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Kein Hakle-WC-Papier mehr aus Niederbipp
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 11.11.2020.
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Kimberly-Clark Hakle-Hersteller verlagert WC-Papier-Produktion nach Italien

  • Der amerikanische WC-Papier-Riese Kimberly-Clark will das bekannte Schweizer WC-Papier der Marke Hakle künftig nicht mehr in der Schweiz produzieren lassen.
  • Das Hakle-Werk im bernischen Niederbipp wird verkauft, die Verhandlungen laufen.
  • Die Produktion werde von Niederbipp nach Romagnano in Norditalien verlagert.

Im Werk in Niederbipp macht die Hakle-Produktion etwa 25 Prozent aus, die Anlagen werden zu 75 Prozent für Eigenmarken von anderen Händlern gebraucht, sagt Hugo ter Braak, Länderchef Schweiz und Österreich bei Kimberley-Clark, auf Anfrage von Radio SRF. Die Hakle-Produktion soll nun also nach Norditalien verlegt werden.

Wir wollen, dass unsere Mitarbeitenden weiterhin eine Stelle haben.
Autor: Hugo ter BraakLänderchef Schweiz und Österreich bei Kimberley-Clark

Das Werk soll verkauft werden: Man sei in Verhandlungen mit einem potenziellen Käufer aus der gleichen Branche, sagt Hugo ter Braak. «Dieser Käufer sieht Möglichkeiten, das Werk weiterzuführen, dank Synergien, die daraus entstehen.» Beide Seiten seien überzeugt, dass der Verkauf zustande kommen werde, meint der Länderchef.

Will Kimberley-Clark das Werk also an die Konkurrenz verkaufen? Ja, das sei so, sagt Hugo ter Braak. «Uns ist es wichtig, dass das Werk weitergeführt wird, damit unsere Mitarbeitenden weiterhin eine Stelle haben.»

Derzeit arbeiten am Standort in Niederbipp 265 Mitarbeitende. Sollte der Verkauf doch nicht zustande kommen, würde Kimberley-Clark das Werk schliessen.

Die Mitarbeitenden von Kimberly-Clark verfügten zwar über einen Generalarbeitsvertrag, der im Falle von Entlassungen einen Sozialplan vorsehe. Dennoch macht sich ein Gewerkschafter Sorgen um die Angestellten des Hakle-Werks. «Es ist der denkbar ungünstigste Zeitpunkt, um eine Firma zu verkaufen», sagte Beat Krügel, Präsident der Gewerkschaft der Schweizer Papierindustrie gegenüber SRF.

Es ist der denkbar ungünstigste Zeitpunkt, um eine Firma zu verkaufen
Autor: Beat KrügelPräsident Gewerkschaft der Schweizer Papierindustrie

Für die Angestellten hoffe er darauf, dass ein Käufer gefunden werde. Am Ende hänge es aber vom Verkaufspreis ab, den Kimberly-Clark erzielen wolle. «Der Arbeitsmarkt ist sehr dünn, es gibt nicht mehr viele Produktionsstätten in der Schweiz. Fachleute im papiertechnologischen Bereich haben noch die Chance, in der Schweiz eine Stelle zu finden. Aber für Angelernte würde es schwierig», sagt Beat Krügel.

Durch Coronakrise teils doppelte Menge WC-Papier hergestellt

Der Gewerkschafts-Präsident nennt vor allem die Produktionspreise in der Schweiz als möglichen Grund, warum sich Kimberly-Clark aus der Schweiz zurückziehen dürfte: «Preisliche Produktionsstätten sind in der Schweiz teurer, als wenn man die Produkte beispielsweise in Italien produziert.

Mit einem schlechten Geschäft dürfte der Verkauf hingegen weniger zu tun haben: Wegen der erhöhten Nachfrage nach WC-Papier während der Coronakrise produzierte das Werk in Niederbipp teilweise doppelt so viele Rollen wie sonst, wie der Länderchef Österreich und Schweiz von Kimberly-Clark, Hugo ter Braak, im April gegenüber der «Neuen Zürcher Zeitung» gesagt hatte.

Im dritten Quartal 2020 steigerte der US-Konzern, der in 34 Ländern tätig ist, seinen Nettoumsatz im Vorjahresvergleich um 1 Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar. Aus diesem Grund hob Kimberly-Clark den Ausblick für das Jahreswachstum auf 5 Prozent von 4 bis 5 Prozent an.

Kimberly-Clark beschäftigt weltweit 40'000 Mitarbeitende und setzte vergangenes Jahr 18,5 Milliarden US-Dollar um. Zu den Produkten des Konzerns gehören nebst WC-Papier beispielsweise auch Feuchttücher, Windeln, Hygienebinden und Handtücher aus Papier, darunter etwa die Windelmarke Huggies, die Feuchttüchermarke Cottonelle oder die Papiertüchermarke Kleenex.

SRF4 News, 11.11.20, 12:00 Uhr;

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Zuber  (Hä nuuh)
    Herr Leu, bevor ich die Zeitung nehme werde ich mein Papier auch aus dem Ausland beziehen. Spannend bleibt aber das Thema Auslandsabhängigkeit:
    Wird der Bund Pflichtlager anordnen? Wird das WC-Papier damit teurer?
    Ist der Kamillegeschmak nach dem Lagern weg?
    Auf jeden Falk entstehen so auch in der Schweiz wieder, unnötige, aber immerhin Arbeitsplätze. Murphy siegt immer...
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    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Peter Zuber: Sie haben es erfasst! Beim nächsten Lockdown, bei dem wir dann, neben den Masken, auch noch ohne WC-Papier dastehen, schreien alle nach dem Bund. Dann heisst es "Warum hat das Militär kein Reserve-WC-Papier?" Dann wird die SWISS beauftragt für teures Geld aus China WC-Papier einzufliegen. Stellen Sie sich das vor! Ein Flieger voller WC-Papier. Am Ende will dann niemand das WC-Papier kaufen, weil es zu teuer und von mangelhafter Qualität ist. Genauso war es schon bei den Masken.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Ist denn diese Produktionstätigkeit die berühmt-berüchtigte Sorte, die "kein Schweizer machen will"? Wäre noch gut zu wissen, denn wenn das so ist, dann ist die Entscheidung des Unternehmens absolut nachvollziehbar, warum sie nicht noch mehr Billigarbeiter in die teure Schweiz holen und somit die Produktionskosten erhöhen wollen, sondern die ganze Produktion ins Billigland auslagern. WC-Papier ist schliesslich kein hochspezialisiertes Produkt, wie es so schön heisst, die ganze Welt braucht es...
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  • Kommentar von Peter Zuber  (Hä nuuh)
    Es zeigt wieder dass man nichts gelernt hat. Wegen ein paar Rappen wird ins Ausland verlagert. Hakle hat einen langjährigen Kunden weniger: Mich!
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    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Peter Zuber: Welches WC-Papier kaufen Sie denn in Zukunft? Mir ist in der Schweiz kein anderer Produzente bekannt.
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