Killer von Nizza soll via SMS «mehr Waffen» angefordert haben

Nach der Amok-Fahrt in Nizza kommen erste Details zu den Vorbereitungen des Attentäters ans Licht. Wenige Tage vor dem Anschlag hat er offenbar über das Handy nach Waffen verlangt, sein ganzes Geld abgehoben und sein Auto verkauft. Ferner soll er den späteren Tatort ausgekundschaftet haben.

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In Nizza beginnt der lange Weg der Aufarbeitung

1:41 min, aus Tagesschau vom 17.7.2016
  • Der Attentäter hat Stunden vor der Tat via SMS «mehr Waffen» angefordert
  • Wenige Tage vor dem Anschlag hat er sein Konto geleert
  • Er hat sich offenbar erst in jüngster Zeit radikalisiert
  • Unbestätigten Medienberichten zufolge hat er mit seinem Lastwagen die späteren Tatorte ausgekundschaftet
  • Die Ex-Frau des Attentäters ist auf freiem Fuss
  • Das zweite Schweizer Opfer ist identifiziert: ein sechsjähriges Mädchen aus Yverdon

Der Attentäter von Nizza soll am Donnerstagabend kurz vor dem Anschlag per SMS «mehr Waffen» verlangt haben. Dies meldeten französische Fernsehsender unter Berufung auf die Ermittler.

Die SMS soll an einen der Männer gerichtet gewesen sein, die in den Tagen nach der Tat festgenommen wurden. Auch am Sonntag nahm die französische Polizei im Zuge der laufenden Ermittlungen zwei Personen in Gewahrsam – offenbar eine Frau und einen Mann.

Rasche Radikalisierung

Die Ex-Frau des 31-jährigen tunesischen Täters wurde indessen wieder freigelassen. Dies meldet die Nachrichtenagentur AFP, die sich bei dieser Angabe auf Justizkreise beruft. Vier Männer aus dem engeren Umfeld des Terroristen befinden sich indes nach wie vor in Haft.

In den ersten Vernehmungen soll sich ergeben haben, dass sich der Täter namens Mohamed Lahouaiej-Bouhlel in jüngster Zeit radikalisert habe. Einen Tag vor dem Terroranschlag soll er seinem näheren Umfeld seine Radikalisierung eröffnet haben.

Konto geleert und Auto verkauft

Ferner sollen die Ermittlungen ans Licht gebracht haben, dass der Attentäter vor der Bluttat sein ganzes Geld abgehoben habe. Er habe innerhalb einer Woche sein Konto geleert, berichtete die Sonntagszeitung «Le Journal de Dimanche» unter Berufung auf Ermittlerkreise. Am Tag vor dem Terrorakt habe er dann auch sein Auto verkauft.

Schliesslich berichtet die Nachrichtenagentur AFP, dass der Terrorist mit seinem Lastwagen die späteren Tatorte ausgekundschaftet habe. AFP gibt für diesen Bericht eine 'den Ermittlern nahestehende Quelle' an.

Verstorben: ein sechsjähriges Mädchen aus Yverdon

Der 31-jährige Tunesier Mohamed Lahouaiej-Bouhlel war am 14. Juli in Nizza mit einem Kühllastwagen in eine Menschenmenge gerast. Die vielen Menschen hatten zu der Zeit auf der Promenade des Anglais das Feuerwerk zum französischen Nationalfeiertag angeschaut. Mindestens 84 Menschen wurden getötet und mehr als 300 verletzt.

Auch zwei Schweizer sind unter den Opfern. Wie Medienagenturen am Sonntag berichteten, handelt es sich beim verstorbenen Kind um ein sechsjäriges Mädchen aus Yverdon. Das zweite Opfer ist eine 54-jährige Frau aus dem Tessin. Drei Suchmeldungen, die beim Departement für Auswärtige Angelegenheiten eingegangen sind, sind laut EDA noch offen.

Der teilweise noch gesperrte Strassenabschnitt an der Küste vor Nizza soll am Montag nach einer landesweiten Schweigeminute wieder ganz für den Verkehr geöffnet werden.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Nizza: IS beansprucht Tat für sich

    Aus Tagesschau vom 16.7.2016

    Die Terrormiliz IS hat sich zum Anschlag in Nizza bekannt. Die Erklärung der Propaganda-Agentur ist noch nicht verifiziert. Die französischen Behörden haben derweil mehrere Personen festgenommen. Einschätzungen von Michael Gerber, SRF-Korrespondent in Paris.

  • Anschlag in Nizza: weltweite Anteilnahme

    Aus Tagesschau vom 15.7.2016

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    Aus Tagesschau vom 15.7.2016

    Über den Täter ist bekannt, dass es sich um einen 31-jährigen Tunesier handelt, der in Nizza wohnte. Ob der Mann für seine Tat Unterstützung hatte, und ob es eine Verbindung zu einer terroristischen Organisation gibt, ist noch nicht geklärt. Einschätzungen von Frankreich-Korrespondent Michael Gerber

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    Aus Tagesschau vom 15.7.2016

    Unabhängig davon, ob es sich beim Anschlag um einen islamistischen Terrorakt handelte oder nicht; dass Frankreich weiter im Fokus von Terroristen stehe, sei keine Überraschung, findet der Sicherheitsexperte Jean-Paul Rouiller.