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Staatsdoping in Russland IOC legt sich mit den Doping-Jägern an

Elf Monate vor den nächsten Winterspielen relativiert das Olympische Komitee den systematischen Betrug durch Russland.

Legende: Audio Doping im russischen Spitzensport: Das IOC gibt Entwarnung abspielen. Laufzeit 03:47 Minuten.
03:47 min, aus Rendez-vous vom 17.03.2017.

Schlecht gearbeitet. So könnte man den Vorwurf des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zusammenfassen. Es wirft der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) vor, in ihrem McLaren-Bericht, Link öffnet in einem neuen Fenster ungenau zu sein.

So schreibt das IOC in einem öffentlichen Brief, die Wada habe zugegeben, dass die im McLaren-Bericht angeführten Beweise in vielen Fällen nicht für Sanktionen gegen Athletinnen und Athleten ausreichten. Die öffentliche Kritik stösst wiederum der Wada sauer auf.

Das IOC wollte gegenüber Radio SRF keine Stellung beziehen. Geantwortet hat dafür Matthias Kamber, Direktor von Antidoping Schweiz. Er verteidigt die Arbeit von Richard McLaren: Die Beweislage sei wasserdicht. Es habe systematisches Doping gegeben. Russland habe die an sich unabhängigen Anti-Doping-Stellen zur Zusammenarbeit und zum Betrug angehalten.

Die Beweislage für systematisches Staatsdoping ist wasserdicht. Russland hat seine unabhängigen Anti-Doping-Stellen zum Betrug angehalten.
Autor: Matthias KamberDirektor von Antidoping Schweiz

IOC setzt Kommissionen unter prominenter Führung ein

Das IOC aber will es genauer wissen und prüft nun den Mc-Laren-Bericht vertieft. IOC-Präsident Thomas Bach hat dazu zwei Kommissionen eingesetzt. Beide werden von Schweizern geleitet: Die eine von IOC-Mitglied Denis Oswald, die andere von alt Bundesrat Samuel Schmid. Beide geben auf Anfrage keine Auskunft mit Verweis auf die laufenden Untersuchungen.

Dem IOC gehe es gar nicht um die Inhalte des Berichts, sondern es spiele einfach auf Zeit, kritisiert der deutsche Sportjournalist und langjährige IOC-Kritiker Jens Weinreich. Denn das IOC hätte längst handeln können, wenn es denn gewollt hätte: «Die olympische Charta regelt das eindeutig. Russland könnte überhaupt nichts machen.

Das IOC will nicht nach seiner olympischen Charta handeln. Das ist nicht zum ersten Mal so.
Autor: Jens WeinreichSportjournalist, IOC-Kritiker

Weinreich verweist darauf, dass der vom IOC kritisierte McLaren-Bericht gar nie darauf abzielte, einzelne Athletinnen und Athleten zu brandmarken. Ziel sei vielmehr gewesen, das russische Staatsdoping aufzudecken. Dass nun das IOC just die fehlenden Beweise gegen einzelne Sportler kritisiere, sage viel aus über das Komitee. Die öffentliche Kritik sei nichts anderes als lupenreine Propaganda.

Antidoping Schweiz vermisst starke Zeichen

Auch Kamber glaubt nicht mehr daran, dass aufgrund des Berichts noch viele Sportler gesperrt werden. Keine Sanktionen wären für ihn aber ein verheerendes Zeichen an die sauberen Sportlerinnen und Sportler: «Sie erwarten eigentlich von uns, dass wir sie schützen.» Es müssten starke Zeichen gesetzt werden. Ansonsten entstehe der Eindruck, institutionell verordnetes Doping werde toleriert, während kleine Fische wegen eines falschen Nasensprays oder Erkältungsmittels bestraft würden.

Die sauberen Sportlerinnen und Sportler erwarten von uns, dass wir sie schützen.
Autor: Matthias KamberDirektor Antidoping Schweiz

Elf Monate bis zu den nächsten Spielen

Die Zeit drängt nun. Denn in elf Monaten beginnen die Olympischen Winterspiele in Südkorea. Geht es aber so langsam weiter wie bis jetzt, wird Russland mit einem Grossaufgebot in Südkorea starten, obschon der McLaren-Bericht etliche Beweise für Staatsdoping aufgelistet hat.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von D. Schmidel (D. Schmidel)
    Russland ist für mich der absolute Gewinner der Unglaubwürdigkeit, nicht nur im Sport.
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    1. Antwort von B Näf (uluru)
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  • Kommentar von D. Schmidel (D. Schmidel)
    Die Verschwörerrunde ist eröffnet. Bin gespannt, wann beim IOC die erste Verhaftungswelle losgeht. Auf einer Glaubwürdigkeitsskala von 1- 10 gäbe ich dem IOC eine 1 und der Wada eine 8. Russland würde rausfallen, denn es bekäme eine glatte Null.
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  • Kommentar von E. Waeden (E. W.)
    Weshalb spricht man eigentlich immer nur vom Wintersport? Und im "Sommersport", oder Sportarten, wie z. B. Fussball, Tennis usw. , welche mittlerweile das ganze Jahr über gespielt werden, spricht man nicht darüber? Auch überall dort gibt es Dopingsünder.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Ich weiss es auch nicht, aber was ich vermute ist, weil der Mc.Laren Bericht durch die systematischen Machenschaften der Behörden im Zusammenhang mit den Winterspielen in Sotschi erst angeregt wurde. Dazu kommt dass Winterspiele anstehen, wärend die Sommerspiele (Rio) bereits vorbei sind. Und vergessen Sie nicht, dass die Äusserung des IOC sich eben auf diese kommenden Spiele bezieht, der Sport "der das ganze Jahr läuft" ist nicht in deren Zuständigkeit.
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    2. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Es kommt noch etwas dazu, das man glaub ich wissen kann: Bei Sportarten wie Tennis etc. wo das Jahresprogramm sehr international ist, d.h. die Sportler sind sehr oft unterwegs, sind bei jedem Wettkampf die lokalen offiziellen Stellen zuständig für die Kontrollen. Hier würde systematisch von einem bestimmten Land verschuldetes Doping bei den betreffenden Sportlern und Sportlerinnen sofort entdeckt. Deshalb ist Doping dort weniger oft ein Thema. Schade nur dass es trotzdem vorkommt.
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    3. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Nicht nur im Tennis & Fussball sind sie sehr oft unterwegs. In allen internationalen Sportarten sind sie überall auf der Welt unterwegs. Und wenn es in gewissen Sportarten weniger Thema ist, dann weil dort Funktionäre, aber auch die Sportler/Innen mit Mio Gagen viel Einfluss darauf haben & man diesen Prestige-Sportarten nicht durch Skandale schaden will. Und wenn in Amerika Dopingmittel unter anderen Namen erlaubt sind, in Russland aber wird Staatsdoping daraus gemacht, ist es nur Hetze.
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