von Max Wyss  (Pdfguru)
    Nun ja, wenn religiöse (und pseudo-religiöse) Veranstaltungen sich halt als Mega-Cluster erweisen, dann bleibt nichts anderes übrig, als diese zu untersagen. Das hat mit "Religionsfreiheit" nichts zu tun£
  • Kommentar von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
    Wenn man Süchtigen das Opium wegnimmt... Ähnlich viel fehlende Einsicht ist in der Partyszene und bei Fans von Sportclubs zu beobachten. Marx hatte recht.