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Sexuelle Belästigung an britischen Schulen
Aus Echo der Zeit vom 06.04.2021.
abspielen. Laufzeit 04:33 Minuten.
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Grossbritannien Sexuelle Belästigung: Was läuft falsch an britischen Schulen?

Die Regierung ist von den Angriffen auf Schülerinnen alarmiert. Doch das Problem existiert nicht erst seit gestern.

Tausende von Mädchen und jungen Frauen haben in den letzten Tagen auf der Internet-Seite «Everyone's Invited» über sexuelle Belästigung und Gewalt an britischen Schulen berichtet. Die Jüngste ist neun Jahre alt, die Älteste 26. Erlebt haben sie alle dasselbe: Belästigungen, Übergriffe, Gewalt. Die meisten berichten anonym.

Viele der 13'000 Mädchen und Frauen wurden nicht nur betastet, sondern auch ausgezogen, fotografiert und teilweise sogar vergewaltigt.

Alltäglicher Spiessrutenlauf

Studentin Jess Warmsly erzählte öffentlich von ihrem Schock, als sie an der Universität Manchester eintrat: «Als ich mit Freunden abends eine Bar besuchte, spürte ich sofort am ganzen Körper fremde Hände. Als mein Freund Getränke holte, hat mich ein Typ von hinten umschlungen, bis ihn Freunde von mir verjagten. Es ist nicht normal, dass man als Frau nur mit einem männlichen Beschützer sicher ist.»

Es ist nicht normal, dass man als Frau nur mit einem männlichen Beschützer sicher ist.
Autor: Jess WarmslyStudentin, Manchester

Für Mary Bousted, Generalsekretärin der Lehrerinnen- und Lehrergewerkschaft, ist der Skandal keine Überraschung. Er zeige nur das Ausmass, sagte sie bei BBC. Bereits 2016 habe sie an einer Konferenz das Thema sexuelle Belästigung aufgeworfen und betont, dass die Schule für viele Mädchen ein Spiessrutenlauf sei.

Lehrerinnen-Gewerkschaft warnte schon lang

Der Pressesprecher des Bildungsministeriums habe ihr damals gesagt, sie habe keine Beweise, was erst Probleme schaffe oder nur verschlimmere, so Bousted weiter. «Die Logik war also: Man verschlimmert das Problem, indem man darüber spricht», kritisiert die Gewerkschafterin.

Die Gründe für die anhaltenden sexuelle Belästigungen an britischen Schulen seien vielschichtig, erklären Expertinnen und Experten: Für Buben aus konservativen Häusern seien Mädchen bis heute nicht gleichwertig. In teuren Privatschulen sei der Ruf der Institution oft wichtiger als das Wohlergehen einzelner Zöglinge. Im Zweifelsfall würden Vorwürfe lieber unter den Teppich gekehrt.

Harte Pornografie und soziale Medien

Als gravierendes Problem nennt Bousted die harte Pornografie. Frei zugänglich auf jedem Mobiltelefon vermittle das den Kindern ein verstörendes Bild von Sexualität.

Zudem seien die sozialen Medien ein wahrer Nährboden für sexuelle Belästigung. Diese machten es einfach, anonym Nacktbilder von Mädchen zu verschicken, die man gegen ihren Willen fotografiert hat. Frauen könnten im Netz ungestraft und ohne viel Aufwand herabgewürdigt werden. Diese Form von Belästigung habe massiv zugenommen.

Im Netz kann man junge Frauen ungestraft und ohne viel Aufwand verunglimpfen.
Autor: Mary BoustedGeneralsekretärin, Britische Lehrerinnen- und Lehrergewerkschaft

Regierung will durchgreifen

Schweigen und unter den Teppich kehren – das geht nicht mehr. In den vergangenen Tagen ist einiges passiert. Die Polizei hat eine nationale Helpline eingerichtet.

Der frühere Verteidigungsminister und heutige Bildungsminister Gavin Williamson.
Legende: Der frühere Verteidigungsminister und heutige Bildungsminister Gavin Williamson kündigte Massnahmen zum Schutz aller Betroffenen an. imago images

Bildungsminister Gavin Williamson nannte die Übergriffe an öffentlichen und privaten Schulen, darunter Elite-Einrichtungen wie das Eton College, «schockierend und schändlich.» Die Regierung werde «geeignete Massnahmen» ergreifen. Alle Betroffenen würden unterstützt und geschützt.

Oberste Schulaufsicht kündigt Untersuchung an

Aktiv wurde auch Ofsted, die oberste Aufsichtsbehörde im britischen Bildungssystem. Ofsted will eine Untersuchung einleiten. Das tönt angebracht und zweckmässig.

Man fragt sich allerdings, warum erst jetzt. Einzelne Kommentare gehen sogar weiter und fragen, ob die britische Schulaufsichtsbehörde die richtige Instanz für das Ziel dieser Untersuchung sei – nämlich das eigene Versagen zu untersuchen.

Echo der Zeit, 06.04.2021, 18:00 Uhr

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Yvonne Goetz Peter  (Yvonne Goetz Peter)
    Das ist bei uns auch Thema! Nicht nur in Grossbritannien! Wir müssen dringend unsere Toleranz für alltägliche Übergriffe überdenken und es müsste Konsequenzen geben für die Täter.
  • Kommentar von Andreas Jörg  (Flumpi)
    Pornografie prägt das Frauenbild der Konsumenten, nicht nur bei Heranwachsenden. Ca. 70% der Bevölkerung konsumiert regelmässig Pornos und das soll keine Auswirkungen haben? Wie blauäugig sind wir denn? Wer will, kann sich informieren. Entsprechende Studien sind durchaus vorhanden.
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Was läuft falsch im Hirnbereich für sexuelle Fantasien gewisser männlicher Wesen?
    Und weshalb werden sexuelle Übergriffe, Missbrauch immer noch von Gesetzes wegen als "Kavaliersdelikte" abgehandelt und falls geahndet, viel zu human bestraft??
    Es braucht endlich abschreckende, rigide gesetzliche Massnahmen für diese Täterschaft!
    Opfer sind "lebenslang" traumatisiert!!