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Islamistenführer in der Sahelzone ausser Gefecht gesetzt
Aus SRF 4 News aktuell vom 16.09.2021.
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Kampf gegen Terrorismus Französisches Militär tötet IS-Anführer

  • Französische Streitkräfte haben nach Angaben von Präsident Emmanuel Macron einen der meistgesuchten Terroristen in der Sahel-Zone ausser Gefecht gesetzt. Das gab Macron auf Twitter bekannt.
  • Beim Getöteten handle es sich um den Anführer des sogenannten Islamischen Staates (IS) in der Sahelzone, Adnan Abou Walid al-Sahraoui.
  • Al-Sahraouis Gruppe hatte 2017 einen Anschlag auf US-Soldaten verübt. Im vergangenen Jahr hatte der Anführer persönlich die Ermordung von sechs französischen Entwicklungshelfern angeordnet.

Der Anführer der Terrorgruppe Islamischer Staat in der Sahelzone (ISGS), Adnan Abu Walid al-Sahrawi, sei «neutralisiert» worden, twitterte Macron. In der französischen Militärsprache bedeutet dies, dass der Gegner kampfunfähig gemacht oder getötet wurde. «Dies ist ein weiterer grosser Erfolg in unserem Kampf gegen terroristische Gruppen in der Sahelzone», schrieb Macron weiter.

Sahrawi stammte aus dem Magreb nördlich der Sahara, aufgewachsen ist er in Algerien. Seine Gruppierung ist seit sechs Jahren aktiv und gilt als die wichtigste Gruppe der Region mit Hunderten von Kämpfern. Der IS-Ableger wird vor allem für Anschläge im Gebiet zwischen dem Niger, Burkina Faso und Mali verantwortlich gemacht. Die Sahelzone, zu der auch der westafrikanische Krisenstaat Mali zählt, ist ein Gebiet, das sich südlich der Sahara vom Atlantik bis zum Roten Meer erstreckt. Hier sind etliche bewaffnete Gruppen aktiv, einige haben dem IS oder Al-Kaida die Treue geschworen.

Die französische Armee hatte bereits Ende Juli zwei führende Mitglieder eines IS-Ablegers in Mali ausser Gefecht gesetzt. Kurz zuvor hatte Macron eine Neuausrichtung der französischen Militärpräsenz in der Sahelzone angekündigt. Langfristig solle die Truppenstärke in der Region um mehr als 2000 Soldaten verringert werden. Aktuell sind etwa 5100 Soldaten im Anti-Terror-Einsatz «Barkhane» in Mali und vier weiteren Sahel-Staaten vertreten.

Einschätzung von Afrika-Korrespondent Samuel Burri

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Legende: Das französische Militär ist mit rund 5100 Soldaten im Anti-Terror-Einsatz «Barkhane» in Mali (Bild) und vier weiteren Sahel-Staaten vertreten. Keystone

«Adnan Abu Walid al-Sahrawi war wohl der meistgesuchte Islamistenführer in Westafrika. Die USA hatten ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt. Sahrawi soll bereits Ende August in Mali getötet worden sein, aber die Franzosen brauchten Wochen, um den Tod zu verifizieren. Dieser Schlag gegen die Islamisten ist für Frankreich symbolträchtig und gut fürs Prestige. Er kommt in einer Zeit, in der die Franzosen in der Sahelzone ratlos wirken und ihre Militärmission in der Kritik steht.

Dieses Jahr wurde bereits der Anführer von Boko Haram in Nigeria getötet. Auf den ersten Blick wirkt es so, als wären die Islamisten in Westafrika geschwächt. Doch der Boko-Haram-Führer wurde wohl bei internen Machtkämpfen getötet. Die Gewalt in der Region hat aber nicht abgenommen, vor allem in Burkina Faso werden fast täglich Dörfer angegriffen.

Das Hauptproblem in der Sahelzone ist, dass die Staaten schwach sind. Sie bieten ihren armen Bewohnern auf dem Land wenig Sicherheit und Perspektive. Das ist der Nährboden für Terrorismus. Denn wenn man einer bewaffneten Truppe beitritt, ist das zumindest ein sozialer Aufstieg. Eine Lösung ist schwierig zu finden – Militärhilfe ist blosse Symptombekämpfung. Die Staaten müssten gestärkt werden und den Jungen eine sichere und wirtschaftliche Perspektive bieten, doch das geht nicht von heute auf morgen.»

Der französische Präsident empfängt heute Donnerstag die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einem Arbeitstreffen im Elyséepalast in Paris. Beim gemeinsamen Abendessen soll es unter anderem auch um die Situation in der Sahelzone gehen, heisst es aus Elyséekreisen.

Auch die deutsche Bundeswehr ist bei zwei laufenden Einsätze mit insgesamt etwa 1200 Bundeswehrsoldaten in Mali. Am Mittwoch hatte sich die Bundesregierung besorgt über eine sich anbahnende Zusammenarbeit der Militärjunta in Mali mit Söldnern der russischen Militärfirma Wagner gezeigt. Zuvor hatte es schon ähnliche Warnungen aus Frankreich gegeben.

SRF 4 News, 16.09.2021, 03:00 Uhr;

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Willi Geissbühler  (WG)
    Marco Brunner: Was sind der IS anderes als Terroristen? Ich finde es gewagt von Ihnen zu bestreiten, dass der IS Terroristen sind. Merkwürdige Argumentation. Bei Ihnen sollte vielleicht mal der Staatsschutz aktiv werden. Wäre vielleicht mal ganz interessant zu erfahren, was der Marco Brunner so treibt.....
  • Kommentar von Monika Mitulla  (momi)
    Die Französischen und Deutschen Armeen sind nicht in Mali, um Frauenrechte und Demokratie zu schützen. Es geht um die Wahrung von Privilegien im Ölmarkt. Kolonialismus eben - versteckt hinter Parolen von Menschenrechten.
    Wollten die demokratischen Rechte geschützt werden, gäbe es genügend Hilfsorganisationen - und die arbeiten wahrscheinlich billiger, sicher aber effizienter als die Armeen.
    1. Antwort von Sylvain Baumann  (gems)
      Frau Mitulla
      Man geht nach Mali geht um den Terrorismus/IS zu bekämpfen. Die Frauenrechte und die Demokratie sind nicht erste Priorität. Und ein Mitglied des IS zu töten hat nichts mit dem Ölmarkt zu tun.
    2. Antwort von Monika Mitulla  (momi)
      @Sylvain Baumann
      Gäbe es keine fremden Soldaten und keinen Krieg im Land, gäbe es wahrscheinlich auch keinen Terrorismus - und analog, auch keine Terroristen. Fremde Soldaten bringen Krieg. Das war schon immer so.
      Gerne erinnere ich an ein Zitat des grossartigen und leider verstorbenen Peter Ustinov: "„Terrorismus ist der Krieg der Armen und der Krieg ist der Terrorismus der Reichen.“
    3. Antwort von Susanna Guggisberg  (Seeland0)
      Frau Mitulla, Sie denken also, wenn keine fremden Armeen in Mali wären, ginge es den Mädchen und Frauen besser? Zu Hilfsorgnisationen: die sind/waren vor Ort. Wie im Bericht zu lesen, wurden Mitglieder von Hilfsorganisationen ermordet.
    4. Antwort von Monika Mitulla  (momi)
      Ja, klar, Sie haben vollkommen Recht, Susanna Guggisberg und Sylvain Baumann. Terrorist bleibt Terrorist.
      Eine Frage aber bleibt trotzdem: Wäre es auch so weit gekommen, wenn die Franzosen und Deutschen anstatt Soldaten Hilfsgüter geschickt hätten? Ich denke, die Menschen haben alle, ob Muslime oder Christen die gleichen Sorgen und Wünsche: Essen, Wohnen, Gesundheit, Bildung, usw.
      Wie würden wir reagieren, wenn Soldaten aus Mali bei uns politisch und militärisch aktiv würden?
  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Und schon sind sie da, die Kommentare : das geht doch nicht einen Menschen direkt zu töten
    Aber was diese IS Verbrecher für Unheil anrichten, das wird zur Kenntnis genommen und schon vergessen Neokolonialismus kann so gesehen werden ist es aber nicht, IS muss dort bekämpft werden wo er in der greifbar ist
    Nicht warten bis er in Europa Schaden macht, dann ist zu spät
    1. Antwort von Monika Mitulla  (momi)
      Töten sie einen Rebellen, dann werden gleichzeitig viele neue rekrutiert.
    2. Antwort von Marco Brunner  (Gaistli)
      Frau Mitulla, Mitglieder des IS als Terroristen zu bezeichnen erachte ich als sehr gewagt.