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Hartes Verdikt von Moody's Italien nur noch eine Stufe über Ramsch-Niveau

Kalte Dusche für Italien: Die Ratingagentur Moody's stuft Italien wegen des höheren Defizits, das die Regierung in Rom fürs nächste Jahr plant, erneut herab. Rom ist unbeeindruckt.

Legende: Audio Ratingagentur stuft Italien zurück abspielen. Laufzeit 02:54 Minuten.
02:54 min, aus Echo der Zeit vom 20.10.2018.

Die italienischen Schuldpapiere sind nun gemäss Moody's noch genau eine Stufe über dem Ramsch-Niveau. Die Regierung in Rom gibt sich – zumindest vordergründig – gelassen. Man habe das erwartet, heisst es.

Franco Battel

Franco Battel

Italien-Korrespondent, SRF

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Franco Battel ist seit Anfang 2015 SRF-Korrespondent in Rom. Davor war er als Auslandredaktor für Italien, Mexiko, Zentralamerika, Kuba und Liechtenstein verantwortlich. Er berichtete zudem vom UNO-Sitz in Genf.

B-a-a-3: Das ist die neue Kombination aus Buchstaben und einer Zahl, mit der die Ratingagentur Moody's Italiens Kreditwürdigkeit umschreibt. Würde Italien irgendwann in der Zukunft noch weiter zurückgestuft, wären die italienischen Schuldpapiere nur noch Junk, Spekulation, Ramsch.

Viele Investoren wären dann gezwungen, italienische Schuldpapiere abzustossen und auch keine neuen mehr zu erwerben – mit schwer abzuschätzenden Folgen für den südlichen Nachbarn der Schweiz und die Euro-Zone.

Soweit aber ist es noch nicht. Und Moody's glaubt offenbar auch nicht daran, dass dieser Absturz unmittelbar bevorsteht. Denn die Agentur attestiert Italien beim Ausblick in die Zukunft: Stabilität.

Frankreich ist schlechter dran

Auch darum gibt sich Italiens Regierung demonstrativ gelassen. Man habe das so erwartet und es hätte auch noch schlimmer kommen können, sagte etwa Europa-Minister Paolo Savona, der streitbare Wirtschaftsprofessor.

Dass Italiens Schuldpapiere trotz dem Verlust einer Ratingstufe noch immer knapp für Investitionen geeignet sind, hängt auch damit zusammen, dass das geplante Budgetdefizit noch immer im Rahmen der Maastricht-Kriterien liegt. Es beträgt also nicht mehr als 3 Prozent des BIP, der gesamten Wirtschaftsleistung.

Die populistische Regierung in Rom weist gerne darauf hin, dass zum Beispiel Frankreich im nächsten Jahr näher an diese 3-Prozent-Limite sei als Italien. Allerdings – bleibt hier anzufügen – ist Frankreichs Staatsschuld auch deutlich geringer als jene Italiens. Italien ist also der deutlich schlechtere Schuldner.

Auf der Gleichen Stufe wie Rumänien

Und hinzukommt, dass Italien zwar die Maastricht-Kriterien einhält, aber klar gegen den Stabilitätspakt verstösst. Der verpflichtet hoch verschuldete Länder wie Italien, ihre Schulden abzubauen. Deshalb und wegen des sich deswegen abzeichnenden Konflikts mit der EU, hat Moody's Italien nun zurückgestuft.

Es hat jetzt das gleiche Rating wie etwa Rumänien oder Portugal, aber liegt noch immer mehrere Stufen über Griechenland, Argentinien oder der Türkei.

Schon bald, nämlich in der Nacht vom nächsten Freitag auf Samstag, wird die andere grosse Ratingagentur, Standard and Poor's, ihr Urteil fällen. Sollte dieses ähnlich ausfallen, würde Italiens Regierung aufatmen. Sollte es aber härter sein, hätte Italien ein grosses Problem.

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Kirchhoff (Charly)
    "Italien nur noch eine Stufe über Ramsch-Niveau." Populisten stört das nicht. Hauptsache Wahlversprechen werden gehalten. Um die Finanzierung sollen sich dann andere kümmern.
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  • Kommentar von Jürg Brauchli (Rondra)
    Hoffe ja nicht, dass dereinst in den Geschichtsbüchern zu lesen ist, dass die EU und der Euro, zusammen mit der Migrationspolitik für den wirtschaftlichen und sozialen Untergang Europas verantwortlich waren. Doch mir schwant Übles.
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  • Kommentar von Jürg Brauchli (Rondra)
    DE und FR haben während Jahren das Budgetdefizit von 3% überschritten. Passiert ist nichts, ausser einer Rüge. Wer soll diesen Brüsseler Verein ernst nehmen. Der hat seine Macht durch eine leidige Gruppendynamik erhalten, Respekt hat er aber nicht! Und wer interessiert sich heute noch über diese Ratings und graue, schwarze Listen? Die Politiker! Der Wirtschaft sind diese mittlerweile ziemlich egal. Diese arbeitet und investiert nach ganz anderen Kriterien.
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