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Iran blockiert Meerenge Strasse von Hormus: Alternativen gibt es – einfach sind sie nicht

Das US-Militär hat wieder iranische Ziele angegriffen – die elfte Nacht in Folge. Man will erreichen, dass der Iran Frachtschiffe auf der Strasse von Hormus nicht mehr angreifen kann. Die Meerenge ist besonders für die globale Versorgung mit Erdöl und Gas von grosser Bedeutung. Thomas Gutersohn über mögliche Alternativen.

Thomas Gutersohn

Nahost-Korrespondent

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Thomas Gutersohn lebt seit 2023 in Amman und berichtet für SRF aus dem Nahen Osten. Von 2016 bis 2022 war er als Südasien-Korrespondent tätig, zuvor hatte er aus der Westschweiz berichtet. Gutersohn arbeitet seit 2008 bei SRF und hat in Genf Internationale Beziehungen studiert.

Welche Alternativen gibt es?

Es stehen verschiedene Alternativen zur Debatte, darunter Pipelines, Schienen- und Strassenverbindungen. Insgesamt wollen die Golfstaaten rund 250 Milliarden Dollar investieren, um Alternativrouten um die Strasse von Hormus herum zu schaffen. Konkret werden bereits neue Pipelines gebaut. Auch der Strassenbau wird vorangetrieben; im Irak beispielsweise wird schon länger die sogenannte «Entwicklungsstrasse» gebaut, die vom Norden bis in den Süden quer durch das Land führen soll. Zudem scheinen die Golfstaaten den Schienenverkehr für sich zu entdecken.

Welche Alternativen haben die Länder?

Saudi-Arabien: Die geografische Grösse Saudi-Arabiens ist hier ein klarer Vorteil. Das Land hat nicht nur Zugang zur Meerenge von Hormus, sondern im Westen auch zum Roten Meer. Dorthin pumpt man bereits heute einen Grossteil seines Öls durch die sogenannte West-Ost-Pipeline, die eine Kapazität von täglich sieben Millionen Barrel hat. Zum Vergleich: Durch die Strasse von Hormus wurden vor dem Konflikt rund 20 Millionen Barrel pro Tag transportiert. Es gibt Projekte, diese Pipeline und den dazugehörigen Hafen am Roten Meer weiter auszubauen. Das Problem dabei ist jedoch, dass auch das Rote Meer ein Nadelöhr darstellt und die Huthi-Rebellen haben kürzlich angekündigt, dass sie beabsichtigen, diese Meerenge zu kontrollieren.

Person auf Felsen am Meer mit Frachtschiffen im Hintergrund.
Legende: Weil der Iran die Strasse von Hormus blockiert, suchen viele Golfstaaten nach alternativen Routen für ihre Erdölexporte. Keystone/Amirhosein Khorgooi/ISNA via AP

Irak: Das Land hat in den letzten Jahren fünf Milliarden Dollar in einen neuen Hafen in Basra im Süden investiert. Dieser liegt nun brach, weil er ebenfalls auf die Durchfahrt durch die Meerenge von Hormus angewiesen ist. Es gibt zwar Pipelines, die durch die kurdischen Gebiete im Irak in die Türkei führen, diese sind aber sanierungsbedürftig, da die irakische Zentralregierung nicht wirklich in die kurdischen Gebiete investieren wollte. Nun plant der Irak, neue Pipelines durch Jordanien oder Syrien zu bauen. Doch auch hier gibt es Probleme.

Kleinere Königreiche: Sie sind in der Bredouille. Alle alternativen Handelsrouten würden für sie zwangsläufig durch andere Länder führen, was neue Abhängigkeiten schaffen würde. Für Katar beispielsweise führt kein Landweg an Saudi-Arabien vorbei, mit dem das Land eine schwierige Beziehung pflegt und bis vor fünf Jahren im Konflikt stand. Kuwait müsste seine Waren ebenfalls durch Saudi-Arabien oder den Irak transportieren, wobei das Verhältnis zum Irak ebenfalls nicht unbelastet ist. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben zwar einen Hafen im Osten des Landes, mit dem die engste Stelle der Strasse von Hormus umgangen werden könnte. Dieser Hafen befindet sich aber immer noch in Reichweite von iranischen Drohnen und Raketen.

Mit Alternativrouten: Was würde das für den Iran bedeuten?

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Man geht bei diesen Projekten von einem Zeithorizont von etwa fünf Jahren aus. Das heisst, unmittelbar würde sich für den Iran noch nichts ändern. Langfristig ist aber klar: Je mehr funktionierende Alternativen es zur Strasse von Hormus gibt, desto schwächer wird das iranische Druckmittel auf die Öl- und Gaspreise und somit auch der Einfluss des Landes in der Region. Das könnte die iranische Strategie natürlich beeinflussen, zumal die wichtigsten Häfen des Irans blockiert bleiben dürften.

Allerdings verfügt der Iran ganz im Osten, nahe der pakistanischen Grenze und weit weg von der Strasse von Hormus, über einen weiteren Tiefseehafen. Über diesen könnte das Land an den Sanktionen vorbei Handel treiben, sei es mit Öl, Gas oder Düngemittel. Das politische Druckmittel des Irans würde also sicherlich schwächer, aber das Land wäre weiterhin in der Lage, Handel zu treiben.

Könnten ausreichend Transportkapazitäten geschaffen werden?

Wirtschaftlich rechnet sich wohl keine dieser Alternativen wirklich. Der Handel über das Meer ist mit Abstand der billigste Transportweg; Strassen oder Schienen kommen da nicht ansatzweise heran. Auch Pipelines, die über tausende Kilometer an einen anderen Hafen führen, verlangsamen und verteuern den Handel erheblich. Hinzu kommt, dass pro Pipeline immer nur ein Produkt transportiert werden kann. Man bräuchte also separate Pipelines für Öl, Flüssiggas und Düngemittel.

Echo der Zeit, 22.7.2026, 18 Uhr ; 

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