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Die schlechte Luftqualität zwingt Barcelona zu Veränderungen
Aus SRF 4 News aktuell vom 09.08.2021.
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Hohe Feinstaubwerte So bekämpft Barcelona die grosse Luftverschmutzung

Mit taktischem Urbanismus plant die Regierung weitreichende Veränderungen gegen die immense Luftverschmutzung in der Stadt.

Worum geht es? In der spanischen Metropole Barcelona werden immer wieder sehr hohe Feinstaubwerte gemessen. Mittels Initiativen soll das Stadtbild umgestaltet werden. Seit März 2020 wurden rund acht Hektar in der Stadt vom Autoverkehr befreit und umgewandelt in Trottoirs, Spielplätze, Velowege oder Restaurantterrassen. Die Behörden argumentieren, dass die Menschen mehr Platz brauchen, um sich nicht mit Covid-19 anzustecken.

Worunter leidet Barcelona? Seit Jahren ist die schlechte Luftqualität ein Problem, vor allem was die Belastung mit Feinstaub und Stickstoffdioxid betrifft. Teils sei diese so hoch, dass eine «rötliche Glocke» über der Stadt hänge, sagt die freie Journalistin Julia Macher. So fahren etwa allein durch die Neustadt Eixample jeden Tag 350'000 Autos.

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Archiv: Ist ein autofreies Barcelona bis 2030 realistisch?
05:29 min, aus SRF 4 News aktuell vom 17.11.2020.
abspielen. Laufzeit 05:29 Minuten.

Was sind die Pläne? Durch sogenannte Superblocks sollen bis 2030 weite Teile von Eixample verkehrsberuhigt und der Verkehr umgeleitet werden. Dabei werden mehrere Strassenzüge zusammengelegt und für den Durchgangsverkehr gesperrt. Es werden auch Gehsteige verbreitert und Parkplätze reduziert. Während der Pandemie habe die Stadtverwaltung mit taktischem Urbanismus an vielen Orten Tatsachen geschaffen, so Macher. Gehwege seien verbreitert worden, indem man ein Stück von der Strasse abgezwackt und mit gelber Farbe Gehwege drauf gepinselt habe. Parkplätze seien in Terrassen für Cafés verwandelt worden.

Legende: Mit den sogenannten «Superilles» sollen Autos aus dem Zentrum verbannt werden. Ajuntament de Barcelona

Wie begründet die Regierung die Veränderungen? «Es geht vor allem um ein politisches Programm», sagt die Journalistin. Seit 2015 ist in Barcelona eine linksalternative Regierung am Ruder. Bei den damaligen Wahlen verkündete die Koalition, Barcelona den Bürgerinnen zurückgeben zu wollen und es in eine grünere, fussgängerfreundliche Stadt umzuwandeln. Die ersten Superblocks wurden bereits während der ersten Legislaturperiode errichtet. Bis 2023 will man vier dieser grünen Achsen, auch «Superilles» genannt, fertigstellen.

Hat die Regierung bisher die Gesundheit der Bevölkerung vernachlässigt? Der Gesundheitsaspekt ist mehr ins Zentrum gerückt. Journalistin Macher nennt zwei Gründe: Das Bewusstsein für gesundheitspolitische Themen, das während der Pandemie gestiegen ist und die wissenschaftliche Evidenz. «Eine jüngere Studie aus Barcelona belegt einen Zusammenhang zwischen schlechter Luft und den geringeren kognitiven Leistungen bei Schulkindern.» Und eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung zeigt: Barcelona könnte jährlich 600 Tote vermeiden, wenn die Schadstoffbelastung immer so gering wäre wie 2020.

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Archiv: Luftverschmutzung kostet 7 Millionen Menschen das Leben
Aus SRF News vom 30.10.2018.
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Was sagt die Bevölkerung? Die Reaktionen sind laut Macher gespalten. Taxifahrer befürchten, dass sie nicht mehr richtig fahren können. Einige Geschäfte und Gewerbeverbände rechnen mit Verlusten. Für Pendler könnten gerade die reduzierten Parkplätze ein Problem sein. Viele Stadtbewohnerinnen und -bewohner finden das Konzept aber gut. «Sie träumen von einer 15-Minuten-Stadt, in der man alles Wichtige in einer Viertelstunde zu Fuss erreichen kann.»

Sind die Befürchtungen berechtigt? Inwieweit die Befürchtungen der Kritiker der Pläne berechtigt seien, werde die Zeit zeigen, so die Journalistin Macher. «Veränderungen eröffnen immer auch andere unternehmerische Chancen. Aber das dauert lange.» Dass es lange dauert, habe auch die Pandemie gezeigt. Barcelona leidet beispielsweise immer noch sehr unter dem Einbruch des Tourismus.

SRF4 News, 09.08.2021, 06:18 Uhr;

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Harald Francke  (Harry&Dobby)
    Die Idee grosse Einkaufszentren am Stadtrand bzw. in Gewerbegebieten zu schaffen war im Prinzip mal eine gute Idee. Doch braucht es jedem sein Auto für den Transport der Einkäufe nach Hause. Oder versucht mal eine Wagenladung an Nahrungsmitteln mit dem ÖV zur Wohnung zu schleppen. Das hab ich eigentlich fast noch nie gesehen. Der ÖPNV transportiert nur Personen und keine Grosseinkäufe. Wir bräuchten mehr Geschäfte um die Ecke, da wo wir auch wohnen.
  • Kommentar von Christoph Ringger  (cringger)
    "Der Individualverkehr ist zu energieintensiv. Autos müssen verschwinden, egal ob mit Benzin oder Strom. Wir müssen lernen, zu verzichten zugunsten Lebensqualität und Wohlergehen." 7.3.21, Sternstunde Philosophie, Prof. R. Hillerbrand, KIT.

    Würde m.E. dann bedeuten, dass die Dienstleistung des öffentlichen Verkehrs völlig neu überdacht werden müsste. In ganz anderen Dimensionen.
    1. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      Es wäre zu überlegen, ob, in einer digitalisierten Welt, die vielen Pendler wirklich jeden Morgen/Abend ( Mo-Fr) (in eine Grossstadt) zur Arbeit und zurück fahren müssten.

      Wie wäre der Einfluss auf die Grossstädte, wenn 80% der Pendler wegfallen würde?
      (Und der Transit die Städte komplett umfahren würde?)
  • Kommentar von Andi Beti  (Andi Beti)
    Finde ich sehr gut, um weiter zu kommen reicht es nicht alles nur zu kritissieren ohne überhaupt mal ausprobiert zu haben! Man braucht Pioniere wie z.B. die Stadt Barcelona. Weiter so lasst wuch von konservativen kaputt machen!