Zum Inhalt springen

Header

Audio
Sind die USA gegen das Virus gerüstet?
Aus Echo der Zeit vom 27.02.2020.
abspielen. Laufzeit 04:13 Minuten.
Inhalt

Ist die Wiederwahl gefährdet? Das Coronavirus versetzt auch Trump in Unruhe

Wir sind bereit und bestens vorbereitet, behauptete US-Präsident Donald Trump in den letzten Tagen unablässig. Das Risiko sei sehr klein und einen allfälligen Ausbruch werde man rasch in den Griff bekommen – im April sei wohl alles bereits wieder vorbei, weil es dann ja wieder wärmer sei, so Trump. Deshalb sei es unverantwortlich, wie die Medien derzeit Panik schürten.

Trumps Absicht ist offenkundig. Die demonstrative Gelassenheit, mit der er auf die drohende Ausbreitung des Coronavirus reagiert, soll beruhigen – vor allem die Unternehmen, die Investoren und nicht zuletzt die Konsumentinnen. Der US-Präsident weiss: Ein wirtschaftlicher Einbruch im Wahljahr könnte ihm schaden, denn die tiefe Arbeitslosigkeit ist sein bestes Argument für eine Wiederwahl.

«Wir haben alles im Griff»

Dass er Vizepräsident Mike Pence zum Coronavirus-Zaren ernannt hat, entspringt der gleichen Logik. Pence, ein krisenerprobter ehemaliger Gouverneur, kümmert sich darum, ihr könnt beruhigt sein, wir haben alles im Griff.

Tatsächlich ist es wichtig, dass es im Weissen Haus eine zentrale Figur für die Koordination gibt. Denn in die Bekämpfung einer Pandemie sind viele unterschiedliche Amtsstellen, Behörden und Organisationen involviert. Zudem müssen die Arbeiten des Bundes mit den Städten und Bundesstaaten abgestimmt werden.

Systematisch Strukturen sabotiert

Ob die US-Regierung mit der Ernennung von Pence zum Chef-Koordinatoren aber ausreichend auf einen grossflächigen Ausbruch des Coronavirus vorbereitet ist, muss angezweifelt werden. Denn Trump hat während seiner Amtszeit systematisch die früher bestehenden Strukturen zur Bekämpfung einer Pandemie geschwächt. Budgetkürzungen und Entlassungen haben vor allem das zuständige Zentrum für Seuchenbekämpfung und -prävention hart getroffen.

2019 wurde ein Programm um 80 Prozent gekürzt, das in fast 50 Entwicklungsländern lokale Institutionen in der Früherkennung von Krankheitserregern geschult hat, die vom Tier auf den Menschen überspringen können. Die Idee dahinter: Ausbrüche von Infektionskrankheiten frühzeitig stoppen, bevor sie die USA überhaupt erreichen können.

Viel Fachwissen ist verloren gegangen

Weit gravierender ist jedoch, dass Trump vor einem Jahr das gesamte Führungsteam entlassen hat, das für die Pandemie-Bekämpfung zuständig war. Auf einen Schlag ist damit viel Fachwissen und Erfahrung verloren gegangen. Auch die entsprechenden Management-Strukturen im Weissen Haus wurden abgeschafft. Diese wurden von Barack Obama im Zuge des damals beunruhigenden Ausbruchs von Ebola geschaffen. Zu teuer, brauchen wir nicht, begründete das Weisse Haus die Entlassungen.

Es gibt unzählige weitere Fälle in anderen Ministerien, bei denen die Trump-Regierung aus kurzfristigem Denken und getrieben von einer Verachtung für Fachleute und Wissenschaftler Programme gestoppt und bestehende Strukturen sabotiert hat. Vor allem, wenn sie von seinem populären Vorgänger initiiert wurden. In vielen staatlichen Institutionen wurden international anerkannte Fachleute durch loyale Gefolgsleute ersetzt.

Das Vorgehen Trumps im Verwaltungsapparat hat jeweils kaum für Schlagzeilen gesorgt. Nun aber könnten sich die Auswirkungen im Falle einer Coronavirus-Pandemie in den kommenden Wochen schmerzlich offenbaren.

Echo der Zeit, 27.2.2020, 18:00 Uhr; gfem

Matthias Kündig

Matthias Kündig

USA-Korrespondent, SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Matthias Kündig berichtet seit Herbst 2018 aus Miami über die USA, Mexiko, Zentralamerika und die Karibik. Davor war er Produzent beim «Echo der Zeit» und Sonderkorrespondent in Ägypten. Kündig studierte an der Universität Bern Geschichte und Politologie.

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

53 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hanspeter Flueckiger  (Hpf)
    jetzt muss sogar das Corona-Virus herhalten, um eine mögliche Wiederwahl Trumps madig zu reden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Thomas Bünzli  (Tumasch)
      …. und wenn er dann ( hoffentlich! ) nicht gewählt wird, dürfen dann Sie dem Virus die Schuld geben ( oder den bösen Medien oder den bösen Demokraten oder sonst irgend ein Böser ) - Hauptsache, ein Schuldiger, damit man von der schlechten Führung ablenken kann ...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Thomas Bünzli: Wenn er nicht wiedergewählt wird ist o.k. Die Frage ist nur wer sein Nachfolger/seine Nachfolgerin wird. Wenn dies Bernie Sanders ist, der im Moment bei den Demokraten führend ist, fallen wir gleich von einem Extrem ins andere.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Haller Hans  (H.Haller)
      Herr Thomas Bünzli, wenn Leute so wie Sie es tun weitermachen, wird Trump tatsächlich wieder gewählt. Schauen und konsumieren Sie halt einfach auch mal andere, seriöse Medien, die noch nicht vom Trump-Derangement-Syndrom(-Virus) leiden. (smile)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Eckhart Wildi  (Seagul)
    Makaber, aber es gibt eine passende Analogie aus H.G. Wells «War of the Worlds» die zum Nachdenken anregt, weil arrogante, durchgeknallte Populisten über kurz oder lang immer die Realität verpassen: «Slain, after all man’s devices had failed, by the humblest things that God, in his wisdom, has put on earth”.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Andreas Hug  (AndiHug)
    ohjaa. jetzt wird natürlich wieder herr trump negativ hingestellt. das macht man ja gerne. aber wenn er die börse auf höchstwerte führt, ist er natürlich auch nicht dafür verantwortlich. was negativ ist wird ihm angelastet und was positiv ist wird versucht klein zu reden. sogar wird wieder gehofft, dass die wiederwahl gefärdet ist. ausserdem wenn man sich die zahlen auf der erde anschaut, kann da etwas nicht stimmen. es sollen rund 83`000 sein. meiner meinung nach sind es sicher 3-4 mal mehr.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Die Börse macht was was sie will, der Präsident ist jeweils passiver Zuschauer. Verlangt Applaus wenn es gut läuft und macht den Vorgänger verantwortlich wenn's nicht gut läuft, das war schon immer so. Der präsidiale Einfluss wird chronisch überschätzt. Er führt die Börse ziemlich nirgendwo hin, sonst würde ja der Corona gar keinen Einfluss haben, wenn er führen würde.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen