Seit dem erneuten Amtsantritt von Donald Trump kommuniziert das Weisse Haus auf Social Media äusserst aggressiv. Der offizielle X-Kanal der Regierung setzt insbesondere auf KI. Nicht nur wird der Präsident dort als König oder Star-Wars-Figur mit dicken Muskeln dargestellt, auch politische Gegner werden auf diese Weise denunziert.
Für Aufsehen sorgte zum Beispiel ein vermeintliches Foto der durch ICE (US-amerikanische Einwanderungs- und Zollbehörde) verhafteten Bürgerrechtlerin Nekima Levy Armstrong. Es zeigt die Frau stark weinend und aufgewühlt. Doch das Foto ist gefälscht.
Dieses Beispiel ist nur eines von vielen, um die aktuelle Art der Kommunikation der Regierung des mächtigsten Landes der Welt zu demonstrieren.
Man macht was man kann – auch technisch.
Eine bewusste Strategie sieht Kommunikationsexperte Klaus Kamps dahinter nicht. Kamps ist Professor für Kommunikationswissenschaft. Sein Schwerpunkt ist unter anderem öffentliche Kommunikation in den USA. «Ich denke, das ist eher ein Vorgehen, das aus dem Bauch heraus erfolgt. Das ist der Politikstil. Man macht, was man kann – auch technisch», sagt Kamps.
Die Kommunikation richte sich vorallem ans eigene Lager. Neu sei das im Kern nicht – nur das Gewand sei ein anderes. Die grenzüberschreitenden Memes seien dazu da, die eigene Partei zu stärken und den politischen Rivalen lächerlich zu machen.
Die Maga-Bewegung hat enorm viel Spass bei der Sache.
Doch wie kommen solche Postings bei den Anhängern von Donald Trump an? Laut Kamps ist es das Gleiche wie bei einem Internet-Troll: «Man hat seinen Spass daran, dass der eigene Schurke lustiger ist als der andere Schurke. Das dem mal wieder was eingefallen ist, was besonders erinnerungswürdig ist.»
Es geht also auch um Unterhaltung. Das gelte auch für Donald Trumps Reden, sagt Kamps. In Europa würden diese oft seziert und in kleinen Ausschnitten gezeigt. Etwa wenn er besonders ausfällig wird, lügt oder übertreibt. «Wenn man sich die Reden ganz anschaut, sieht man, dass sie durch und durch humorvoll und lustig gemacht sind. Die Maga-Bewegung (Make America great again) hat enorm viel Spass bei der ganzen Sache», sagt Kamps.
«Memes» könnten zum Problem werden
Wer die Postings kritisiert oder als humorlos bezeichnet, werde angegriffen. «Wer sich über so etwas aufregt wird als Europäer bezeichnet oder gehört zu den Anderen. Beleidigt auf solche Sachen zu reagieren, gilt in diesen Kreisen schon fast als unamerikanisch», sagt Klaus Kamps. Wenn man getrollt werde, habe man das mit Würde zu tragen, so die Ansicht vieler Maga-Anhänger.
Aber es gebe auch Risiken. Die Normen politischer Kommunikation könnten über einen längeren Zeitraum aufgeweicht werden, sagt Kamps: «Auch in anderen Zusammenhängen, zum Beispiel auf untergeordneten politischen oder einzelstaatlichen Ebenen, wenn es da Nachahmer gibt».
Das ziehe sich hin, bis zur Bürgergesellschaft selbst, wo die Normen des gemeinsamen demokratischen Diskurses wie wir ihn kannten, aufgehoben werden könnten.