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In europäischen Gaststaaten Die «Krawall-Diplomatie» der US-Botschafter

US-Botschafter in Europa fallen durch Einmischung in ihren Gastländern auf. Der Trump-ähnliche Stil sorgt für Empörung.

US-Präsident Donald Trumps wenig diplomatische Art haben offensichtlich auch US-Botschafter verinnerlicht. Gleich mehrere sind in den vergangenen Wochen aufgefallen, weil sie sich unverblümt in innere Angelegenheiten ihrer Gaststaaten eingemischt haben. Was zunächst Erstaunen auslöste, weicht nun Empörung.

Die Aufgabe eines Botschafters ist es, freundschaftliche Beziehungen zu fördern. Vor ein paar Jahren interpretierten die Chinesen dies höchst eigenwillig: Als «Wolfskrieger» erteilten ihre Gesandten überall in oft rüdem Ton Lehren.

Diesem Beispiel folgen nun etliche von Trump neu ernannte Botschafter. Ihre Schulmeisterei gilt weniger autokratischen Staaten, sondern vielmehr den demokratisch regierten.

US-Botschafter mischt sich in Justizfall ein

Ein Beispiel ist Belgien: US-Botschafter Bill White mischt sich in einen Gerichtsfall gegen Juden ein, die illegale Beschneidungen ohne medizinische Fachperson organisiert haben sollen. Er wirft den belgischen Behörden Antisemitismus vor und sagte öffentlich: «Ich hoffe sehr, dass der Fall fallengelassen und das Gesetz geändert wird.»

Mann im blauen Anzug, eskortiert von Sicherheitskräften.
Legende: Der US-Botschafter in Belgien, Bill White, besuchte nach einem Anschlag auf eine Synagoge in Lüttich den Tatort. (9.3.2026) REUTERS/Yves Herman

In Kanada beklagt sich US-Botschafter Pete Hoekstra über angeblich «antiamerikanische Stimmungen». Er scheint nicht nachzuvollziehen, dass dies mit den Drohungen Trumps zusammenhängen könnte. «Die Leute im Land sagen: ‹Pete, du verstehst einfach nicht, warum wir so wütend sind. Was ist mit dem 51. Bundesstaat?› Ja, ich verstehe es nicht», so Hoekstra.

Offene Kritik an britischen Nachhaltigkeitsbemühungen

In Grossbritannien will US-Botschafter Warren Stephens die Briten von nachhaltiger Energiegewinnung abbringen. Er fordert, die Ölförderung in der Nordsee wieder hochzufahren. «Ich hoffe, dass Grossbritannien seine Politik in der Nordsee weiterhin prüft und einige Änderungen vornehmen wird, die mehr Bohrungen ermöglichen», sagte Stephens. Gleichzeitig mäkelt er, Grossbritannien halte die Pressefreiheit zu wenig hoch.

US-Flagge neben EU-Flaggen vor modernem Gebäude.
Legende: In der EU-Hauptstadt Brüssel kritisierte der US-Botschafter die Politik der Union ganz unverblümt. REUTERS / Francois Lenoir

Botschafter Andrew Puzder in Brüssel wirft der EU eine «völlig falsche Migrations- und Klimapolitik» vor. In Warschau weigert sich Amtskollege Tom Rose, den polnischen Parlamentssprecher zu treffen, nachdem dieser Trumps Eignung für den Friedensnobelpreis infrage stellte.

Inakzeptable Aussage für jemanden, der Diplomat sein sollte.
Autor: Emmanuel Macron Französischer Staatspräsident

Gross ist die Empörung in Frankreich. US-Botschafter Charles Kushner, Vater von Trumps Schwiegersohn Jared und ein vom Präsidenten begnadigter verurteilter Straftäter, verbreitet Zweifel an der sauberen Aufarbeitung der Ermordung eines Rechtsextremen durch einen Linksextremen und warf Paris zuvor mangelnden Einsatz gegen Antisemitismus vor.

Mann in Anzug
Legende: US-Botschafter Charles Kushner wurde 2005 wegen illegaler Wahlkampfspenden, Steuerhinterziehung und Zeugenbeeinflussung schuldig gesprochen. Trump begnadigte ihn 2020. Keystone/AP Photo/Christophe Ena

Kushner wurde ins französische Aussenministerium zitiert, verweigerte aber das Aufgebot. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nannte dies im US-Sender CBS «einen Fehler und eine inakzeptable Aussage für jemanden, der Diplomat sein sollte».

Fatales Kalkül?

Diese US-Botschafter vertreten offenkundig weniger die USA als Ganzes, sondern versuchen, den ideologisch motivierten Kulturkampf der MAGA-Bewegung («Make America Great Again») in demokratische westliche Länder zu tragen. Ihr Zielpublikum ist dabei nicht die Bevölkerung des Gaststaates, sondern Trump selbst, dem sie gefallen wollen.

Die chinesische «Wolfskrieger-Diplomatie» wurde übrigens inzwischen zurückgefahren. Peking erkannte, dass diese den eigenen Interessen nicht diente und Verärgerung statt Respekt hervorrief.

Rendez-vous, 17.3.2026, 12:30 Uhr; wilh

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