- Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs ICC, Karim Khan, ist von seinem Amt entbunden worden.
- Das Aufsichtsgremium des Strafgerichtshofs schreibt, dass die Mitgliedstaaten mit einer absoluten Mehrheit für die Absetzung von Karim Khan gestimmt haben.
- Der Amtsenthebung waren Vorwürfe einer Mitarbeiterin Khans vorausgegangen. Er soll sie sexuell belästigt haben.
Bekannt geworden waren die Vorwürfe bereits 2024. Im Juni dieses Jahres war Khan dann wegen des Verdachts suspendiert worden.
Der 56-jährige Khan hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Gegen die Entscheidung der Mitgliedstaaten will er sich nun wehren, wie seine Anwälte auf der Plattform X schreiben, und sie kritisieren auch den Prozess, der zur Amtserhebung führte.
Die Anwälte von Khan kündigen an, dass Karim Khan die Entscheidung «mit allen verfügbaren rechtlichen Mitteln» anfechten werden.
Zweifel an UNO-Untersuchung
Eine Kommission der UNO hatte die Vorwürfe gegen Khan untersucht und Ende 2025 dem Gericht ihren Bericht übergeben. Laut Medienberichten sah die Kommission es als erwiesen an, dass Khan «nicht einvernehmlichen sexuellen Kontakt» mit einer Mitarbeiterin hatte. Doch ein Gutachten von drei Richtern stellte Mängel bei der UNO-Untersuchung fest.
Khan war seit 2021 Chefankläger und hatte unter anderem einen Haftbefehl gegen Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wegen mutmasslicher Verbrechen im Gaza-Krieg beantragt. Das Ausscheiden Khans dürfte keine Auswirkungen auf diesen Haftbefehl haben.
Die seit zwei Jahren schwelende Affäre hat das Gericht mit Sitz in Den Haag schwer belastet und dessen internationalem Ansehen geschadet.