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International Irakische Truppen erobern Falludscha vom IS zurück – was jetzt?

Am Freitag hat die irakische Armee die Stadt Falludscha von der Terrormiliz Islamischer Staate zurückerobert. Im Nordirak bleibt damit dem IS nur noch seine «Hauptstadt» Mossul. Beim Kampf um Mossul gehe es dem IS aber um alles, um die Existenz des Kalifats, sagt Inga Rogg.

Ein irakischer Soldat gibt einer alten Frau Wasser.
Legende: Irakische Truppen helfen der Bevölkerung in der zurückeroberten Stadt Falludscha notdürftig. Reuters

Am Freitag verkündete der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi die Rückeroberung der Stadt Falludscha von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Vier Wochen lang wurde gekämpft, zehntausende Menschen sind aus der Stadt geflüchtet.

Irak-Kennerin Inga Rogg sagt im «Echo der Zeit», dass die irakischen Elitetruppen den wohl grössten Teil der Stadt Falludscha unter ihre Kontrolle gebracht hätten. Aber es gebe weiterhin einzelne Stadtteile, in denen der IS Widerstand leiste.

Die irakische Armee habe aber aus den Kämpfen in der Vergangenheit gelernt. «Der Grossteil der IS-Kämpfer hat sich zurückgezogen, die Flucht ergriffen oder ist bei Kämpfen umgekommen. Der IS wird also nicht in der Lage sein, Falludscha zurückzuerobern», schätzt Rogg.

Rückkehr praktisch unmöglich

Eine Rückkehr der Menschen nach Falludscha sei nicht unmittelbar möglich. Zudem sei fraglich, ob die Menschen überhaupt in die Stadt zurückkehren könnten, weil dort alles zerstört ist.

«Wir sehen das auch in der Stadt Ramadi, die von den irakischen Truppen schon vor Monaten zurückerobert worden ist. In diese Stadt ist wegen der Zerstörung bis heute so gut wie niemand zurückgekehrt», erklärt Rogg.

Nach Schätzungen der USA hat der IS rund die Hälfte seines eroberten Territoriums im Irak wieder verloren. Rogg bestätigt, dass der IS geschwächt ist und laufend Gebiete verliert. «Die letzte grosse Stadt, die der IS noch kontrolliert, ist die grösste Stadt überhaupt im Nordirak: Mossul – die Hauptstadt des IS im Irak. Dort leben hunderttausende Menschen.»

Das Ende des Kalifats im Irak

Bei der Frage nach dem verbliebenen Einfluss des IS im Nordirak komme es darauf an, was man zähle: «Geht es darum, wie viele Menschen oder wie viel Fläche der IS kontrolliert? Wenn es um die Territorien gehe, bricht das selbst ernannte Kalifat nach und nach zusammen.»

Bleibt als «Hauptstadt» des IS nur noch Mossul. Laut dem irakischen Verteidigungsminister soll die Stadt bald befreit werden. «Viele bezweifeln das, denn um Mossul herum gibt es weite Gebiete, die der IS kontrolliert. Bis nach Mossul müsste eine Distanz von über 90 Kilometern überwunden und erobert werden. Das bedeutet viel ‹Vorarbeit›, bis Mossul selber angegriffen werden kann. Da wird aber der IS stärker darum kämpfen, denn da geht es um die Exstenz des Kalifats.

Inga Rogg

Inga Rogg
Legende: ZVG

Inga Rogg ist NZZ-Journalistin und lebt zeitweise im Irak. Zurzeit ist sie in Istanbul. Seit 2003 berichtet sie für die NZZ und die «NZZ am Sonntag» aus dem Irak, seit 2009 ist sie auch für SRF im Einsatz.

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