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Migrantenzustrom auf den Kanaren: Die Wut der Einheimischen wächst
Aus SRF 4 News aktuell vom 02.02.2021.
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Kanarische Inseln Die spanische Migrationspolitik ist in der Zwickmühle

Corona hat die kanarischen Inseln vom Urlaubsparadies zum Migrations-Hotspot gemacht. Statt Touristen übernachten nun Flüchtlinge und Migranten in Hotels. Notgedrungen, weil es zu wenig Unterkünfte für sie gibt. Das stört die Kanarierinnen und Kanarier zusehends. Denn sie wissen nicht, wie sie ihre Miete bezahlen sollen. Für die spanische Rechtsaussenpartei Vox ist das der ideale Nährboden, um Fremdenfeindlichkeit zu schüren.

Doch weshalb lässt Madrid auf den Kanaren gewalttätige Übergriffe von lokalen Bürgerwehren auf Geflüchtete zu? Die linke Regierung von Pedro Sánchez könnte die Lage entschärfen, etwa Flüchtlinge auf das spanische Festland bringen oder schneller prüfen, wer ein Recht auf Asyl hat und wer nicht.

Weshalb handelt die spanische Regierung nicht?

Geht es um die Kanaren, dann steckt die spanische Regierung in einer Zwickmühle: Ein zweites Moria auf spanischem Boden wäre eine Blamage für Ministerpräsident Sánchez, der 2018 als eine seiner ersten Amtshandlungen das Flüchtlingsboot «Aquarius» aufnahm – damals ein symbolischer Paukenschlag.

Doch auf den Kanaren geht es für Sánchez um mehr als um ein paar hundert Flüchtlinge auf einem Boot, denn die spanische Inselgruppe vor der Nordwestküste Afrikas legt gerade einmal mehr die Schwachstellen der EU-Migrationspolitik offen. Die Kanaren drohen somit auch für die Europäische Union zur Blamage zu werden.

Was will die spanische Regierung?

Die angespannte Situation auf den Kanaren könnte alten spanischen Forderungen innerhalb der EU mehr Gewicht verleihen. Darauf hofft die Regierung Sánchez: Sie fordert nicht nur Geld von der EU, sondern will die europäische Migrationspolitik aktiv mitgestalten.

Spanien braucht eine langfristige Migrationspolitik, die über die Kanaren und Afrika hinausdenkt. Denn trotz der aktuellen Bilder von den Kanaren – die meisten Flüchtlinge kommen üblicherweise nicht via Boot aus Afrika nach Spanien, sondern mit dem Flugzeug aus Ländern wie Venezuela, Kolumbien oder Honduras.

2019 stellten rund 96'400 Süd- und Zentral-Amerikanerinnen und -Amerikaner Asylanträge in Spanien – und nur knapp 10’700 Afrikanerinnen und Afrikaner. Das heisst: Bei der Migrationsfrage unterscheidet sich Spanien stark von anderen EU-Mitgliedern wie Griechenland oder Italien und braucht andere Lösungen. Ob die anderen EU-Mitgliedsstaaten Verständnis für die spanische Realität haben, ist deshalb mehr als fraglich.

Teresa Delgado

Teresa Delgado

Produzentin und Redaktorin Radio SRF

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Teresa Delgado hat an der Universität Freiburg und in den USA Geschichte, Englisch und Spanisch studiert. Seit 2016 ist sie Redaktorin und Produzentin bei Radio SRF.

SRF 4 News, 1.2.2021, 08:20 Uhr

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Die Flüchtlingspolitik steht vor zahlreichen Herausforderungen. Eine ganz wesentliche Aufgabe ist es, einerseits den Flüchtlingen zu helfen, andererseits aber auch sicherzustellen, dass die Heimatregion nicht dauerhaft junge Menschen verliert, die für den Wiederaufbau dringend notwendig sind. Charter Cities stellen daher eine wichtige Ergänzung der bisherigen Ansätze dar.
    1. Antwort von Stefan Huwiler  (huwist)
      Das ist eine Mär, dass die Herkunftsländer diese jungen Menschen braucht um irgendetwas wieder aufzubauen.
      Die wandern aus, weil sie keinerlei Zukunftsperspektive und meist noch nie eine bezahlte Arbeit gefunden haben.
    2. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      @Huwiler. Lesen Sie den Artikel auf der HP von "Afrika Report", mit Google Übersetzer ist es kein Problem: "Advice to Africans: We need to retire the idea of brain drain". In dem Artikel ist folgender Link enthalten: " Ratschläge für Afrikaner: Senden Sie Ihre Kinder nicht zum Lernen in den Westen" Sobald die Leute im Westen studieren, wollen sie nicht mehr zurück und das Erbe übernehmen, resp. weiter führen.
      In London sind mehr sudanesische Ärzte tätig, als in ganz Sudan.
  • Kommentar von Christian Kaiser  (Chriska)
    Wie erwähnt kommen meisten Migranten mit dem Flugzeug aus Süd- und Mittelamerika. Dazu braucht man 1. Geld, 2. ein Visum das vom Ziel land ausgestellt wurde.
    Ich wurde noch nie ohne Visum an Bord gelassen.
    Andere Länder andere Sitten!
    1. Antwort von Javier López  (Javier López)
      Ich kenne die aktuellen Einreisebestimmungen nicht, aber ehemalige spanische Kolonien hatten immer einen Sonderstatus in Spanien.
      Franco-Spanien hatte keine diplomatischen Beziehungen zu den kommunistischen Ländern. Nur eine Aussnahme: die ehemalige Kolonie Kuba.
      In meinen damaligen Reisepass ein Stempel:
      Gültig für die ganze Welt, ausser: dann die Liste der kommunistischen Ländern.
      Auch geniessen die Menschen dieser ehemaligen Kolonien eine erleichterte Einbürgerung.
    2. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Die Leute aus Südamerika brauchen für Spanien kein Visa, sie können ganz einfach einreisen und nach drei Monaten einen Asylantrag stellen. Spanien könnte das ändern, wenn sie es nicht tun, sollten sie auch nicht jammern oder gar andere EU-Länder in die Pflicht nehmen wollen.
      Sollte man sich ansehen: "Spanien: Gestrandet auf Gran Canaria | ARTE Reportage". Darin sagt ein Afrikaner, wir sind hier, damit man sich um uns kümmert. Tja, so einfach. Ich bin da - eure Verantwortung.
  • Kommentar von Helen Gersbach  (Soliris)
    Die Migrationspolitik ganz Europas, inkl. CH, ist beschämend.
    Wie wäre es endlich genügend Geld zu sprechen für echte Entwicklungshilfe?
    Wenn Europa die Mittel zur Verfügung stellen würde, damit die afrikanische Bevölkerung sich in ihrem Land selbst versorgen könnte (langfristige Hilfe zur Selbsthilfe), dann hätten diese Menschen keinen Anreiz mehr nach Europa zu kommen.

    Das wäre letztendlich günstiger und 100fach menschlicher, als das seit Jahren zu beobachtende Schauspiel.
    1. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Das stimmt,Frau Gersbach, und es freut mich,dass Sie Mitgefühl mit diesen notleidenden Menschen äussern. Das sieht oft ganz anders aus bei diesem Thema,wo dann Selbstrechtfertigungen Platz greifen, dass man für die Flüchtenden waaahnsinnig viel tut.Die CH tut schon etwas, aber mit diesen 0.5-0,45% des jährlichen Bruttoeinkommens ist das schlicht zu wenig. Eben: Europa hat Jahrhunderte lang viele Länder des Südens ausgebeutet, zum Teil jetzt noch, und jetzt wird nur sehr wenig zurückgegeben.
    2. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Ihre Theorie hinkt dort, dass die Geflüchteten sich in Europa auch nicht anders verhalten als im Heimatland - jobtechnisch und bildungstechnisch. Vor diesem Hintergrund lässt sich feststellen, dass die viel beschworenen "Chancen", die sie wahrzunehmen gedenken, doch anders aussehen, als wir uns vorstellen. Vor diesem Hintergrund erscheint mir die Entwicklungshilfe generell als kontraproduktiv.