Der Handel mit illegal geschlagenem Holz gilt mittlerweile als eine der Haupteinnahmen der organisierten Kriminalität – gleich nach dem Drogenhandel und dem Geschäft mit gefälschten Produkten. Interpol und Europol gehen davon aus, dass bis zu 30 Prozent des weltweit gehandelten Holzes illegal geschlagen werden. Mit einem Marktvolumen von 50 Milliarden Euro.
Wie das kriminelle Netz funktioniert und wer profitiert, zeigt eine neue Recherche von 140 Journalistinnen und Journalisten. Benedikt Strunz vom Norddeutschen Rundfunk NDR war dabei auf den Spuren der Holzmafia in Rumänien unterwegs, wo jährlich riesige Waldgebiete illegal abgeholzt werden. Das Land hat deshalb auch ein EU-Verfahren am Hals, weist aber jegliche Vorwürfe zurück und verweist auf die Fortschritte in der Korruptionsbekämpfung.
Man geht davon aus, dass fast die Hälfte des in Rumänien geschlagenen Holzes illegal gewonnen wird.
In Rumänien kam Strunz in Kontakt mit Insidern. Darunter ein Ex-Mafioso, der als Staatsförster im Auftrag seines Chefs einen illegalen Forstbetrieb aufgebaut haben soll. Mit dem Gewinn seien dann Politiker, aber auch ein hochrangiges Mitglied der Polizei bestochen worden. Mehrere Quellen vor Ort hätten dieses korrupte System bestätigt.
«Man geht davon aus, dass fast die Hälfte des in Rumänien geschlagenen Holzes illegal gewonnen wird», stellt Strunz weiter fest. Korruption und Gewalt seien häufig, und auch vor Mord werde nicht zurückgeschreckt. Dazu immer wieder tätliche Angriffe auf Journalisten und Journalistinnen, Umweltaktivisten und Forstangestellte.
Im Land selbst ist die Nachfrage nach Holz eher gering. Der Hunger nach Rumäniens letzten Urwäldern kommt somit von westlichen Konzernen, die vor Ort stark vertreten sind. Laut Strunz sind es insbesondere drei österreichische Unternehmen, die dort Pellets, Pressspanplatten und Billigmöbel für ein grosses Möbelhaus produzieren – und jegliche illegalen Aktivitäten von sich weisen.
Schwache Gesetzeslage – zu wenig Mittel
Kontrollen sind schwierig. Bei mehreren Razzien gegen Holzunternehmen in der Region Suceava im Nordosten des Landes wegen illegalen Holzschlags, Steuerhinterziehung und Geldwäsche ging kürzlich auch ein Polizeibeamter ins Netz. Er soll 300'000 Euro Schmiergeld kassiert haben, um Ermittlungen gegen einen Holzkonzern zu beeinflussen.
Strunz verweist zugleich auf die weltweit schwache Gesetzeslage gegen Umweltkriminalität. Dies gelte auch für die EU-Holzhandelsrichtlinie, das Holzsicherungsgesetz in Deutschland und vergleichbare Gesetze.
Die Ermittlungsbehörden hätten auch nur wenig Möglichkeiten für ein hartes Vorgehen, und die angedrohten Strafen seien sehr gering, so Strunz. «Die Mittel im Kampf gegen Umweltkriminalität sind angesichts von deren Bedeutung verschwindend klein, wenn man etwa die Anstrengungen gegen den Drogenhandel betrachtet.»
Düstere Aussichten für den Wald
Umweltaktivistinnen und -aktivisten in Rumänien befürchten, dass die illegale Abholzung vor dem Superwahljahr 2024 weiter zunehmen wird. Ein Höhepunkt jeweils vor Parlamentswahlen sei historisch belegt, sagt Strunz: Denn die kriminellen Netzwerke wollen vor möglichen politischen Veränderungen nochmals viel Geld machen.
Auch in die Wahlkampfkassen von Parteien dürften Gelder aus der illegalen Forstwirtschaft fliessen.