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Nur finanzstarke Touristen werden Komodo noch besuchen können
Aus SRF 4 News aktuell vom 02.10.2019.
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Indonesien zieht die Bremse «Komodo wird zum Premium-Reiseziel»

Der Besuch der indonesischen Insel Komodo kostet einen Touristen künftig umgerechnet 500 Franken Gebühren. Damit sollen die Touristenströme auf die Insel mit den Riesenechsen verkleinert werden. Ob eine solche Massnahme gegen den vielerorts grassierenden Overtourism etwas bringen kann, weiss der Tourismus-Professor Florian Eggli.

Florian Eggli

Florian Eggli

Touristiker

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Florian Eggli ist Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter, Link öffnet in einem neuen Fenster am Institut für Tourismuswirtschaft der Hochschule Luzern. Seine Spezialgebiete sind Destination Marketing und Overtourism.

SRF News: Kann der Plan der indonesischen Regierung funktionieren?

Florian Eggli: Das ist doch ein signifikanter Eingriff – ich gehe stark davon aus, dass er einen Effekt haben wird. Künftig wird nur noch eine ausgewählte Gruppe Touristen die Insel besuchen können, sie wird zum Premium-Reiseziel. Leute mit geringerem Reisebudget wie Rucksacktouristen, Studenten oder Familien werden diese Insel nicht mehr besuchen können. Das wird auch Auswirkungen auf die touristische Infrastruktur auf der Insel Komodo haben.

Wo liegen die Risiken dieser Premiumziel-Strategie?

Das System vor Ort ist für den bislang vorherrschenden Tourismus eingespielt. Dieses System wird nun verändert. Viele Tourismus-Dienstleister auf der Insel werden ihr Angebot nicht mehr im gleichen Umfang an die Touristen bringen können.

Die Inselbewohner werden sich mit einer neuen Art Tourismus auseinandersetzen müssen.

Die Massnahme wird auch einen sozialen Wandel bei den rund 2000 auf der Insel lebenden Menschen bewirken. Sie müssen sich nun mit der neuen Art Tourismus auseinandersetzen. Auch ist noch unklar, wie Nicht-Touristen – Verwandte oder Freunde der Inselbewohner – vom neuen Regime betroffen sein werden.

Komodo-Waran an einem Strand, dahinter Boote.
Legende: Zu viele Touristen wollen die Riesenechsen auf Komodo sehen. Jetzt zieht die indonesische Regierung die Notbremse. Keystone

Welche anderen Massnahmen ausser eines hohen Eintrittsgelds gibt es, um allzu grosse Touristenströme zu lenken?

Idealerweise werden solche Probleme vorausgesehen, dann ist man nicht auf kurzfristige Lösungen wie hohe Zutrittspreise oder Verbote angewiesen. Eine langfristige Massnahme ist etwa das «Demarketing». Dabei werden nur noch jene Leute angesprochen, die man für seine Destination tatsächlich haben möchte. Diese muss im Markt entsprechend positioniert werden. Das Angebot muss über lange Zeit so gestaltet werden, dass es sozial- und umweltverträglich ist. So kann zusammen mit der Bevölkerung an einer Destination gearbeitet werden, die den Bedürfnissen von Einwohnern und Feriengästen entspricht. Eine solche Entwicklung ist allerdings langfristig angelegt. Es kann Generationen dauern, bis eine solche Destination dort steht, wo sie einst hinwollte.

Die Zahl der Touristen nimmt weiter zu, an manchen Orten werden sie zum Problem.

Overtourism wird weltweit immer mehr zum Problem. Müssen wir deshalb in Zukunft vermehrt mit Massnahmen wie jener auf Komodo rechnen?

Tatsache ist: Die Zahl der Touristen nimmt weltweit weiter zu, an manchen Orten werden sie tatsächlich zu einem Problem. Allerdings haben nicht alle Destinationen dieselben Möglichkeiten, kurzfristige Massnahmen zu ergreifen. Inseln wie Komodo oder die Galapagos können einfacher Kapazitätsbeschränkungen verordnen. Doch in Städten, die auch von vielen Tagestouristen besucht werden, sind preisliche Steuerungsmassnahmen viel schwieriger umsetzbar. Das Verhalten der Tagesbesucher lässt sich nicht über Übernachtungspreise oder Kurtaxen steuern. Doch auch dort arbeitet man an Konzepten, wie Besucherströme besser gelenkt und verteilt werden können, damit sie sozial- und umweltverträglicher werden.

Das Gespräch führte Janis Fahrländer.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Danny Kinda  (Kinda)
    Der Massentourismuss Ist nicht aufzuhalten weil es immer mehr Menschen gibt. Steigt der Wohlstand, wollen die natürlich verreisen. Für mich ist es aktuell besser die gehen mit den Riesendampfern massiert irgendwo hin als alle an verschiedene Destinationen. So kann man wenigstens noch ein bisschen Ruhe haben.
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  • Kommentar von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
    Schade um die Destination, wenn sie sich wie geschildert entwickelt hat. - Wir waren 1993 als Backpacker dort: Ausser ein paar schlecht ausgelasteten Hotels kaum Touro-Infrastruktur; das Verfolgen des Verfütterns einer lebenden Ziege an eine Gruppe von ca. 10 Echsen in einer Grube aus gesicherter Distanz war das einzige Angebot. Eindrücklich war das Erlebnis allemal: Auge in Auge mit dem sicheren Tod abseits der Touristenstege, das kratzige Geräusch der sich aneinander reibenden Schuppenpanzer.
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  • Kommentar von Eva Werle  (Eva Werle)
    steuerung über den preis führt immer zu sozialer ungerechtigkeit.
    teure flüge: nur noch für reiche.
    teure hotels: nur noch für reiche.
    teure eintritte: nur noch für reiche.
    wenn es wirklich um die dezimierung des massentourismus ginge, wären kontingente effektiver und sozialverträglicher.
    aber das könnte zu mindereinnahmen führen - und das will dann doch keiner - schutz der echsen hin oder her.
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    1. Antwort von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
      Auch bei einer Kontingentierung kommen die Zahlenden zuerst; sie löst die von Ihnen angesprochenen Probleme nicht. Aus eigener Erfahrung (1993) kann ich aber garantieren, dass eine Insel wie Komodo einen Massentourismus nicht aushält. Und die Basis für Massentourismus bildet nun einmal die wachsende Mittelschicht v.a. in asiatischen Ländern.
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    2. Antwort von Yasha Bostic  (YashaB)
      Jä nu. sag ich da nur. Dann fliegen halt nur Reiche, Hauptsache es fliegt nur noch dein Bruchteil der Leute, die heute fliegen. Die könnte man dann dafür richtig schröpfen, während die andernen lernen, dass man auch mit dem Zug oder Auto schöne Ferien haben kann.

      Eine überkomplizierte "Kontigentierungs"-Lösung kostet uns am Ende mehr, als ein höhere Flugtaxe einbringt.
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