Zum Inhalt springen

Header

Video
Kamala Harris gibt Rückzug bekannt
Aus Newsflash vom 03.12.2019.
abspielen
Inhalt

Kamala Harris gibt auf Das Geld ist nur eine Ausrede

Der Anfang war furios: In einer TV-Debatte Ende Juni griff Kamala Harris den Top-Favoriten Joe Biden clever an. Es ging um Bidens Umgang mit der Rassentrennung an US-Schulen in den 70er-Jahren. Die Attacke war emotional und kraftvoll. Harris wurde danach als Gewinnerin der Debatte gefeiert. Die erste dunkelhäutige Präsidentin? Es schien durchaus möglich.

Gut fünf Monate später gibt Harris auf, noch lange bevor im Februar die ersten Stimmen gezählt werden. Was ist passiert? Ihre Begründung: Sie sei keine Milliardärin und könne nicht genügend Geld für den Wahlkampf sammeln. Tatsächlich verschlingt ein US-Wahlkampf Unsummen. Aber bei der früheren Staatsanwältin Kamala Harris ist das fehlende Geld nur ein Symptom für tieferliegende Probleme.

Erinnerungen an Hillary Clinton

Harris gelang es nicht, den Schwung aus der TV-Debatte im Juni auszunutzen. Bei den nachfolgenden Auftritten wirkte sie nicht annähernd so überzeugend. Und es war nicht immer klar erkennbar, wo sie politisch steht.

Beim dominierenden Thema des demokratischen Vorwahlkampfs, dem Gesundheitswesen, wechselte sie plötzlich die Meinung. Das liess Erinnerungen an Hillary Clinton aufkommen. Auch bei Clinton hatte man damals oft den Eindruck, dass sie jede ihrer Äusserungen zuerst mit einer Umfrage auf ihre Beliebtheit teste. Bei der demokratischen Basis wünschen sich manche Wähler vor allem Authentizität, Ehrlichkeit und eine klare Vision. Das ging Harris zunehmend ab.

Reichtum als Startvorteil

Harris gelang es in der Folge nicht, eine euphorische, breite Fanbasis aufzubauen. Selbst in ihrem Heimatstaat Kalifornien hätte ihr womöglich eine Niederlage gedroht. Deshalb blieben auch die Spenden aus. Und ohne Geld, da hat Harris recht, ist im US-Wahlkampf nichts zu gewinnen.

Da haben es andere leichter. Michael Bloomberg, Multi-Milliardär und ehemaliger Bürgermeister von New York, hat bereits 57 Millionen Dollar in TV-Werbung investiert, seit er vor ein paar Tagen ins Rennen gestiegen ist. Er wolle sich die Nomination mit seinem Vermögen erkaufen, lautet der verständliche Vorwurf anderer Kandidaten.

Mögliche Vize-Kandidatin

Doch Geld allein reicht nicht. Das zeigt das Beispiel von Tom Steyer, ebenfalls Milliardär. Obwohl er seit Monaten auf allen Kanälen teure Werbung schalten lässt, kommt seine Kandidatur nicht vom Fleck. Charisma, Glaubwürdigkeit und Erfolg lassen sich auch mit viel Werbung nicht einfach erkaufen.

Kamala Harris hat die Reissleine gezogen, doch ganz wird ihr Name nicht aus dem Rennen verschwinden. Denn die verbleibenden Kandidaten könnten sie als mögliche Vize-Kandidatin im Auge behalten. Dunkelhäutig und weiblich - für die verbleibenden, vornehmlich männlichen und weissen Kandidaten wäre sie womöglich eine interessante Ergänzung.

Thomas von Grünigen

Thomas von Grünigen

USA-Korrespondent, SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Thomas von Grünigen ist seit Januar 2015 SRF-Korrespondent in New York. Er hat an den Universitäten Bern und Freiburg sowie an der American University in Washington DC Medien- und Kommunikationswissenschaft, Journalistik und Anglistik studiert und in Freiburg mit einem Master of Arts erfolgreich abgeschlossen. Seit 2006 arbeitet er für SRF.

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.