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Ein Dankeschön an den US-Präsidenten
Aus SRF 4 News aktuell vom 17.06.2019.
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Israel ehrt US-Präsident «Trump-Höhen sind eher Show als wirkliche Siedlungspläne»

Die israelische Regierung hat am Sonntag eine neue Siedlung auf den annektierten Golanhöhen nach US-Präsident Donald Trump benannt und feierlich eingeweiht. Es ist ein Dankeschön an Trump – dafür, dass er die Golanhöhen als israelisches Staatsgebiet anerkannt hat. Doch die eingeweihte Siedlung besteht aus nicht mehr als einer Tafel, wie Nahost-Korrespondentin Susanne Brunner erklärt.

Susanne Brunner

Susanne Brunner

SRF-Nahost-Korrespondentin

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Für SRF ist Susanne Brunner seit Frühling 2018 als Korrespondentin im Nahen Osten. Sie wuchs in Kanada, Schottland, Deutschland und in der Schweiz auf. In Ottawa studierte sie Journalismus. Bei Radio SRF war sie zuerst Redaktorin und Moderatorin bei Radio SRF 3. Dann ging sie als Korrespondentin nach San Francisco und war nach ihrer Rückkehr Korrespondentin in der Westschweiz. Sie moderierte auch das «Tagesgespräch» von Radio SRF 1. Zudem hat Susanne Brunner bei «10vor10» Fernseherfahrung gesammelt.

SRF: Was ist das denn für ein Ort, die Trump-Höhen?

Susanne Brunner: Es ist – noch – keine Ortschaft. Es ist nur eine Tafel. Sie steht fast schon mitten im Nichts. Die nächste Ortschaft auf dem Golan heisst Kela Alon und hat knapp 300 Einwohner. «Ramat Trump» – übersetzt «Trump Höhen» – hat keinen einzigen Einwohner. Es steht kein Haus da, es gibt nicht einmal Baupläne für die Siedlung, und es wurde bis jetzt auch kein Geld gesprochen. Und, vielleicht am wichtigsten: Der Entscheid, eine Siedlung namens «Trump-Höhen» dort zu bauen, wo die Tafel steht, ist noch nicht einmal definitiv.

Die Zeremonie wirkte, wie wenn unsere Verkehrsministerin vor einem Berg ein rotes Band durchschneiden würde, wo es noch nicht einmal ein Loch gibt und auch keine Tunnelbaupläne.

Warum hat man denn die Ortschaft nach Trump benannt? Ist das reine Symbolpolitik?

Die Partei der Blau-Weissen, die in den letzten Wahlen gegen Netanjahus Likud-Partei angetreten ist, spricht von «Israbluff».

Was ist mit «Israbluff» gemeint?

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Den Begriff «Israbluff» hat ein israelisches Komiker-Trio geprägt. In einem Sketch dieses Trios bewirbt sich ein Mann als Kurier bei der fiktiven Israbank. Die Chefs wollen ihm den geforderten Lohn nicht bezahlen und versuchen ihn stattdessen mit völlig Unbrauchbarem zu ködern – zum Beispiel mit einem Budget für professionelles Lesematerial, obwohl der Bewerber gar nicht lesen kann, oder mit einem Auto, obwohl der Mann Fahrrad fährt.

Das Wort «Israbluff» kann sich auf einen Schwindel oder einen Betrug beziehen – oder aber auf eine Person, welche Versprechungen macht, die sie nicht halten kann oder will, um ein persönliches Ziel zu erreichen.

Diese Zeremonie ist wohl ein gefundenes Fressen für die israelischen Komiker und Karikaturisten. Denn: Hier ging es nur darum zu markieren: Der Golan gehört uns. Die Zeremonie selbst wirkte aber, wie wenn unsere Verkehrsministerin vor einem Berg ein rotes Band durchschneiden würde, wo es noch nicht einmal ein Loch gibt und auch keine Tunnelbaupläne.

Video
Netanjahu tauft eine neue Siedlung auf den Golanhöhen auf «Ramat Trump»
Aus News-Clip vom 16.06.2019.
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Wie waren denn die Reaktionen in Israel auf diese neue Siedlung?

Natürlich gibt es in der israelischen Bevölkerung Kreise, die diesen symbolischen Akt ernst nehmen und wichtig finden. Dass Trump die Golanhöhen als israelisches Staatsgebiet anerkannt hat und sich damit um internationales Völkerrecht foutiert, finden sie grossartig. Es sind die gleichen Kreise, die auch den Aussagen des US-Botschafters David Friedeman zu Israel applaudieren, wonach Israel mindestens einen Teil der West Bank annektieren dürfe. Und dann gibt es eben auch diejenigen, die Witze darüber machen.

Was die Zeremonie so speziell macht: Israel hat im Moment kein funktionierendes Parlament – es wurde im Hinblick auf Neuwahlen aufgelöst. Erst das neue Parlament kann entscheiden, ob «Trump Heights» wirklich eine Siedlung wird oder eine Tafel bleibt.

Die Aufregung über die Zeremonie hält sich in Grenzen: Auch die Araber wissen, dass dies eher Show ist als der Anfang einer neuen Siedlung.

Die Golanhöhen sind aber von grosser symbolischer Bedeutung in der Region. Wird die Trump-Siedlung dort denn als Provokation wahrgenommen?

Die viel grössere Provokation war die Ankündigung von Trump, dass er die Golanhöhen als israelisches Staatsgebiet betrachtet. Syrien betrachtet die Golanhöhen als sein Staatsgebiet, und auch wenn viele arabische Staatsoberhäupter das Heu nicht auf der gleichen Bühne haben wie Syriens Präsident Bashar al Assad – sie regten sich auf, weil die USA sich benehmen, als würde die Region ihnen gehören und sie bestimmen könnten. Im Fall dieser Zeremonie hält sich die Aufregung aber in Grenzen: Auch die Araber wissen, dass dies eher Show ist als der Anfang einer neuen Siedlung.

Das Interview führte Raphaël Günther.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Fürer  (Hans F.)
    Ein unglaublich lächerlicher Versuch zu provozieren. Und wer denkt, die Golanhöhen sollen nun definitiv zu Israel gehören, müsste erst einmal ein bisschen internationales Völkerrecht studieren.
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  • Kommentar von Erwin Jenni  (ej)
    Ja, das war wohl nicht der geschickteste Schachzug von Netanjahu, aber die Golanhöhen waren und sind strategisch so wichtige Gebiete, dass Israel sie nie zurückgeben kann, auch wenn sie wollten. Es ist schon interesannt, was Schlagzeilen macht und was nicht. War Frau Brunner auch einmal in den pal. Gebieten um zu recherchieren, wieviele Strassenzüge und bedeutende Plätze nach Selbstmordattetätern benannt worden sind?
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  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Ich bin auch dafuer, aber den Ort dem US Praesidenten zu widmen, kostet Israel Sympathien..., auch meine!
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