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Klimakonferenz der Willigen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas – Schweiz muss konkret werden

Die Hafenstadt Santa Marta an der Karibikküste Kolumbiens war nicht zufällig Austragungsort der ersten Konferenz zum Ausstieg aus den fossilen Energieträgern. Von Santa Marta aus fahren Schiffe mit Kohle seit Jahren in Richtung USA und Europa. Fossile Energieträger bringen dem südamerikanischen Land fast die Hälfte seiner Exporteinnahmen. Doch die Nachfrage sinkt und die negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt werden immer grösser.

Kolumbien hat sich deshalb an der letzten Klimakonferenz der UNO im brasilianischen Belém an die Spitze der Staaten gestellt, die sich nicht mehr länger von den Bremsern aus den USA, Russland und den Golfstaaten abhalten wollen. Und sie wollen vorwärtsmachen beim Ausstieg aus den fossilen Energieträgern.

Die Hafenstadt Santa Marta steht dabei symbolisch dafür, dass dieser Ausstieg für Länder wie Kolumbien gravierende Folgen haben kann, wenn er nicht sorgfältig geplant und von wohlhabenderen Ländern unterstützt wird. Von Santa Marta aus könnten künftig Schiffe mit klimafreundlichem grünem Wasserstoff statt Kohle in die ganze Welt fahren.

Wissenschaftliches Panel begleitet Verhandlungen

Doch dafür braucht es einen Markt. Dafür müssen Subventionen auf fossile Energieträger fallen, damit grüner Wasserstoff wettbewerbsfähig wird. Dafür muss der internationale Investitionsschutz so gelockert werden, dass Kolumbien seine Kohleminen schliessen kann, ohne deshalb von den Besitzern – meist internationalen Rohstoff-Konzernen, auch solchen mit Sitz in der Schweiz – auf Milliarden an Schadenersatz verklagt zu werden.

In Santa Marta haben 57 Länder genau diese Fragen diskutiert. Der geopolitische Kontext – die weltweit stark steigenden Preise von Öl und Gas wegen des Kriegs im Nahen Osten – hat den Diskussionen zusätzliche Dringlichkeit gegeben. Der neue Verhandlungsprozess soll den Umbau voranbringen, und zwar möglichst geplant, um neue Unsicherheiten zu vermeiden. Dabei sollen zwar die Bremser nicht mitreden dürfen, aber möglichst alle Interessierten und Betroffenen aus der Zivilgesellschaft, der Wirtschaft, der Politik und der Wissenschaft.

Letzterer soll wieder verstärkt Gehör verschafft werden, in dem ein neues wissenschaftliches Panel die Verhandlungen begleiten soll. Bis zum nächsten Treffen in einem Jahr auf dem vom steigenden Meeresspiegel bedrohten Inselstaat Tuvalu sollen die Diskussionen in Arbeitsgruppen fortgeführt werden. Die Schweiz wolle ihre Erfahrungen einbringen und mit den anderen Staaten zusammenarbeiten, heisst es dazu unverbindlich aus dem Bundesamt für Umwelt.

Schweiz muss konkreter werden

Frankreich hat an der Konferenz in Santa Marta einen ersten Pflock eingeschlagen und angekündigt, dass es bis 2030 aus der Kohle, bis 2045 aus dem Öl und bis 2050 aus dem Gas aussteigen wolle. Die Schweiz verweist auf ihr gesetzlich verankertes Netto-Null-Ziel und die Energiestrategie 2050.

Um glaubwürdig zu bleiben, wird die Schweiz aber konkreter werden müssen. So sollte sie nicht nur einen Ausstiegsfahrplan festlegen, sondern auch ihre Hebel für den Klimaschutz nutzen. Nur wenn Staaten wie die Schweiz ihre Subventionen für fossile Energieträger abbauen und Finanzplätze dafür sorgen, dass Investitionen konsequent klimafreundlich ausgerichtet werden, entstehen Märkte, die es möglich machen, dass in Häfen, wie demjenigen von Santa Marta bald tatsächlich grüner Wasserstoff statt braune Kohle verschifft wird.

Klaus Ammann

Wirtschaftsredaktor

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Der Historiker und Russist ist seit 2004 als Redaktor bei Radio SRF tätig. Seit 2011 arbeitet Klaus Ammann für die Wirtschaftsredaktion. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf Energie- und Klimathemen.

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