Zum Inhalt springen

Header

Video
Prozess im Fall George Floyd beginnt
Aus Tagesschau vom 08.03.2021.
abspielen
Inhalt

«Ich kann nicht atmen» Prozess im Fall George Floyd beginnt

  • Fast ein Jahr nach der Tötung des unbewaffneten Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in den USA hat der Prozess gegen den weissen Hauptangeklagten Derek Chauvin begonnen.
  • Dem Ex-Polizisten wird unter anderem sogenannter Mord zweiten Grades vorgeworfen. Dies entspricht unserem Straftatbestand des Totschlags. Damit drohen ihm im Bundesstaat Minnesota bis zu 40 Jahre Haft.
  • Das Verfahren in Minneapolis findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Diese Woche sollen zunächst vor allem die Geschworenen ausgewählt werden.

George Floyds Schicksal hatte in den USA über Monate hinweg zu Massenprotesten gegen Polizeigewalt und Rassismus geführt – und das, obwohl wegen der Pandemie vielerorts eigentliche strikte Auflagen galten. Auch in vielen anderen Ländern hatte es Demonstrationen gegeben, oft schrieben sich die Protestierenden das Motto «Black Lives Matter» auf die Fahne.

Der 46-jährige Floyd war am 25. Mai vergangenen Jahres in Minneapolis bei einer brutalen Festnahme ums Leben gekommen. Die Polizeibeamten hatten ihn wegen des Verdachts festgenommen, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben. Sie legten ihm Handschellen an und drückten ihn auf der Strasse zu Boden.

Urteil soll ein Zeichen setzen

s
Legende: Erstickt wegen eines vermeintlich gefälschten 20-Dollar-Scheins: George Floyd (auf dem Bild). Reuters

Derek Chauvin drückte sein Knie gut acht Minuten lang in Floyds Hals, während dieser flehte, ihn atmen zu lassen. «Ich kann nicht atmen», sagte er mehrfach. Floyd verlor der Autopsie zufolge das Bewusstsein und starb. Videos des Einsatzes – aufgenommen von Passanten – verbreiteten sich wie ein Lauffeuer.

Die Erwartungen an den Prozess sind gross. Viele Menschen, darunter wohl auch die meisten Schwarzen, hoffen auf eine lange Haftstrafe für Chauvin. Sie hoffen auf ein Urteil, das ein Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt setzt. Das Gericht in Minneapolis war wegen des Prozesses mit Betonsperren und Zäunen abgeriegelt worden. Rund um das Gebäude versammelten sich Hunderte Demonstrierende, die Gerechtigkeit für Floyd forderten.

Der Richter Peter Cahill lehnte das Ansinnen von Staatsanwalt Matthew Frank ab, den Beginn des Prozesses zu verzögern, um eine Entscheidung einer höheren Instanz abzuwarten. Chauvins Anwalt war gegen die Verzögerung.

Bei dem Streit ging es um die Zulassung eines zusätzlichen Anklagepunkts, die der Richter ursprünglich abgelehnt hatte. Ein Berufungsgericht hatte am Freitag erklärt, dass der Richter die Anklage zulassen sollte. Diese Entscheidung ist aber nicht endgültig, sie könnte noch vor dem obersten Gericht des Bundesstaats Minnesota landen.

Cahill erklärte, die Auswahl der Geschworenen könne trotzdem schon beginnen. Der Richter hat die zeitaufwendige Auswahl der zwölf Geschworenen und vier Ersatzkandidaten nun auf Dienstag verschoben. Das Hauptverfahren soll weiter am 29. März beginnen. Die Verhandlung soll dem Gericht zufolge dann bis zu vier Wochen dauern.

Dem Angeklagten drohen 75 Jahre Haft

Chauvin, der nach dem Vorfall entlassen wurde und später auf Kaution freikam, wird Mord zweiten Grades ohne Vorsatz vorgeworfen. Darauf stehen im Bundesstaat Minnesota bis zu 40 Jahre Haft. Die Anklage wirft ihm zudem auch Totschlag zweiten Grades vor. Das kann in Minnesota zusätzlich mit 10 Jahren Haft geahndet werden.

Separates Verfahren für weitere beteiligte Ex-Polizisten

Box aufklappenBox zuklappen

Den übrigen drei an dem Einsatz gegen Floyd beteiligten Ex-Polizisten wird Beihilfe zur Last gelegt. Sie werden in einem separaten Verfahren ab 23. August vor Gericht stehen. Auch ihnen könnten im Fall einer Verurteilung langjährige Haftstrafen drohen.

Wegen Corona ist die Anwesenheit im Verhandlungsraum stark begrenzt worden. So darf zum Beispiel nur je ein Vertreter der Familien Floyd und Chauvin anwesend sein, wie der zuständige Richter verfügte. Es dürfen auch nur zwei Journalisten anwesend sein – der Prozess wird aber live übertragen.

Tagesschau, 08.03.2021, 12:45 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

23 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Das wäre ja ein Hohn für die Angehörigen von George Floyd und ein Schlag gegen Massnahmen gegen Rassismus,wenn nur auf „Todschlag“ befunden würde. Wenn jemandem 8 Minuten die Luft eng gemacht und schliesslich abgestellt wird, so dass er einen besonders qualvollen Tod erleidet, so ist das ein Mord der besonders üblen Sorte. Dies ist auch ein Resultat der misslichen, mit Rassismus durchsetzten Politik vieler Republikaner, von DT gedeckt. Polizisten wurden m.E. förmlich auf Schwarze abgerichtet.
    1. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Oh, Korrigenda: Richtig muss es heissen: Totschlag
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Urteil soll ein Zeichen setzen. Der Rassisum in Amerika ist unerträglich geworden. Hoffe, dass der Angeschuldigte und seine Mithelfer bestraft werden. Die Staatsanwaltschaft will zweifelsfrei nachweisen, dass der Beamte bei der Festnahme George Floyd mit Vorsatz Verletzungen zugefügt hat, in deren Folge Floyd starb. Die Anklage lautet auf Mord zweiten Grades und Totschlag. Leider gibt es viele andere schwarze Opfer von Polizisten, die nie angeklagt wurden. Menschrechte in den USA?
    1. Antwort von Herbert Dietrichstein  (Herbert D)
      So wie ich die USA seit 30 Jahren erlebe - als Tourist, beruflich, und auch ein paar Jahren Wohnsitz in den Staaten - halte ich den viel beschworenen "systematischen Rassismus" für eine Nebelgranate, die das eigentliche Problem gekonnt verdeckt: die systematische Armut.
    2. Antwort von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
      Die Menschenrechte sind in den USA bedenklich. In diesem Land muss sich vieles ändern. Nur leider sind die falschen Tichte
    3. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Dietrichstein: Mit der verdeckten "sytematischen Armut" sprechen Sie mir aus dem Herzen, gegen die ich schon seit Jahrzehnten ankämpfe mit Spenden (wohlverstanden von einer Million bin ich deutlich entfernt) und mit politischer Beteiligung. Die syst. Armut ist in den USA schlimm, aber sie nimmt in der Schweiz auch zu. Die Reichen dünnen den Mittelstand aus und auch unten. Und schändlicherweise wird dies von vielen Rechtskonservativen gedeckt auch mit Unwahrheiten gegenüber dem Stimmvolk.
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Ich hoffe, dass hier dieser Polizist seinem gerechten Urteil entgegengeführt wird und nicht eine politisch motivierte Verteidigung durchkommt.Der Vorgang kann doch nur als brutaler Mord bezeichnet werden.Dies aber genügt noch nicht. Es müsste der Weg endlich ganz konkret gegen Rassismus geöffnet und gegangen werden.Wie kann es in einem sich als zivilisiert bezeichnenden Land sein,dass Weisse,Schwarze und Indios nicht gleich menschenwürdig behandelt werden?Leider sind da viele Reps. nicht dafür.
    1. Antwort von Urs Dupont  (udupont)
      Immerhin war dieser Mann auch kein Unschuldslamm und hätte er sich der Kontrolle nicht entzogen, bzw. begriffen, dass das Gewaltmonopol bei der Polizei liegt, wäre es nicht zu dieser übertriebenen Reaktion der Polizei gekommen. Ich denke, die Gefahr eines politischen Urteils mit einer übermässigen Bestrafung ist deutlich grösser als das Ungekehrte.
    2. Antwort von Herbert Dietrichstein  (Herbert D)
      @udupont
      Es ist völlig egal, ob Floyd ein Unschuldslamm war oder nicht. Man kniet nicht auf dem Hals eines Menschen bis dieser sich nicht mehr rührt.
    3. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Na ja, so wie Sie das formulieren, kommts sicher gut. Es könnte aber sein, dass diese Vorverurteilung des Angeklagten durchaus ein juristisches Backfire entzündet, an dem sich dann jene, die wie sie den Angeklagten schon hängen, bevor das Verfahren überhaupt beginnt, die Hände ziemlich verbrennen könnten. Insbesondere dann, wenn sie in einem individuellen Strafverfahren noch gleich übergeordnete, moralische Ziele erreichen wollen. Das wäre für jeden Verteidiger das gefundene Fressen!
    4. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Herr Lang, ich kann Ihre Bedenken über Vorverurteilungen und eine sich dadurch ergebende Verteidigungsstrategie nachvollziehen, aber "übergeordnete moralische Ziele" sind der Grund, warum wir überhaupt ein Rechtssystem haben. Es gibt in der Realität nichts, was das Töten verbieten würde - es gibt nicht einmal gut oder böse. Das sind menschliche Kategorien. Und es ist im amerikanischen System ganz normal, dass es oft erste richtungsweisende Urteile sind, die dann zitiert und so zu Recht werden.
    5. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      @F.Keffel
      Es ist durchaus richtig, dass es diese übergeordnete moralische Dimension gibt, sie sollte aber nicht zum Kernbestandteil eines Strafrechtsprozesses gegen einen Angeklagten, den man ja nicht aus übergeordneten moralischen Prinzipien verurteilen sollte, sondern aufgrund eines Artikels des dafür gültigen und relevanten Rechtsaktes. Ansonsten wären wir dann nahe bei der Szene von Jesus mit den Pharisäern, nicht war!