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Terroranschläge in Pakistan Unruheprovinz Belutschistan im Griff des Terrors

Anschlagserie in Pakistan ohne Ende: Zu viele verdienten am erbitterten Freiheitskampf, schätzt ein Terrorforscher.

Bei Dutzenden von koordinierten Terroranschlägen in der pakistanischen Unruheprovinz Belutschistan sind am Wochenende über 50 Menschen umgekommen, darunter 36 Zivilisten. Die Regierung gab am Donnerstag die Tötung von über 200 Militanten durch die Armee bekannt. Für die Anschläge zeichnet die Terrorgruppe «Befreiungsarmee von Belutschistan» verantwortlich.

Schulen, Banken, Märkte, Militäreinrichtungen – es sei eine der grössten koordinierten Terrorattacken der Befreiungsarmee überhaupt gewesen, sagt Abdullah Khan, Chef des Pakistan Institute for Conflict and Security Studies in Islamabad. Die Separatisten hätten den ganzen Staat und seine Strukturen angegriffen. Zum ersten Mal überhaupt sei es ihnen gelungen, nicht nur Sicherheitskräfte zu attackieren, sondern auch die belutschische Hauptstadt Quetta und den strategisch wichtigen Hafen von Gwadar an der Küste zum Arabischen Meer.

Beerdigung.
Legende: Angehörige tragen in Peschawar ein Mitglied der paramilitärischen Sicherheitskräfte zu Grabe, der am 2. Februar 2026 in der Stadt Lakki Marwat in Belutschistan bei einem Anschlag getötet wurde. Keystone/EPA/GHULAM AKBER

Die separatistische Befreiungsfront kämpft – neben anderen – seit über zwei Jahrzehnten für ein unabhängiges Belutschistan und gegen den pakistanischen Staat. In der Wahrnehmung der Separatisten wird das rohstoffreiche Belutschistan von der Regierung mit Hilfe chinesischer Investoren ausgeplündert, und die Einnahmen werden nicht gerecht verteilt. Die strukturschwache Provinz im Südwesten Pakistans an der Grenze zu Afghanistan und dem Iran ist reich an Kohle, Gold, Kupfer und Gas.

Unterstützung von aussen vermutet

Gleich 48 Terroranschläge zu planen, dafür brauche es viel Koordination, sagt Khan. Vermutlich sei das nicht ohne Unterstützung fremder Staaten gegangen. Die pakistanische Regierung wirft routinemässig dem Erzfeind Indien vor, hinter den Anschlägen zu stecken. Indien weist dies zurück.

Khan vermutet zudem Verbindungen zu Afghanistan und dem Iran. Dort versteckten sich die Separatistenführer. Aber noch andere Mächte mischten vermutlich im Hintergrund mit, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate. Denn diese betrachteten den Hafen von Gwadar als Bedrohung ihrer eigenen strategischen Interessen. Der noch nicht eröffnete Tiefseehafen Gwadar wird von China betrieben und soll eine wichtige Rolle beim Öltransport spielen.

Frauen für Selbstmordattentate

Dass die Gewalt nach der brutalen Gegenattacke der Regierung zum Stillstand kommt, erwartet Khan nicht. Im Gegenteil. Die Gewalt werde eher noch zunehmen. Die Terroristen hätten diesmal gezielt Frauen für Selbstmordattentate eingesetzt. Das dürfte weitere Belutschen animieren, sich den Terrorgruppen anzuschliessen, so Khan. Diese Kämpferinnen und ihr Tod würden glorifiziert.

Der Chef des Pakistan Institute for Conflict and Security Studies rechnet daher mit weiteren Rekrutierungen, mehr Anschlägen und mehr Gewalt. Und noch ein gewichtiger Grund spreche dagegen, dass der Konflikt beendet werde, so Khan: Die Unruheprovinz Belutschistan sei ein Drogenkorridor. Drogen würden aus Südafghanistan über Belutschistan und das arabische Meer in alle Teile der Welt verteilt.

In Belutschistan werde mehr Schwarzgeld verdient als der gesamte Staat Pakistan legal einnehme. Viele Beteiligte verdienten mit – auch die Terrorgruppen. Alle machten Geld, ausser die einfachen Leute. Darum hätten viele ein Interesse daran, den Konflikt am Leben zu halten. Nur die einfachen Belutschen gingen davon aus, dass sie für etwas Grosses kämpften, für ihren eigenen ethnischen Staat. Dass sie ihr Ziel erreichen, sei aber nicht sehr wahrscheinlich, so Khan.

Echo der Zeit, 05.02.2026, 18 Uhr;liea

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