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Legende: Audio Internet-Trolle in Osteuropa abspielen. Laufzeit 04:26 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 04.08.2019.
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Internet-Trolle in Osteuropa Rechtsextreme Hetze an der Regierung vorbei

Der Schriftsteller Michal Hvorecky war bereits selbst Zielscheibe von Fake News. Für ihn gefährdet Social Media die Demokratie.

Vor kurzem haben Internet-Trolle wieder einmal ein Bild von Michal Hvorecky verbreitet – darunter die Behauptung, er unterstütze Islamisten. «Es wurde massenweise weitergeteilt, hauptsächlich von Anhängern rechtsextremer Webseiten. Ich habe mir das erste Mal Mühe gegeben, diese Personen anzuschreiben», erzählt der slowakische Schriftsteller und habe damals über 120 E-Mails geschickt.

Die Antworten auf Hvoreckys E-Mails waren ernüchternd: Zwei haben sich bei ihm entschuldigt, die meisten haben ihn aufs Übelste beschimpft. «Der Versuch, mit Argumenten zu reagieren, war ein totaler Misserfolg. Es hat sich bei den Trollen auch die immergleiche Struktur wiederholt: Wladimir Putin sei der Retter der Welt, der Westen der grosse Feind.» Alles sei manipuliert und George Soros stehe hinter jedem geschichtlichen Ereignis.

Der linksliberale, jüdische US-Milliardär Soros als mächtiger Strippenzieher im Hintergrund, Putin als Heilsbringer – diese Mischung finde man auch auf der Seite «hlvanespravy.sk». Auf den ersten Blick sehe es aus wie ein Nachrichtenportal und nicht wie eine Verschwörungswebseite, so Hvorecky.

Das Weltbild aber sei klar: «Der Westen ist der Feind. EU- und Nato-Austritt der Slowakei sind das oberste Ziel, das es mit allen Mitteln zu erreichen gilt.» Über eine Million Besucher im Monat hat die von Russland finanzierte Seite. Eine ganze Menge in einem kleinen Land mit nur 5.5 Millionen Einwohnern.

Michal Hvorecky
Legende: «Die sozialen Netzwerke haben unsere Demokratie geschwächt», sagt der Schriftsteller und Journalist Michal Hvorecky. imago images

Die Slowakei hat mit Zuzana Caputova gerade eine linksliberale, pro-europäische Präsidentin gewählt, als erste Frau auf diesem Posten. Zugleich ist aber die Partei des verurteilten Rechtsextremen Marian Kotleba drittstärkste Kraft im Land. Bei den Wählern unter 25 ist sie sogar die beliebteste Partei überhaupt.

Trolle haben bei den Teenies Chancen

Für Hvorecky ist das eine Folge davon, dass die Fake News der Trolle bei jungen Menschen besonders gut ankommen. Einerseits, weil es den Jungen besonders schwer falle, zwischen gut recherchiert und gut erfunden zu unterscheiden.

Andererseits, weil sich junge Slowakinnen und Slowaken heute fast ausschliesslich über Social Media informierten. «Die sozialen Netzwerke haben unsere Demokratie geschwächt. Unglaublich viele Inhalte in Osteuropa sind rechtsextrem und es gibt keine Reaktion darauf.» Das bedeute eine extreme Gefahr.

Umgekehrt nutzen aber auch westlich orientierte, liberale Politiker Social Media mit Erfolg. Das beste Beispiel dafür ist Caputovas erfolgreiche Wahlkampagne: «Das ist paradox – es ist das Gute und das Böse in einem.»

Nicht nur in der Slowakei, auch in anderen osteuropäischen Ländern sind Fake News ein grosses Thema, viele sagen: eine grosse Gefahr. In Polen, Ungarn und Rumänien werden für Falschmeldungen gerne die innenpolitischen Gegner verantwortlich gemacht. In Bulgarien, Tschechien und im Baltikum ist das vor allem Russland.

Schwache Qualitätsmedien wieder stärken

Der britischen Regierung macht das so grosse Sorgen, dass sie gerade beschlossen hat, in den nächsten drei Jahren unabhängigen Journalismus in Osteuropa mit mehr als 20 Millionen Franken zu unterstützen. Ein Versuch, die vielerorts schwachen Qualitätsmedien zu stärken.

Das sei, glaubt auch Hvorecky, das einzige Mittel, das langfristig gegen Trolle wirken könne. Man müsse «immer wieder die Wahrheit sagen und erklären: Jeder hat recht auf seine eigene Meinung. Aber er hat nicht recht auf seine eigenen Fakten».

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61 Kommentare

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  • Kommentar von Harald Buchmann  (Harald_Buchmann)
    China hat vor Jahren vorgeschlagen international zu regeln, wie Fake News bekämpft werden können. Der Westen lehnte jegliche Diskussion kategorisch ab, schliesslich war man damals grad aktiv in diverse Revolutionen investiert, die über soziale Medien orchestriert wurden. Heute, Millionen von Toten später, beginnen sich plötzlich auch gegner des westlichen Mainstream zu organisieren auf sozialen Medien. Jetzt sieht man endlich auch im Westen das Problem.
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    1. Antwort von u. Felber  (Keule)
      Tja, das Problem ist doch, dass die China KP ein Fake an und für sich ist. Das ist doch keine Volkspartei, sondern genau das Gegenteil. Die wollen aus ganz klar offensichtlichen Gründen, das man alles was nicht passt als Fake News abtun kann, inkl harten Strafen. Die Beweggründe im Westen sind wohl etwas anders gewurzelt, als sie sich erwünschen.
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  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Falschmeldungen werden auch gefördert und konsumiert, wenn sogenannte Qualitätsmedien aus Gründen der Political Correctness oder auch aus eigener Haltung heraus, Berichterstattungen schönfärben, nur zögerlich berichten oder gar unterschlagen, Leser auf diese Weise bevormunden, ihnen keine persönliche Beurteilung zutrauen oder allzuoft die freie Meinungsäusserung verbieten, speziell dann, wenn sie der eigenen nicht entspricht.
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    1. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Das Recht freie Meinungsäusserung bedeutet nicht, dass man diese in jedem Fall auf einem Newsportal äussern darf. Sie dürfen gerne einen Blog schreiben oder auf der Strasse Pamphlete verteilen etc. Lügen, Hetze, Beleidigungen etc. werden nicht durch das Recht der freien Meinungsäusserung geschützt.
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    2. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      @M. Koller: Viele Lügen werden als Wahrheit verkauft (Massenvernichtungswaffen des Iraks z.B.) während Wahrheiten auch mal der Lüge bezichtigt werden. Wie wollen Sie dagegen vorgehen? Wer bestimmt, was wahr ist und was nicht? Wird das nicht zu einer Macht- bzw. Geldfrage, wer seine "Wahrheit" geltend machen kann?
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    3. Antwort von m. mitulla  (m.mitulla)
      Alle kritischen Meinungen und Voten abzuwürgen dient niemals der Demokratie. Wer bewiesene Fakten anzweifelt ist nicht derselbe, der unbewiesene Fakten (Fake News) anzweifelt. So viel Toleranz, Unterscheidungskompetenz und Ehrlichkeit muss sein.
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  • Kommentar von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
    Wären die Medien mit ihrer Berichterstattung glaubwürdig, ernsthaft journalistischen Prinzipien verpflichtet, hätten es rechte Plattformen wie Breitbart und Co viel schwieriger, Gehör zu finden. Vielen Menschen fällt halt auf, dass an der Berichterstattung etwas faul ist und suchen weiter, nach anderen Stimmen.
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