- Die Zahl der Toten durch Terrorismus fällt 2025 auf den niedrigsten Stand seit einem Jahrzehnt, schreibt das Institute for Economics and Peace (IEP).
- Im Kontrast dazu steigt die Anzahl der Opfer im Westen um 280 Prozent.
- Gründe dafür seien vor allem Antisemitismus, Islamophobie oder politischer Terrorismus.
- Weltweit am stärksten von Terrorismus betroffen ist Pakistan. Dort starben im letzten Jahr 1139 Menschen durch Terrorakte.
Die Anzahl der Menschen, die ihr Leben durch terroristische Akte verloren haben, ist im letzten Jahr auf 5582 gesunken. Das ist ein Rückgang von 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und markiert den tiefsten Stand seit zehn Jahren.
Im Kontrast dazu steht der Anstieg der Todesfälle im Westen von 280 Prozent auf 57 Menschen. Das zeigt der Global Terrorism Index der Denkfabrik IEP. Pakistan führt den Index zum ersten Mal an mit den meisten Vorfällen im letzten Jahr. Trotzdem liegt das Epizentrum des Terrorismus auf dem afrikanischen Kontinent südlich der Sahara.
Das Institut gibt diverse, lokal variierende Gründe für den globalen Rückgang an. Beispielsweise töteten die Terroranschläge 2025 weniger Menschen auf einmal. Im Westen, also in Europa, Nordamerika und Australien, sei der Anstieg der Opfer vor allem auf Antisemitismus, Islamophobie oder politischer Terrorismus zurückzuführen.
Sechs der zehn am stärksten betroffenen Länder liegen in der Sahelzone. Als wesentlich für den Beitritt zu bewaffneten Gruppen geben 71 Prozent der Rekruten Menschenrechtsverletzungen durch staatliche Sicherheitskräfte an, wie eine Studie der UNO zeigt. Ein weiterer Grund seien laut IEP fehlende Arbeitsmöglichkeiten. Terroristische Gruppen würden jungen Menschen durch Vorteile wie Gehälter eine Perspektive bieten.
Pakistan: Terrorismus im Schatten des Taliban
Pakistan ist mit 1139 Toten und 1045 Vorfällen 2025 erstmals das am stärksten von Terrorismus betroffene Land. Das liege unter anderem an der Machtübernahme der Taliban im Nachbarland Afghanistan. Dadurch haben Terrorgruppen wie der pakistanische Taliban-Ableger «Tehrik-i-Taliban» oder die «Befreiungsarmee von Belutschistan» ihre grenzübergreifenden Aktivitäten verstärkt. Wenn es keine Einigung im afghanisch-pakistanischen Konflikt gibt, werde der Terrorismus dort wohl auf hohem Niveau bleiben.
Auf Anfrage von SRF gibt das IEP an, im Index ausschliesslich terroristische Akte von nichtstaatlichen Akteuren zu messen. Deshalb würden Taten der Taliban in Afghanistan nicht gezählt, jene von ihren Ablegern in anderen Ländern hingegen schon.
Risikoreiche Aussichten für 2026
Die Besserung auf globaler Ebene könnte nur von kurzer Dauer sein, schreibt das Institut. Im Jahr 2026 würden sich viele negative Faktoren sammeln, darunter die Eskalation der Konflikte im Iran und in Südasien, die sich verschlechternden wirtschaftlichen Aussichten im Westen und der zunehmende Einsatz von Drohnentechnologie durch terroristische Organisationen.
Im Nahen Osten sei die Anzahl der Todesfälle in den letzten zehn Jahren zwar um 95 Prozent zurückgegangen. Dieser Fortschritt sei jedoch fragil und hinge stark von der regionalen Stabilität ab.
In westlichen Ländern werde der Terrorismus zunehmend von Jugendlichen und von Einzelpersonen vorangetrieben. Diese radikalisierten sich vor allem über das Internet – ein Effekt, der durch Algorithmen beschleunigt werde. Zudem sei die Chance, einen Anschlag erfolgreich durchzuführen, bei Einzelpersonen dreimal höher als bei Gruppen.