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«Es wäre sinnvoller, nicht abzuholzen statt aufzuforsten»
Aus Echo der Zeit vom 26.01.2020.
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Kampf gegen Abholzung «Aufzuforsten braucht Zeit»

Die Industrienationen scheinen sich im Kampf gegen die Klimakrise auf einen Nenner zu verständigen: Massiv aufzuforsten. Ist diese Massnahme aber effizient? Ein Experte schätzt ein.

Lasst uns weltweit eine Billion Bäume pflanzen. Diese Initiative haben die Organisatoren am Weltwirtschaftsforum in Davos lanciert und sind auf fruchtbaren Boden gestossen. Mit dieser Massnahme wollen Staaten und Organisationen die Klimakrise eindämmen. SRF News hat die Idee genauer unter die Lupe genommen und den Experten Andreas Rigling dazu befragt.

Andreas Rigling

Andreas Rigling

Forstexperte

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Andreas Rigling , Link öffnet in einem neuen Fensterist für die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) tätig.

SRF News: Andreas Rigling, ist Bäume pflanzen die neue Wunderwaffe im Kampf gegen die Klimakrise?

Andreas Rigling: Bäume zu pflanzen ist eine Massnahme, aber sicher nicht die Einzige. Wenn wir Aufforstung ausführen wollen, ist es wichtig, gewisse Rahmenbedingungen zu beachten. Es muss sich um Neuwaldflächen handeln – also Flächen, die heute nicht Wald sind. Landwirtschaftsgebiete beispielsweise. Zudem braucht es Jahrzehnte, bis junge Wälder effizient CO2 binden. Ausserdem wissen wir, dass Wälder erst nach Jahrzehnten oder Jahrhunderten ihr Maximum erreichen.

Zudem braucht es Jahrzehnte, bis junge Wälder effizient CO2 binden.

Somit müssen die neuen Waldflächen lange erhalten bleiben und dürfen nur nachhaltig bewirtschaftet werden. Das bedarf einer effizienten Kontrolle über Jahrzehnte, denn holzen wir diese Wälder wieder ab, gelangt der Kohlenstoff wieder in die Atmosphäre und wir hätten nicht viel gewonnen.

Es handelt sich um eine langfristige Angelegenheit und kommt zu spät?

Wir dürfen beim Thema Geschwindigkeit nicht zu viel erwarten. Wenn Sie sich einen kleinen Baum vorstellen, ist nicht viel Holz dran. Hingegen ist in einer hundertjährigen Buche massiv an Kohlenstoff gebunden. Aufzuforsten ist nicht sinnlos, es braucht aber Zeit.

Die ETH Zürich sorgte mit einer Studie für Aufsehen. Die Hochschule kam zum Schluss, dass Bäume pflanzen die effizienteste Massnahme sei gegen die Klimakrise. Kein anderes Mittel könne so viel CO2 aus der Atmosphäre ziehen. Liegen die Studienverfasser falsch?

Die Schlussfolgerung ist nicht falsch, aber theoretisch. Sie zeigt das Potenzial einer zusätzlichen Kohlenstoffbindung durch Aufforstungen. Aber wir können nicht überall aufforsten, wo kein Wald ist. Entweder ist es natürlicherweise zu nass oder zu trocken für Wald oder die Landfläche dient anderen Zwecken für Siedlungen oder für die Landwirtschaft. Aus Sicht der Biodiversität oder des Landschaftsbildes ist es nicht unbedingt sinnvoll, überall aufzuforsten.

Erste Priorität muss es sein, die Regenwälder nicht massiv abzuholen.
Legende: Erste Priorität muss es sein, die Regenwälder nicht massiv abzuholen. Keystone

Also müssen wir dafür Sorge tragen, dass die alten Bäume so lange wie möglich leben. Erst in zweiter Priorität sollen wir Bäume pflanzen.

Exakt. Wir sprechen jetzt von grossangelegter Aufforstung und gleichzeitig wissen wir, dass der Regenwald und die Nadelwälder grossflächig gerodet werden. Das macht wenig Sinn. Es wäre viel sinnvoller, wenn wir die alten Systeme, also die alten Regenwälder, welche grosse Kohlenstoffpools sind, nicht abzuholzen und dadurch den Kohlenstoff in der Vegetation und im Boden zu halten.

Wenn wir Brasilien davon abhalten wollen, Regenwälder abzuholzen, muss der Westen und die Industrienationen auch unterstützen.

Stellen Aufforstungen der kleinste gemeinsame Nenner in der Politik dar?

Es ist einfacher zu realisieren. Wenn wir Brasilien abhalten wollen, Regenwälder abzuholzen, muss der Westen unterstützen. Das kostet Geld. Auf der anderen Seite kann man gleichzeitig kleine Initiativen lancieren. Jedes Land kann für sich solche Aufforstungsprogramme starten. Das braucht keinen politischen gemeinsamen Nennen und ist einfacher durchzusetzen.

Das Gespräch führte Simon Hulliger

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32 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Beim Abholzen des Amazonas-Regenwaldes, wird meist nur vom CO2 geschrieben. Dort entstehen aber auch ca. 20% des Sauerstoffs der Erde!
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    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      "Wälder, auch der Amazonas-Regenwald, absorbieren Kohlenstoffdioxid (CO2) aus der Atmosphäre und wandeln dieses CO2 mittels Photosynthese in Sauerstoff und Zucker um. Den Sauerstoff geben die Bäume an die Umgebung ab. Nachts, wenn kein Licht zur Verfügung steht, kehrt sich dieser Prozess um. In der Bilanz wird mehr CO2 verbraucht als produziert, der Wald speichert es. Doch der vom Regenwald produzierte Sauerstoffüberschuss ist verschwindend gering." (DW, Niklas Höhne, Uni Wageningen, NL)
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  • Kommentar von Tom Maier  (MaTo)
    Bäume pflanzen ist sinnvoll, ersetzt aber weder den abgeholzten Regenwald noch die notwendigen CO2 Reduktionen.
    Offensichtlich benutzen die Eliten diese Massnahme um auf möglichst einfache Art und Weise die Volkssehle zu beruhigen, mit dem angehemen Nebeneffekt auf anderen Schauplätzen weiter sauen zu können wie bisher.
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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    8 Milliarden Egos und jedes hat andere Interessen. Bäume sind immer in Erde und Wasser eingebettet. Der Boden kann einfach so verbrannt werden. Wenn wir alle Bodenflächen die fruchtbar sind um 1 Meter erhöhen mit Humus dann hat das einen riesigen Einfluss auf den CO2 Haushalt. Da muss man noch keinen Baum setzen. Aber wie erhöht man die Erdschichten. Und vorallem wie verbrennen wir sie. Der Wasserfussabdruck ist der beste Indikator um das zu versehen.
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