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G20: Bilanz eines besonderen Gipfels
Aus Echo der Zeit vom 22.11.2020.
abspielen. Laufzeit 04:02 Minuten.
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Internationale Zusammenarbeit G20-Gipfel: Tiefe Erwartungen knapp erfüllt

Der G20-Gipfel hätte ein Glanzstück internationaler Diplomatie werden können: Die Coronakrise – inklusive der wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen – ist ein globales Problem. Für globale Probleme braucht es idealerweise globale Lösungen. Und wer könnte die besser anschieben als der globale Club der G20-Länder, in dem die 20 mächtigsten Wirtschaftsmächte der Welt vertreten sind, die zusammen knapp 90 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung präsentieren?

So weit die Theorie. In der Praxis funktioniert das schon lange nicht mehr. Konkrete Lösungen für globale Probleme haben die G20-Länder zuletzt nach der Finanzkrise 2008/ 2009 geliefert. Seitdem hat sich der gemeinsame Geist immer mehr verflüchtigt. Inzwischen ist der Club der Mächtigen sogar uneins wie selten. Was auch daran liegt, dass mit dem abgewählten US-Präsidenten Donald Trump ein bekennender Verächter globaler Kooperation am Ruder sitzt.

Bereits eine gemeinsame Erklärung gilt als Erfolg

Bei wichtigen Themen wie der Eindämmung der Pandemie oder dem Kampf gegen den Klimawandel gilt Trump als Bremser. Und auch in anderen Ländern war der Wille zur globalen Kooperation schon stärker. Die Erwartungen an den diesjährigen G20-Gipfel, der wegen Corona erstmals virtuell stattfand, waren entsprechend tief.

Darum ist es schon als Erfolg zu werten, dass am Ende des zweitägigen, virtuellen Gipfels überhaupt ein gemeinsames Abschluss-Communiqué zustande kam, auch wenn der Inhalt dünn bleibt.

So geloben die G20-Länder, gemeinsam für eine gerechtere Verteilung erschwinglicher Corona-Impfstoffe auf der ganzen Welt zu sorgen. Und: mehr Geld für das internationale Impfstoff-Programm Covax locker zu machen. Tönt gut, ist aber nicht mehr als eine unverbindliche Absichtserklärung.

Die G20 kämpfen – und Trump geht golfen

Covax fehlen noch sechs Milliarden Dollar. Die USA beteiligen sich bisher gar nicht. US-Präsident Trump betonte in seiner G20-Videobotschaft lieber die eigenen Verdienste zur Eindämmung der Pandemie, im eigenen Land. Dann verabschiedete er sich vorzeitig aus der virtuellen Runde und ging golfen, wie verschiedene Quellen berichten.

Die G20 kämpften sich trotzdem tapfer weiter bis zur einer gemeinsamen Gipfelerklärung. Darin versprechen sie auch, alles zu unternehmen, um die angeschlagene Weltwirtschaft wieder in Gang zu bringen. Wie, bleibt offen. Auch bei weiteren Schuldenerleichterungen für arme Länder bleibt es bei einer vagen Absichtserklärung. Überschuldeten Ländern, die dringend Geld für die Corona-Bekämpfung bräuchten, hilft das nicht.

Und trotzdem lobte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel am Ende des zweitägigen Gipfels, das Abschluss-Communiqué atme «den Geist der multilateralen Zusammenarbeit». Es klingt fast wie eine Beschwörung.

Maren Peters

Maren Peters

Wirtschaftsredaktorin SRF

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Maren Peters ist Mitglied der Wirtschaftsredaktion von Radio SRF. Ihre Spezialgebiete sind internationale Finanz- und Handelsorganisationen sowie multinationale Unternehmen.

Tagesschau 22.11.20, 19.30 Uhr; fulu

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris  (zombie1969)
    Europa hat nur wenig in seine Verteidigung investiert, hat sich nur auf Verträge verlassen und sollte jetzt einmal gründlich darüber nachdenken warum es hier 75 Jahre keinen Krieg gegeben hat.
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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Es ist schade,dass fast immer bei solchen Treffen so wenig herausschaut. Oft sind diese Treffen von Rücksichtnahme auf Reiche und Mächtige geprägt. Diesbezüglich ist es nicht viel besser als im Mittelalter, nur strukturell anders. Wann werden die Armen aufstehen? Wann die meisten Menschen für die Armen? Es ist ein Hohn, dass 3-4% die Hälfte aller materieller Güter besitzen, und wir gewöhnlichen Steuerzahler mühen uns ab, dass das Geld reicht.Die Politik begünstigt im grossen und ganzen Reiche.
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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    1/2: Mit den exotischen 5 (Russland, China, Türkei, Saudis, Brasilien) und ihrer Vorstellung von Menschenrechten und Umweltstandards werden keine gesunden Kartoffeln gesetzt. Es widerspiegelt im kleineren Rahmen die Situation in der UNO. Wenn die Weltgemeinschaft weiterkommen will, müssen sich die Demokratien zusammentun und ihr Wirken (Klima, Umwelt, Förderung lokaler Handel usw) in kleinere Felder aufteilen. Besser als nichts tun. Welche Rolle die USA spielen, wird spannend (neu mit Biden).
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