Das ist passiert: Rund 5000 Menschen haben sich in Matrei am Brennerpass in Österreich zu einer Demonstration gegen die hohe Verkehrsbelastung an der wichtigen Transitstrecke versammelt. Wegen des Protests war die Brenner-Route und alle Nebenstrecken seit dem Morgen für Transitfahrten gesperrt gewesen. Die Sperre der Brennerautobahn im österreichischen Bundesland Tirol ist nun aufgehoben worden. Auch auf italienischer Seite war die Autobahn tagsüber gesperrt. In Richtung Norden wurde der italienische Abschnitt Sterzing – Brenner ebenfalls wieder für den Leichtverkehr geöffnet. Die Freigabe für Lkw war für 20 Uhr geplant.
Das kritisieren die Demonstranten: «So kann es einfach nicht mehr weitergehen», sagte Karl Mühlsteiger als Initiator der Demonstration. Die Schmerzgrenze der Bevölkerung im Wipptal sei erreicht. «Wir kollabieren mittlerweile unter den extremen Abgasen», sagte Mühlsteiger, der Bürgermeister der Gemeinde Gries am Brenner ist. Zu den Forderungen der Demonstrantinnen und Demonstranten zählen ein erweiterter Lärmschutz und die Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene.
Das stand auf den Plakaten: Teilnehmende der Demonstration in Matrei am Brenner brachten Schilder mit Slogans wie «Genug ist genug!» und «Ruhe im Tal!» mit. Auf manchen Schildern war auch Kritik an der verzögerten Planung der Bahn-Zulaufstrecke in Bayern zu sehen, die nach der Fertigstellung des Brennerbasistunnels für eine Entlastung der Autobahn sorgen soll.
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Bild 1 von 3. Sogar ein Tanz ist auf der sonst viel befahrenen Autobahn möglich. Bildquelle: REUTERS/Christian Mang.
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Bild 2 von 3. «Das geht heute in die Geschichte Tirols ein», meinte Bürgermeister Mühlsteiger angesichts der zahlreichen Kundgebungsteilnehmenden. Er kündigt an, dass die Bevölkerung auch nach diesem Aktionstag nicht ruhen werden. Bildquelle: REUTERS/Christian Mang.
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Bild 3 von 3. Die Anwohnenden machen ihrem Unmut auf Plakaten Luft. Viele Demonstranten reisten mit Zügen und Fahrrädern an. Bildquelle: Reuters/Christian Mang.
Das sagt die Politik: Tirols Ministerpräsident Anton Mattle (ÖVP) sagte bei einem Pressetermin, dass er die Forderungen der Demonstranten bereits an Wien, Berlin, Rom und Brüssel weitergeleitet habe. Die Belastungen durch den «überbordenden Transit» hätten inzwischen Grenzen überschritten, sagte Mattle laut Nachrichtenagentur APA. Politiker in Bayern, dem italienischen Südtirol und in der österreichischen Hauptstadt Wien hatten die Aktion im Vorfeld kritisiert.
Die Auswirkungen in Österreich: Das befürchtete Verkehrschaos durch die Komplettsperre des Brenner-Korridors blieb indes bis zum späteren Nachmittag aus. Es sei «extrem ruhig» geblieben, sagte Alexander Holzedl vom Autobahnbetreiber Asfinag. Offensichtlich habe die Aufklärungskampagne gewirkt. Auch auf den Ausweichstrecken habe es praktisch keine Behinderungen gegeben. «Wir sind begeistert», sagte ein Sprecher des Verkehrsclubs ÖAMTC der Deutschen Presse-Agentur zur Lage auf den wichtigsten Routen durch Österreich. Irgendwann müssten aber die Urlauber, die ihre Fahrten verschoben hätten, doch reisen. Der ÖAMTC erwartet daher am Sonntag starken Verkehr. Polizei und Rettungsdienste in Bayern und Österreich hatten sich auf ein mögliches Verkehrschaos eingestellt. Im Zeitraum der Sperre passieren laut Asfinag normalerweise mehr als 30’000 Fahrzeuge die Mautstellen auf der Brenner-Autobahn.
Die Auswirkungen in Italien: Auf italienischer Seite war die Verkehrslage nach Angaben der Behörden ebenfalls «äusserst ruhig». Katia Grenga von der Verkehrspolizei Bozen sagte: «Offenbar haben die frühzeitigen Informationen ihre Wirkung gezeigt.»