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International «Ich bin doch ein netter Mensch!»

Immobilienmogul Donald Trump stiehlt seinen republikanischen Mitbewerbern um die US-Präsidentschaft derzeit die Show: Der Milliardär führt in einigen Umfragen und droht, den Wahlkampf in einen Zirkus zu verwandeln. Damit wird er immer mehr zu einem Problem für die Partei.

Donald Trump redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist: «Ja, ich bin wirklich gescheit», posaunt der Republikaner mit der blonden Haarwelle ins Publikum. Oder: «Hillary Clinton hat 46 Millionen Dollar Wahlspenden gesammelt. Und wieviel hab ich auf dem Konto? – 10 Milliarden Dollar», blufft er ungehemmt.

Nur ja nicht politisch korrekt

Während andere Kandidaten zumindest beim Geld tiefstapeln und ihre politischen Aussagen zuerst vor einem Testpublikum feinschleifen lassen, macht Trump aus seinem Herzen keine Mördergrube: «Ich würde an der Grenze zu Mexiko eine dicke Mauer auf Kosten der Mexikaner errichten lassen», erklärt er etwa. «Denn die Mexikaner bringen Drogen und Kriminalität ins Land und sie sind Vergewaltiger!» Political Correctness tönt anders.

Der Aufschrei in den US-Medien ist gross. Doch mit seinem «Klartext statt Polit-Blabla» punktet «The Donald» beim Publikum. In einer neuen nationalen Umfrage führt Trump das republikanische Feld mit grossem Abstand an. Ein ähnliches Bild zeigt sich in den beiden Vorwahlstaaten Iowa und New Hampshire.

Die Parteileitung ist alarmiert: Sie hat Angst, dass die Republikaner wegen Trump zur Lachnummer werden könnten. Und seriösere Kandidaten haben Mühe, sich neben Showstar Trump Gehör zu verschaffen. Der Parteichef bat Trump, sich zu mässigen. Doch dieser denkt nicht daran.

Schlimmer wäre eine Kandidatur als Unabhängiger

Trump partei-intern stärker zu sanktionieren, sei auch keine Option, sagt Amy Holmes, Politkommentatorin beim konservativen «The Blaze TV» im Gespräch mit Radio SRF: «Die Republikanische Partei muss verhindern, dass Trump als Unabhängiger ins Rennen steigt – wie 1992 Ross Perot.» Trump hätte genug Geld dafür und könnte in einem knappen Rennen dem offiziellen republikanischen Kandidaten wichtige Stimmen wegnehmen – und so den Demokraten zum Sieg verhelfen.

Mit anderen Worten: Für die Partei bleibt allein die Hoffnung auf die Trump’sche Selbstzerstörung. Einige Meinungsforscher sehen sie bereits. Sie sagen, der Aufwind von Trump sei nur temporär. Er werde bald abstürzen, so wie 2012 Herman Cain oder Michelle Bachman. Andere glauben, Trump habe am Wochenende den Bogen überspannt, als er sagte, Senator John McCain sei kein Kriegsheld, weil er in Vietnam in Gefangenschaft geraten war – ein Held würde sich nicht fangen lassen, so Trump.

Trumps hässliche Seite provozieren

Amy Holmes von «The Blaze TV» glaubt, spätestens die erste TV-Debatte der republikanischen Kandidaten Anfang August werde die Trump-Blase zum Platzen bringen. Dann werde herauskommen, dass Trump überhaupt nicht konservativ sei: «Er hat früher gesagt, er sei für Abtreibungen, nun ist er dagegen.» Der Milliardär habe seine Meinung auch beim Einwanderungsrecht geändert und Hillary Clinton als grossartige Politikerin bezeichnet.

Diese Widersprüche werden Trumps Stern zum Sinken bringen. Ein geübter Debattierter könne Donald Trump zudem provozieren, dann würde dieser explodieren und überreagieren, und dessen hässliche Seite käme zum Vorschein.

Trump selber versteht die Aufregung um seine Person nicht: Die Leute würden ihn fragen, wieso er denn kein netter Mensch sei, sagte Trump bei einer Veranstaltung. Seine Antwort: «Dabei bin ich es doch, ein netter Mensch!»

Kasich neu im Rennen

Kasich neu im Rennen

Die Nummer 16 der republikanischen Kandidaten zur US-Präsidentschaftswahl heisst John Kasich. Der 63jährige Gourverneur von Ohio ist ehemaliger Moderator beim ultra-konservativen Nachrichtensender FOX. Kasich werden nur geringe Chancen eingeräumt.

29 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Kathriner, Sarnen
    man sieht hier wieder welche Kleinkrämer-Spiesser wir wieder sind, man merkt die Ironie nicht, mit der er die Bush's verhindern will.
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  • Kommentar von Bruno Hochuli, Reinach
    Ich glaube, dass die Amerikaner nicht so dumm sind und zuletzt einen passablen Kandidaten für ihr Land wählen. Sonst würde die USA zu einer Lachnummer verkommen. Was die Republikaner bisher geboten haben ist zum schreien. Weiter so und sie können sich als Partei abschaffen.
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  • Kommentar von Niklaus Bächler, zZ Likasi, Kongo
    Der Mann hat etwas von unserem Christoph Blocher... arme US-Amerikaner! Sollen sich mal bei uns erkundigen, welchen Schaden solche Leute anrichten können. Ich wünsche dies den Amerikanern nicht, Es genügt, wenn wir uns damit herum schlagen müssen!
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    1. Antwort von Rolf Bolliger, Orpund
      Um es vorweg zu nehmen: Jede(r) Politiker(in) macht Gutes, weniger Gutes und halt auch mal Fehler! Dies trifft sicher auch bei Dr. Christoph Blocher zu. Was und wie Sie aber den Unternehmer, der 3000 (!) Arbeitsplätz aufbaute, Bundesrat war und unser Land (bis jetzt) erfolgreich von der maroden EU fernhalten konnte, verunglimpfen, ist unübertreffbar! Ihnen sind kriminelle Wirtschafts-Asylanten offenbar viel lieber, als der weitgereiste und für unser Land einstehende *verda..." Herrliberger!
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    2. Antwort von Niklaus Bächler, zZ. Likasi, Kongo
      R. B. Um es auch vorwegzunehmen:Ich habe nichts gegen den Menschen Blocher!Was er als Unternehmer erreicht hat, zollt grossen Respekt. Ich habe jedoch etwas gegen sein Politik, das ist ein Unterschied!Wie Trump wäre es besser gewesen, er wäre Unternehmer geblieben. Dieser Mann hat es in wenigen Jahren fertig gebracht, dass wir heute so gegeneinander unterwegs sind. C.B. hat den rüden, destruktiven Politstil zu verantworten. Er hat die Konsenspolitik zu Grabe getragen. Das verzeihe ich ihm nicht!
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    3. Antwort von Niklaus Bächler, zZ. Likasi, Kongo
      2.Teil: Ch. Blocher ist für mich kein Retter & er steht nicht für die Grundwerte!!! der Schweiz (das ist auch etwas anderes, als das, was er tat) und somit ist er für mich politisch auf der ganzen Linie gescheitert.Er hat unsinnige Volksinitativen provoziert (Minarett, MEI,Durchsetzung uvm.)! Das alles sind echte politische Rohrkrepierer & Effekthascherei! Doch die Auswirkungen (noch nicht sichtbar) dieser fatalen Politik haben nicht mehr SIE zu tragen, sondern ihre Enkel. Das beschäftigt mich!
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    4. Antwort von Niklaus Bächler, zZ. Likasi, Kongo
      @Rolf Bolliger: Darf ich sie mal etwas fragen? Weshalb um Gotteswillen beziehen sie wie damals Winkelried so sehr Partie für ihren Chef? Es geht doch nicht um Leben oder Tod, und, es geht in den Kommentaren auch nicht einmal um sie? Also wieso setzen sie sich so sehr für diesen Mann ein?
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    5. Antwort von Rolf Bolliger, Orpund
      Ihre Unterstellung, der "verhasste" Politiker Dr. Christoph Blocher sei "mein CHEF", weise ich (zum X-ten Mal) in aller Form zurück Ich bin in KEINER Partei und brauche auch keine schulmeisterlichen Anweisungen von einem (jetzt halt gleichgesinnten) Politiker oder dessen Partei, Herr Bächler! Ich hatte Glück in einem Land geboren zu sein, das bestehende Werte hat und damit auch seit vielen Jahren weltweit zu den erfolgreichsten Länder gehört! Für diese Werte setze ich mich auch noch mit 75) ein!
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