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Legende: Audio Frankreich: Aktionsplan gegen häusliche Gewalt an Frauen abspielen. Laufzeit 13:38 Minuten.
Aus Rendez-vous vom 06.09.2019.
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Häusliche Gewalt in Frankreich Misshandelte Frauen sollen schon im Spital klagen können

Bereits 100 Tote im laufenden Jahr: Die französische Regierung will die Opfer besser schützen, doch die Mittel sind knapp.

Die Nachbarn hörten die junge Frau noch laut rufen: «Ich verlasse Dich!». Am nächsten Morgen entdeckte man sie, misshandelt bis zur Unkenntlichkeit, unter einem Blätterhaufen, ein Fuss ragte heraus. Ihr ehemaliger Partner wurde wegen dringenden Tatverdachts festgenommen. Sie wäre, nach acht Monaten, bereits das hundertste Todesopfer im laufenden Jahr.

Prävention, Klagen und Strafverfolgung

Frankreichs Regierung arbeitet jetzt an einem Aktionsplan gegen häusliche Gewalt. Bis Ende November sollen Experten von Opferorganisationen, von Polizei, Justiz- und Sozialbehörden nach Lösungen suchen, wie die Gesellschaft Gewalt gegen Frauen wirksamer bekämpfen könnte.

Erste Massnahmen hat die Regierung zur Eröffnung der rund drei Monate dauernden Konferenz angekündigt. Es geht um Verbesserungen bei der Prävention und der Betreuung von Opfern, aber auch bei der Verfolgung der Täter durch die Justiz. Zum Beispiel sollen Frauen künftig ihre Klage bereits im Spital einreichen können, wo sie ihre Verletzungen behandeln lassen.

Spezialisierte Staatsanwälte

Ziel sei es, solche Fälle künftig innerhalb von zwei Wochen abzuschliessen. Die Untersuchung sollen Staatsanwälte führen, die speziell dafür ausgebildet wurden. Dieses Modell wird nun in einigen Amtsbezirken getestet, bevor es auf ganz Frankreich ausgedehnt werden soll.

Über 220'000 Fälle im Jahr 2018

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Frau drückt Kopf in ein Kissen, vorne ein Mann.
Legende:Keystone/Symbolbild

Über 220'000 Fälle von häuslicher Gewalt weist die französische Statistik für das vergangene Jahr aus. Über 120 Frauen überlebten die Misshandlungen durch ihren derzeitigen oder ehemaligen Partner nicht. Im laufenden Jahr könnte die Zahl der Todesfälle sogar noch höher ausfallen. Stand jetzt sind es bereits 100 Tote.

Weil die Regierung aber das Budget der Justizbehörden nicht aufstocken will, befürchten Staatsanwältinnen und Richter, dass diese Verbesserungen bei den ohnehin überlasteten Justizbehörden zur Verschleppung von Fällen in anderen Bereichen führen wird.

Viel zu wenig Platz in Frauenhäusern?

Fünf Millionen Euro zusätzlich will die Regierung in Verbesserungen bei der Betreuung von Opfern investieren. Bis Anfang nächstes Jahr sollen 1000 zusätzliche Plätze in Frauenhäusern entstehen, als Ergänzung zu den 5000, die es in Frankreich schon gibt. Dies sei viel zu wenig, monieren Frauenorganisationen. Es brauche zumindest 2000 neue Plätze.

Sie berufen sich dabei auf einen Bericht der nationalen Gleichstellungskommission. Diese hatte der Regierung kürzlich empfohlen, die Mittel für den Kampf gegen häusliche Gewalt und für Opferhilfe massiv zu erhöhen, von bisher rund 80 Millionen Euro auf 500 Millionen. Nach Berechnungen von Frauenorganisationen wäre sogar rund eine Milliarde Euro nötig. Der Schaden für die Opfer und die Gesellschaft sei wesentlich grösser.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Fuchs  (Daniel Fuchs)
    Wenn Frauen zuschlagen findet es die grosse Masse amüsant aber schlägt der Mann dann mal zurück tut es halt meist mehr weh. Solange man Häusliche Gewalt geschlechtsspezifisch angeht kann es nicht besser werden. Schon Erin Pizzey die das erste Frauenhaus überhaupt gegründet hat sagte dass die meisten Frauen die zu ihr kamen selbst gewalttätig waren. Eventuell sollte man auch Mädchen lehren keine Jungen zu schlagen statt nur andersherum. JEDE Gewalt ausser Selbstverteidigung ist zu verurteilen.
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    1. Antwort von Thomas Steiner  (Thomas Steiner)
      Männer sind fast 3x soviel der Täter als Frauen.
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    2. Antwort von S. Borel  (Vidocq)
      Ok dann versuche ich es halt anders (auch wenn es mir ausgesprochen schwer fällt)... Herr Fuchs, Sie sind also der Meinung, dass diese 100 Frauen sterben mussten, weil die Männer halt „mal“ zurückgeschlagen haben? Tut mir leid, finde so einen Kommentar in so einem Kontext unmöglich und nein, „netter“ kann ich MEINE Meinung dazu nicht formulieren.
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    3. Antwort von Daniel Fuchs  (Daniel Fuchs)
      Nein S. Borel. Ich sage dass man JEGLICHE Gewalt verurteilen soll und dass es nicht relevant ist wer sie ausübt. Wenn Gewalt von Frauen gegen Männer verniedlicht und als lustig angesehen wird muss man sich danach nicht wundern wenn die Reaktion härter ausfällt. Es gibt genügend "social experiment" Videos auf YT wo genau dies gezeigt wird wird ein Mann geschlagen lachen alle ist es andersherum wird der Mann innert Sekunden von anderen verprügelt. Macht das Geschlecht des Opfers einen Unterschied?
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    4. Antwort von Maria Meier  (MMeier)
      1) "...schlägt der Mann dann mal zurück tut es halt meist mehr weh" Diesen über 100 Frauen im Artikel tut nichts mehr weh, sie sind nämlich tot. Und tot sind sie nicht, weil ein Mann "mal zurück geschlagen" hat, sondern weil jemand sie über Monate, meist über Jahre systematisch misshandelt hat. Es soll keine Rolle spielen, welches Geschlecht der Täter oder das Opfer hat. Aber Tatsache ist, dass der grösste Teil der Opfer - Männer und Frauen - von Männern misshandelt wird.
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    5. Antwort von Maria Meier  (MMeier)
      3) und zu den erwähnten YT Videos:Wir wissen inzwischen alle,dass vieles auf YT gefaked ist.Stimmungen werden geschürt mit angeblichen "Dokumentationen" über vielerlei Themen.Wenn man schaut,wer die angeblichen "social experiment" Videos hochlädt,und wie offensichtlich die Szenen gestellt sind,liegt die Vermutung nahe, dass genau dieser Eindruck entstehen soll: Gewalt an Frauen entstehe, weil die Frau den Mann solange provoziert,bis er "halt zurück schlägt" und es dann "halt meist mehr weh" tut
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    6. Antwort von Maria Meier  (MMeier)
      4) Keine Provokation, keine Schläge, keine Beleidigung ist eine Entschuldigung für Gewalt. Und es gibt keine Begründung Gewalt zu relativieren oder zu verharmlosen. Schon gar nicht gestellte und bewusst aufhetzende Videos aus dem Netz. Und ich kann nur jedem Betroffenen Menschen empfehlen professionelle Hilfe zu suchen. Und zwar bevor Aufenthalte auf der Notfallstation, oder gar Hospitalisationen notwendig sind.
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    7. Antwort von Daniel Fuchs  (Daniel Fuchs)
      @Maria: Es sind genau jene die Gewalt relativieren, verharmlosen oder schlicht ignorieren die so tun als wären Frauen nur Opfer und Männer nur Täter. Ich bin nur der der sich dagegen wehrt.
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    8. Antwort von Maria Meier  (MMeier)
      Herr Fuchs, niemand, absolut niemand hat hier geschrieben Frauen seien nur Opfer oder Männer nur Täter.Abgesehen davon, dass auch Männer Opfer von Männern werden können und nicht nur von Frauen.Und ich kann S. Borel nur recht geben:"schlägt der Mann dann mal zurück tut es halt meist mehr weh" ist verharmlosend mit der Unterstellung,das Opfer sei an der Gewalt selber schuld. Und dem widerspreche ich entschieden,auch wenn Sie dafür viel Zustimmung erhalten.Auch ich kann das nicht netter schreiben
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