Zum Inhalt springen

Header

Audio
Dicke Luft in Frankreichs Städten
Aus SRF 4 News aktuell vom 05.08.2021.
abspielen. Laufzeit 07:23 Minuten.
Inhalt

Urteil gegen Frankreich «Paris ist bei der Luftverschmutzung ständig am Limit»

Die Luftverschmutzung in Frankreich ist gross und gesundheitsschädlich. Das zeigt sich vor allem in der Hauptstadt Paris.

Zehn Millionen Euro. So hoch ist die Busse für Frankreich wegen zu hoher Luftverschmutzung. Die Luftqualität in den Metropolen habe sich nicht verbessert, so das höchste administrative Gericht. Die Luft ist dick. In Paris gar so dick und gesundheitsschädlich, dass an bestimmten Tagen die Anzahl der Autos in der Innenstadt mittels Nummern beschränkt wird. «Die Hauptstadt Frankreichs ist tatsächlich ständig am Limit», so die freie Journalistin Annika Joeres in Paris.

Vom Gerichtsurteil betroffen sind Paris und Lyon. Weitere Städte werden laut Annika Joeres wohl folgen. Denn auch in Städten wie Marseille, Bordeaux oder Nizza sei die Luft stets schlecht und Fahrverbote würden immer wieder verhängt, so Joeres.

Video
Aus dem Archiv: Smog in Paris
Aus Tagesschau vom 09.12.2016.
abspielen

Das Problem ist nicht neu. Und die Anzahl Einwohnerinnen und Einwohner in Paris ist gewachsen. Paris hat versucht, Dinge zu verändern. Fussgängerzonen wurden ausgebaut, Parkplatzangebote reduziert. «Früher gab es eigentlich gar keine Velowege und gefühlt noch mehr Autos. Jetzt sieht man viele tausende Menschen mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, auch mehr Leute zu Fuss.»

«Historische Schuld»

Aber immer noch gebe es täglich 15 Millionen Autofahrten in Paris. Viele von den Autos sind Dieselfahrzeuge. Eine historische Schuld habe sich die französische Regierung da aufgeladen. Über viele Jahre hat sie Diesel beworben, steuerlich entlastet, Diesel war günstiger als anderes Benzin.

Mitverantwortung trägt die Regierung auch beim öffentlichen Verkehr. Gerade Menschen, die in den Vorstädten wohnen, sind oft auf das Auto angewiesen. «Es fehlt ein bisschen das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln oder an durchgängigen gesicherten Radwegen», so Annika Joeres.

Ich glaube, den grossen Durchbruch wird es erst geben, wenn auch die umliegenden Städte miteinbezogen werden.
Autor: Annika Joeres Freie Journalistin, Paris

Das soll nun kommen, dafür setzt sich die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo ein. Bislang mit Fokus auf das Zentrum. «Ich glaube, den grossen Durchbruch für bessere Luft und das umweltfreundliche Mobilsein in Paris wird es erst geben, wenn auch die umliegenden Städte miteinbezogen werden.»

Busse mit Ansage

Die Busse hätte man sicherlich vermeiden können, glaubt Annika Joeres, denn es sei weder die erste Busse noch die erste Ansage gewesen. Auch die Europäische Union verwarnt Frankreich regelmässig wegen der Überschreitung der Grenzwerte für Feinstaub.

Gekümmert hat man sich trotzdem nicht darum. Als einen Grund nennt Joeres die Angst vor Protesten. Man denke an die Gelbwesten, die schon aufgrund höherer Benzinpreise auf die Strasse gegangen sind. Als zweite Begründung sieht die Journalistin die starke Autolobby. Frankreich verharrt. Und das mit gesundheitlichen Konsequenzen. «In Frankreich gibt es zwischen 50'000 und 80'000 frühzeitige Tode. Die Menschen sterben früher, weil sie an Atemwegserkrankungen leiden.

Ob und was die Busse von zehn Millionen Euro bewirken wird, wird sich zeigen. Fakt ist, dass der Betrag, obschon er für einen Staat relativ gering tönen mag, eine Rekordsumme darstellt. Die verhängte Strafe bezieht sich zudem nur auf das erste Halbjahr 2021. Eine Strafzahlung in ähnlicher Höhe oder noch höher wäre also möglich.

Zudem meint die Journalistin Joeres: «Frankreichs Regierung muss sich überlegen, ob man dauerhaft im Clinch mit der Justiz sein will oder sich nicht tatsächlich mal um die Gesundheit seiner Stadtbewohner kümmern muss.»

SRF4 News, 05.08.2021, 08:15 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

24 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Matt Frei  (sense against mainstream)
    Nachtrag:
    Frankreich und Westeuropa (inklusive der Schweiz) emittieren auf das globale Budget sehr wenig CO2 (für alle Kommentarschreiber, die den Smog in Paris gerne auf die Klimadebatte verschieben möchten). Lokal entsteht in Paris aber wegen der Dichte an Personen und Fahrzeugen eine schlechte Luftqualität. Im 2 Stunden entfernten Burgund merken sie nichts mehr davon, die Luft ist sehr gut.
    Das Überbevölkerungsproblem in diesen Grossstädten lösen, heist viele Probleme gleichzeitig lösen.
    1. Antwort von Hanspeter Schwarb  (Ganymed)
      Herr Frei , was im konzentrieren an Smog in Grossstädten entsteht, ist ein Ergebnis von zu starkem Schadstoff Ausstoss . Es ist sozusagen Umweltverschmutzung mit der Lupe betrachtet. Im übrigen frage ich mich, wie Sie die Städte verkleinern wollen. Selbst wenn das ginge , es käme einer Zersiedelung gleich, welche eher zu mehr Problemen führt. Wo wird bei uns das Auto gebraucht? Wohl eher auf dem Land als in der Stadt
    2. Antwort von Hanspeter Schwarb  (Ganymed)
      Herr Frei , auch der Verweis auf die Einwohnerzahl eines Landes auf dessen Grösse ist nicht eine ehrliche Debatte. Wir sind alle gleichermassen verantwortlich. Nach ihrer Logik musste ein Chinese den Gürtel enger schnallen , weil es deren viele sind, während ein Lichtensteiner in die vollen gehen kann, weil es deren wenige sind.
  • Kommentar von Astrid Meier  (Swissmiss)
    Mir war nicht bewusst, dass die Luftverschmutzung in Paris so hoch ist. Ist das möglicherweise eine Erklärung für die hohen Covid-Infektionszahlen?
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Astrid Meier Guten Tag. Laut einem Bericht der Eidgenössischen Kommission für Lufthygiene EKL vom Mai 2020 ist ein Zusammenhang zwischen der täglichen Schwankung der Feinstaubbelastung und dem Neuauftreten von Corona-Infektionen nicht belegt. Eine hohe Schadstoffbelastung könnte jedoch die Abwehr einer Corona-Infektion schwächen. Es gibt wissenschaftliche Belege für Zusammenhänge zwischen hoher Luftverschmutzung und einigen Erkrankungen. Liebe Grüsse, SRF News
      https://www.ekl.admin.ch/inhalte/ekl-dateien/dokumentation/Luftverschmutzung-COVID19.pdf
  • Kommentar von Maciek Luczynski  (Steine)
    Paris könnte ja das Maut-System von Singapur zu eigen machen und auf alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren um setzen.
    Das heisst, je mehr Zonen man mit seinem Auto/Motorrad durchfährt (und je näher man ins Zentrum fährt) desto mehr muss man dafür bezahlen.
    Dann kann man mit den Mautgebühren den Verkehr steuern, und aus den Einnahmen die Strafe bezahlen ( wenn es dann noch nötig ist)