Das US-Militär hat wieder iranische Ziele angegriffen – die elfte Nacht in Folge. Man will erreichen, dass der Iran Frachtschiffe auf der Strasse von Hormus nicht mehr angreifen kann. Die Meerenge ist besonders für die globale Versorgung mit Erdöl und Gas von grosser Bedeutung. Thomas Gutersohn über mögliche Alternativen.
Welche Alternativen gibt es?
Es stehen verschiedene Alternativen zur Debatte, darunter Pipelines, Schienen- und Strassenverbindungen. Insgesamt wollen die Golfstaaten rund 250 Milliarden Dollar investieren, um Alternativrouten um die Strasse von Hormus herum zu schaffen. Konkret werden bereits neue Pipelines gebaut. Auch der Strassenbau wird vorangetrieben; im Irak beispielsweise wird schon länger die sogenannte «Entwicklungsstrasse» gebaut, die vom Norden bis in den Süden quer durch das Land führen soll. Zudem scheinen die Golfstaaten den Schienenverkehr für sich zu entdecken.
Welche Alternativen haben die Länder?
Saudi-Arabien: Die geografische Grösse Saudi-Arabiens ist hier ein klarer Vorteil. Das Land hat nicht nur Zugang zur Meerenge von Hormus, sondern im Westen auch zum Roten Meer. Dorthin pumpt man bereits heute einen Grossteil seines Öls durch die sogenannte West-Ost-Pipeline, die eine Kapazität von täglich sieben Millionen Barrel hat. Zum Vergleich: Durch die Strasse von Hormus wurden vor dem Konflikt rund 20 Millionen Barrel pro Tag transportiert. Es gibt Projekte, diese Pipeline und den dazugehörigen Hafen am Roten Meer weiter auszubauen. Das Problem dabei ist jedoch, dass auch das Rote Meer ein Nadelöhr darstellt und die Huthi-Rebellen haben kürzlich angekündigt, dass sie beabsichtigen, diese Meerenge zu kontrollieren.
Irak: Das Land hat in den letzten Jahren fünf Milliarden Dollar in einen neuen Hafen in Basra im Süden investiert. Dieser liegt nun brach, weil er ebenfalls auf die Durchfahrt durch die Meerenge von Hormus angewiesen ist. Es gibt zwar Pipelines, die durch die kurdischen Gebiete im Irak in die Türkei führen, diese sind aber sanierungsbedürftig, da die irakische Zentralregierung nicht wirklich in die kurdischen Gebiete investieren wollte. Nun plant der Irak, neue Pipelines durch Jordanien oder Syrien zu bauen. Doch auch hier gibt es Probleme.
Kleinere Königreiche: Sie sind in der Bredouille. Alle alternativen Handelsrouten würden für sie zwangsläufig durch andere Länder führen, was neue Abhängigkeiten schaffen würde. Für Katar beispielsweise führt kein Landweg an Saudi-Arabien vorbei, mit dem das Land eine schwierige Beziehung pflegt und bis vor fünf Jahren im Konflikt stand. Kuwait müsste seine Waren ebenfalls durch Saudi-Arabien oder den Irak transportieren, wobei das Verhältnis zum Irak ebenfalls nicht unbelastet ist. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben zwar einen Hafen im Osten des Landes, mit dem die engste Stelle der Strasse von Hormus umgangen werden könnte. Dieser Hafen befindet sich aber immer noch in Reichweite von iranischen Drohnen und Raketen.
Könnten ausreichend Transportkapazitäten geschaffen werden?
Wirtschaftlich rechnet sich wohl keine dieser Alternativen wirklich. Der Handel über das Meer ist mit Abstand der billigste Transportweg; Strassen oder Schienen kommen da nicht ansatzweise heran. Auch Pipelines, die über tausende Kilometer an einen anderen Hafen führen, verlangsamen und verteuern den Handel erheblich. Hinzu kommt, dass pro Pipeline immer nur ein Produkt transportiert werden kann. Man bräuchte also separate Pipelines für Öl, Flüssiggas und Düngemittel.