Systematische Morde, Folter und Diskriminierung – die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) zeichnet in ihrem Jahresbericht 2026 ein düsteres Bild. Die Menschenrechte weltweit seien in Gefahr.
Grund dafür seien aggressive Supermächte, wie die USA, China und Russland. Doch auch viele westliche Staaten hätten an Glaubwürdigkeit eingebüsst.
Negativtrend in den USA
Ein besonderes Augenmerk richtet Human Rights Watch auf die USA. Innerhalb eines Jahres habe es US-Präsident Donald Trump geschafft, einen breit angelegten Angriff auf die globale regelbasierte Ordnung durchzuführen. Seitdem seien die Unabhängigkeit der Justiz, Frauenrechte und die Meinungsfreiheit eingeschränkt worden.
Einen besorgniserregenden Trend sieht HRW auch im Umgang der US-Behörden mit Migrierenden. «Der US-Präsident hat natürlich die Befugnis, die US-Grenzen strenger zu bewachen», schreibt Philippe Bolopion, CEO von Human Rights Watch, im Vorwort des Berichts. Jedoch sei die Regierung nicht berechtigt, Migrierende zu misshandeln oder unrechtmässig zu diskriminieren.
Autokratien profitieren
Autokratische Regime wie China und Russland profitierten davon, dass die US-Regierung globale Regeln untergrabe.
Die USA, Russland und China sind heute weniger frei als vor 20 Jahren.
Die Staatschefs dieser Länder hätten zwar ideologisch wenig gemeinsam, jedoch verfolgten sie das gemeinsame Ziel, die regelbasierte Ordnung zu schwächen. «Die USA, Russland und China sind heute weniger frei als vor 20 Jahren», so Bolopion.
Demokratien sind kein Garant für Menschenrechte
Auch Demokratien seien «kein Allheilmittel gegen Menschenrechtsverletzungen», betont Bolopion. Viele langjährige demokratische Staaten hätten ihre eigene Geschichte von Kolonialverbrechen, Rassismus und Kriegsgräueln. Demokratische Institutionen seien jedoch entscheidend, um den Willen des Volkes zu vertreten und diejenigen, die an der Macht seien, zu kontrollieren.
Menschenrechtslage laut HRW in verschiedenen Kontexten
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Bild 1 von 5. Feuerwehrleute vor einem ausgebrannten Gebäude beim Janat-Abad-Markt in Teheran. Human Rights Watch kritisiert die Massenverhaftungen und die vielen Hinrichtungen, die während der jüngsten Protestwelle im Iran stattgefunden haben. Bildquelle: Reuters/Majid Asgaripour.
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Bild 2 von 5. HRW geht im aktuellen Bericht auch auf die Menschenrechtslage in Gaza und dem Westjordanland ein. Die Organisation kritisiert die ausländischen Waffenlieferungen an Israel und hält fest, dass nicht genügend Massnahmen ergriffen wurden, um die palästinensische Bevölkerung zu schützen. Bildquelle: Reuters/Dawoud Abu Alkas.
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Bild 3 von 5. In der Ukraine hebt der HRW-Bericht schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen, wie wahllose Bombardierungen, die Zwangsrekrutierung von Ukrainern in besetzten Gebieten für den russischen Militärdienst und die systematische Folterung ukrainischer Kriegsgefangener hervor. Bildquelle: Reuters/Serhii Korovainyi.
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Bild 4 von 5. Rückschritte gab es Human Rights Watch zufolge, was die Rechte von Homosexuellen und Transpersonen angeht. Ein kleiner Lichtblick aus Sicht von Human Rights Watch: Der Karibikstaat St. Lucia hat Homosexualität im vergangenen Jahr entkriminalisiert. Bildquelle: Reuters/Adriano Machado.
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Bild 5 von 5. Ebenfalls in vielen Teilen Westeuropas seien die Menschenrechte bedroht. Die Einschränkungen der Rechte «anderer» würden von der Bevölkerung oft akzeptiert, seien es Migrierende, Frauen, ethnische Minderheiten, LGBT-Personen oder andere marginalisierte Gruppen. Bildquelle: Reuters/Gonzalo Fuentes.
Indien, die Türkei, Philippinen, El Salvador oder auch Ungarn seien Beispiele dafür, wie die Menschenrechte leiden, wenn Demokratien untergraben würden.
Bolopion geht auch hart ins Gericht mit europäischen Staaten: Trotz «rhetorischer Floskeln» würden viele westliche Regierungen Menschenrechte eher als Hindernis denn als Vorteil für Sicherheit und Wirtschaftswachstum betrachten.
Staaten-Allianz als Lösungsansatz
Als Lösung schlägt die HRW die Gründung einer Allianz zwischen Staaten vor, die sich für den Respekt der Menschenrechte einsetzen. Sogenannte «mittlere Mächte» wie die EU, Grossbritannien, Kanada, Australien oder Japan sollten sich laut HRW zusammenschliessen, um gemeinsam demokratische Werte zu verteidigen.
Einzeln könnten diese Länder leicht vom Einfluss der USA oder Chinas überwältigt werden. Gemeinsam jedoch seien sie eine mächtige politische Kraft. Ansätze für solche Allianzen gäbe es bereits.
«Die autoritäre Welle zu brechen und für die Menschenrechte einzutreten, ist eine Herausforderung für eine ganze Generation», so Bolopion.