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Wie stehen die Chancen für Trumps Plan?
Aus Tagesschau vom 28.01.2020.
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«Jahrhundert-Deal» aus den USA Frieden im Nahen Osten lässt sich nicht kaufen

Schon nach seinem Wahlsieg vor mehr als drei Jahren hatte US-Präsident Donald Trump einen Nahost-Plan angekündigt, nun wurde er präsentiert. Zusammen mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprechen die USA von einem «Jahrhundert-Deal», einem historischen Friedensplan. Doch wie schätzen die SRF-Korrespondenten in Beirut und in Washington den Lösungsvorschlag ein?

Pascal Weber

Pascal Weber

Nahost-Korrespondent, SRF

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Seit 1999 arbeitet Weber für SRF. Als Redaktor und Produzent war er zunächst in der Sportredaktion tätig, danach bei «10vor10». Seit September 2010 ist er Korrespondent im Nahen Osten. Folgen Sie ihm auf Twitter, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Peter Düggeli

Peter Düggeli

USA-Korrespondent, SRF

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SRF-Korrespondent Peter Düggeli arbeitet seit Sommer 2015 in Washington. Er ist seit 2010 bei SRF. Düggeli studierte an der Universität Freiburg Geschichte und Englisch und schloss sein Studium 1999 mit einem Lizenziat ab.

SRF: Trump spricht sich für eine Zweistaatenlösung aus – also für ein Nebeneinander von Israel und den Palästinensern. Weshalb nun die heftigen Reaktionen von palästinensischer Seite, Pascal Weber? (derzeit in Bern, Anm. d. R.)

Pascal Weber: Weil sich die Palästinenser aussen vor gelassen vorkommen. US-Präsident Trump präsentiert einen Friedensplan für den Nahen Osten, neben ihm steht der israelische Premierminister Netanjahu – aber kein Palästinenser. Im Saal befinden sich mehrheitlich pro-israelische Zuhörer. Dieser Zuhörerschaft ruft Trump gleich zu Beginn der Rede in Erinnerung, was er alles bereits für Israel getan hat, beispielsweise die Hauptstadtfrage um Jerusalem oder die Anerkennung der Golan-Höhen als Teil von Israel. Das ist nur das Atmosphärische, aber für die Palästinenser spiegelt dieses Atmosphärische eben auch das Inhaltliche.

Die Palästinenser haben Angst, in diesem Deal verkauft und verraten zu werden.
Autor: Pascal WeberSRF-Korrespondent in Beirut

Inhaltlich bleibt Trump bei der Vorstellung des Deals zwar wage, er stellt durchaus auch den Palästinensern einiges in Aussicht. Er verspricht aber den Israeli noch viel mehr. Deshalb haben die Palästinenser Angst, in diesem Deal verkauft und verraten zu werden.

Peter Düggeli, wie interpretieren Sie aus amerikanischer Sicht den Plan?

Peter Düggeli: Pascal Weber hat es bereits angetönt. Ich glaube, man kann wirklich sagen, dass Trump in diesem Konflikt seit Beginn seiner Präsidentschaft stets eine klare israelische Haltung vertreten hat. Das macht es wohl auch so schwierig für diesen Friedensplan. Die Atmosphäre, die von der Administration Trump ausgeht, von den Leuten in seinem Umfeld – darunter Schwiegersohn Jared Kushner – sie lässt annehmen: Man geht offenbar davon aus, dass die Palästinenser in einer schwachen Situation sind, sie zunehmend schwächer werden könnte.

Wenn es um politische oder historische Fragen geht, um Identität, dann sind Geldzahlungen wohl nicht das Entscheidenste.
Autor: Peter DüggeliSRF-Korrespondent in Washington

Zudem geht man davon aus, dass man mit Geld und wirtschaftlicher Hilfe sehr viel erreichen kann. Ich denke aber, das wird sehr schwierig werden – denn wenn es um politische oder historische Fragen geht, um Identität, dann sind Geldzahlungen wohl nicht das Entscheidende.

Pascal Weber, hat der Plan überhaupt eine Chance?

Pascal Weber: Nein. Wie Peter Düggeli soeben gesagt hat: Man kann Frieden im Nahen Osten nicht kaufen. Trump hat zwar auch den Israeli einige durchaus bedeutende Konzessionen abgerungen, aber den Palästinensern eben noch viel mehr. Sie sollen zwar eine Hauptstadt ebenfalls in Ostjerusalem erhalten. Damit ist aber nicht Jerusalem selbst gemeint, sondern Abu Dis, eine Stadt ausserhalb von Jerusalem – also nicht da, wo die Al-Aqsa-Moschee steht.

Die Palästinenser werden zwar unter grossen Druck kommen. Aber am Ende werden sie diesem Deal, so wie er jetzt da steht, kaum zustimmen können.
Autor: Pascal WeberSRF-Korrespondent in Beirut

Weiter sollen etwa die grossen Siedlungsblöcke in der Westbank unter israelischer Autorität bleiben. Die Palästinenser werden zwar unter grossen Druck kommen – auch von anderen arabischen Staaten – aber am Ende werden die Palästinenser diesem Deal, so wie er jetzt da steht, kaum zustimmen können.

Das Gespräch führte Cornelia Boesch.

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Trump stellt «Deal des Jahrhunderts» im Nahostkonflikt vor
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12 Kommentare

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  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Die Wurzel allen Übels in dem Gebiet ist doch die Religion. Neugründung des Staates Israels als Säkularer Staat und ein Verbot von Religionsausübung in der Öffentlichkeit und Politik würde die Türen zum Frieden öffnen.
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  • Kommentar von Enrico Dandolo  (Doge)
    Die palestinensische Führung hat leider in Vergangenheit jede Chance verbockt, indem sie das Existenzrecht Israels stets aberkannte. Und jedesmal wurde der angebotene Deal etwas schlechter. Dieser ist tatsächlich nur noch eine Farce. Als nächstes bekommen sie wohl Land auf dem Mittelmeer und dazu Luftmatratzen geschenkt.
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  • Kommentar von Reto Derungs  (rede)
    Es ist eigentlich noch verblüffend, dass keiner der beiden Korrespondenten erwähnt, dass die Palästinenser das Existenzrecht Israels nicht anerkennen. Israel hat immer signalisiert, dass sie den Palästinensern einen Staat zugestehen, solange die Sicherheit Israels garantiert ist. Dieser Deal von Trump wäre sicher eine Diskussionsgrundlage, aber wenn die eine Seite (Palästinenser) keine Gesprächsbereitschaft zeigt wird es schwierig.....
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    1. Antwort von Thomas F. Koch  (dopp.ex)
      und wenn die andere Seite (USA und Israel) in der Ausarbeitung des Deals keinen echten Verhandlungswillen zeigen, sondern die "Vogel friss oder stirb" Keule auspacken, bleibt es eben schwierig von beiden Seiten.
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