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Mini-Lockerung des rigiden Shutdowns in Italien
Aus SRF 4 News aktuell vom 01.04.2020.
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Italien lockert Ausgangssperre Ein bisschen Freiheit für die Kleinsten

Die Regierung in Rom verlängert den strengen Shutdown. Kinder dürfen die Wohnung aber wieder verlassen.

Italien wurde als erstes europäisches Land von der Corona-Epidemie getroffen. Die Bilder von ausgestorbenen Flaniermeilen in Bergamo und Mailand wirkten anfänglich unwirklich und weit weg. Bald darauf wurde auch in der Schweiz das öffentliche Leben heruntergefahren.

Allerdings: Der Shutdown in Italien dauert nicht nur länger als hierzulande, er ist auch ungleich härter ausgestaltet. Bella Italia ist ein Sperrgebiet. Seit dem 10. März dürfen sich die Menschen im Land nicht mehr frei bewegen. Schulen sind zu, viele Fabriken ebenfalls.

Italinier mit Hund am Strand
Legende: Das Haus verlassen darf man nur für Arztbesuche und zum Einkaufen. Oder, um alleine joggen zu gehen oder den Hund Gassi zu führen. Für den Weg zur Arbeit braucht es eine Bescheinigung. Reuters

In dieser belastenden Situation spenden die Zwillinge Mirko und Valerio Trost an die Nation; aus dem Hausarrest spielen sie auf ihren Violinen. Ihre Version des Coldplay-Songs «Viva La Vida» rührte das ganze Land zu Tränen.

Doch gerade für die Kleinsten ist die soziale Isolation eine besondere Belastung. Dem ist sich auch die Regierung in Rom bewusst. Zwar hat sie den Shutdown eben erst bis Mitte April verlängert. Kinder dürfen die Wohnung aber wieder verlassen – unter gewissen Bedingungen. «Ab heute gilt die Regelung, dass ein Elternteil mit einem minderjährigen Kind ums Haus spazieren darf», berichtet SRF-Korrespondent Franco Battel.

Parkanlagen und Spielplätze bleiben aber geschlossen und auch Ansammlungen von Kindern bleiben verboten. Ein kurzer Spaziergang klingt erst einmal nicht nach dem ersehnten Befreiungsschlag. Etwas Linderung dürfte die Massnahme aber Kindern verschaffen, die in beengten Mietwohnungen mit mehreren Familienmitgliedern leben.

Beerdigungszeremonie für Covid19-Opfer.
Legende: Die Schreckensmeldungen aus Italien dauern an: Mehr als 12'000 Menschen sind inzwischen an der Covid-19-Krankheit gestorben, allein am Dienstag gab es über 800 Tote zu beklagen. Reuters

Diesen Problemen möchte die Regierung nun mit der gemässigten Lockerung entgegenwirken. «Denn oft sind es die Kleinsten, die nicht verstehen, warum sie zu Hause eingeschlossen sind», sagt Battel.

Wenn die Eltern die Lockerung zum Vorwand nehmen, sich mit anderen Eltern und ihren Kindern zu treffen, dann wäre das gefährlich.
Autor: Franco BattelSRF-Korrespondent in Italien

Derweil gibt es Befürchtungen, dass jede noch so kleine Öffnung die Ausbreitung des Virus erneut befeuern könnte. Die Regionalregierungen der Lombardei und von Kampanien protestierten gegen die Mini-Lockerung.

Wirtschaftlicher Totalschaden droht

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Wirtschaftlicher Totalschaden droht
Legende:Wirtschaftsminister Gualtieri (rechts) mit Premier Giuseppe Conte

Dem von der Corona-Krise besonders betroffenen Italien droht in diesem Jahr der Absturz in eine schwere Rezession. Der Wirtschaftsverband Confindustria rechnet mit einem Einbruch des Bruttoinlandsproduktes von sechs Prozent. «Leider sind die Schätzungen realistisch», sagte Wirtschaftsminister Roberto Gualtieri.

Italien liegt nicht nur wirtschaftlich am Boden, sondern ist auch mit einem hohen Schuldenberg belastet. Die Staatsschulden machen etwa 136 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus und dürften in der Krise weiter steigen. (reuters)

Der Korrespondent in Rom kann die Ängste verstehen. «Es kommt aber auf die Umsetzung an.» Wenn die Leute mit ihrem Kind wirklich nur ums Haus spazieren würden, sei die Gefahr klein. Schliesslich lebten die Eltern auch zu Hause eng mit ihren Kindern zusammen – so empfiehlt auch das Schweizer Bundesamt für Gesundheit, dass man sich im öffentlichen Raum nur mit Angehörigen des eigenen Haushalts bewegen soll.

Nervenprobe dauert an

Doch Battel warnt: «Wenn die Eltern die Lockerung zum Vorwand nehmen, sich mit anderen Eltern und ihren Kindern zu treffen, dann wäre das gefährlich.» Gemäss den neuen Weisungen ist das aber strikt verboten.

Zuwiderhandlungen werden sanktioniert, und die Polizei markiert Präsenz: «Kaum verlässt man das Haus für einen Einkauf, sieht man einen Polizeiwagen», berichtet der Korrespondent aus eigener Erfahrung.

Trotz zuletzt sinkender Infektionszahlen wird damit gerechnet, dass der Shutdown auch nach Ostern bestehen bleibt. Die Nervenprobe für Mirko, Valerio und Millionen weitere italienische Kinder dauert also bis auf Weiteres an.

SRF 4 News vom 01.04.2020, 8:45 Uhr;

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Haller Hans  (H.Haller)
    Die Tabelle da mag ja schön sein, hat aber nur eine sehr begrenzte Aussagekraft und eignet sich sicherlich nicht für relevante Vergleiche anstellen zu können. Man sollte das auch mal ausdrücklich erwähnen. Wir befinden uns in einem Ongoning-Process mit vielen Unbekannten. Selbst Modellrechnungen bringen nur ein Ergebnis nach Modell-Annahmen. Ob die dann zur Realität passen, ist doch noch sehr fraglich.
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  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Immer strengere Massnahmen sind vor allem ein Ausdruck der Verzweiflung weil selbst einfache Massnahmen von der Bevölkerung scheinbar nur halbherzig umgesetzt werden. Zudem dauert es bis zu 14 Tage bis Massnahmen greifen. Politiker sind halt versucht in dieser Zeit noch immer schärfere Massnahmen einzuführen. Blinder Aktionismus
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    1. Antwort von Martin Egger  (Martin Egger)
      Ich bin froh, dass die Politiker langsam merken, dass es genug ist. Das beweist das Beispiel aus Italien. Die Massnahmen wurden "nur" bis zum 13. April verlängert.
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