Mit tränenerstickter Stimme erklärte Cindy McCain ihren vorzeitigen Abgang als Chefin des UNO-Welternährungsprogramms (WFP) und dankte allen Angestellten.
Die Witwe des früheren US-Präsidentschaftskandidaten John McCain erlitt im vergangenen Herbst einen Hirnschlag: «Ich habe mich nicht ausreichend erholt, um diese herausfordernde Aufgabe fortzuführen.»
Der Hunger nimmt zu
Das UNO-Welternährungsprogramm WFP ist immer stärker gefordert, denn der Hunger in der Welt nimmt wieder stark zu. Gleichzeitig musste es sein Budget von zehn auf sechs Milliarden Dollar kürzen und rund 6000 von 20’000 Stellen streichen. Grund: Geberländer – allen voran der Hauptfinancier USA – geben weniger Geld.
Cindy McCain hat das Amt mit grossem Engagement ausgeübt und das WFP reformiert.
Cindy McCain war Republikanerin, wurde aber von US-Präsident Joe Biden für das Amt vorgeschlagen. «Sie hat es mit grossem Engagement ausgeübt und die Organisation reformiert», sagt Alessandra Vellucci, UNO-Chefsprecherin in Genf.
Vereinzelt wurde McCain zwar vorgeworfen, sie hätte im Gaza-Krieg die amerikanische und erst recht die israelische Regierung schärfer kritisieren müssen. Aber immerhin forderte sie mehrfach und entschieden einen Waffenstillstand und ein Ende der Blockierung der humanitären Hilfe.
Trump wird Nachfolger nominieren
Jetzt muss Cindy McCain kurzfristig ersetzt werden. Der Spitzenposten beim WFP gilt als Pfründe der USA. US-Präsident Donald Trump will jemanden nominieren für das Amt. Und er erwartet, dass UNO-Generalsekretär António Guterres diesen Vorschlag durchwinkt.
Dieser steckt nun im Dilemma: Entscheidet er sich für die Person, welche die Trump-Regierung vorschlägt, bekommt das WFP wohl eine Chefin oder einen Chef, die oder der auch in diesem Amt die Maga-Politik durchsetzt: die UNO-Schlüsselorganisation nach den Präferenzen der US-Aussenpolitik ausrichtet und nicht danach, wo am dringendsten Nothilfe erforderlich ist.
Wir haben deshalb die UNO auf eine Diät gesetzt, um Reformen zu erzwingen.
Verweigert sich der UNO-Generalsekretär hingegen dem US-Nominationsvorschlag, dürfte sich Trump noch radikaler von den Vereinten Nationen abwenden und sie finanziell weiter strangulieren.
Hunger kein Kerngeschäft der UNO?
Laut dem US-Botschafter bei der UNO, Mike Waltz, soll sich die UNO lediglich um den Frieden in der Welt kümmern. Humanitäre Hilfe, Entwicklung oder Menschenrechte gehören für ihn nicht zum Kerngeschäft: «Wir haben deshalb die UNO auf eine Diät gesetzt, um Reformen zu erzwingen.» Die USA haben für 2025 ihre Pflichtbeiträge nur zu einem geringen Teil und jene für 2026 noch gar nicht bezahlt.
In den USA herrscht parteiübergreifend Einigkeit, dass kein einziges Kind in der Welt hungern soll.
Eine kleine Hoffnung in der UNO-Führung ist nun, dass Trump erneut jemanden als WFP-Chef nominiert, wie in seiner ersten Amtszeit David Beasley. Dieser war zuvor republikanischer Gouverneur von South Carolina, kam aber nicht aus dem unmittelbaren Umfeld von Trump.
Beasley setzte sich dann mit Leib und Seele und ganz im Geist der UNO für das WFP ein. Unter seiner Führung erhielt es gar den Friedensnobelpreis.
Auch im Gespräch mit SRF warb er damals für mehr Geld angesichts wachsender Not. Und er betonte: «In den USA wird zwar über fast alles gestritten. Doch es herrscht parteiübergreifend Einigkeit, dass kein einziges Kind in der Welt hungern soll.» Jenen, die Not litten, müsse geholfen werden.
Viele haben Zweifel, ob wenigstens dieser Minimalkonsens noch besteht – und dass Trump entsprechend jemanden vorschlägt, der nicht bloss seinen Interessen dient, sondern jenen der Hungernden.