Zum Inhalt springen

Header

Video
Streit um die Fischgründe der Briten
Aus 10vor10 vom 21.04.2020.
abspielen
Inhalt

Knackpunkt beim Brexit Es geht um den Fisch

Die Neuregelung der europäischen Fangrechte nach dem Brexit ist einer der heikelsten Punkte bei den wiederaufgenommenen Verhandlungen zwischen Grossbritannien und der EU.

Innerhalb der Europäischen Union in «fremden» Gewässern zu fischen, war bislang kein Problem, solange die vereinbarten Fangquoten eingehalten wurden. Mit dem Brexit wurde das aber zu einem Problem, denn Grossbritannien beansprucht seine Küstenmeereszone für sich. «Die anderen Länder dürfen bis sechs Meilen vor unserer Küste fischen, wir dürfen aber nur zwölf Meilen an ihre Küste ran. Das ist nicht fair!», schimpft Jason Adams.

Die sollen auf ihrer Seite bleiben, wir bleiben auf unserer.
Autor: Jason AdamsFischer

Der Fischer aus Hastings ist wie alle britischen Fischer ein flammender Brexit-Befürworter. Er hofft, dass künftig die Fangzonen wieder in der Mitte geteilt werden. «Die sollen auf ihrer Seite bleiben, wir bleiben auf unserer.»

Fischreichste Gewässer

Mit «die» sind in erster Linie die Franzosen gemeint. Fast jedes zweite bretonische Fischerboot fährt regelmässig in britische Gewässer, die zu den fischreichsten der Welt gehören. Die Bretagne repräsentiert zusammen mit der Normandie 75 Prozent des französischen Fischereisektors mit einem Umsatz von 110 Millionen Euro (2017) – realisiert in britischen Zonen.

Vom französischen Fisch allein kann man nicht leben.
Autor: Soazig Palmer-Le GallBretonische Fischereivereinigung

«Vom französischen Fisch allein kann man nicht leben», gibt Soazig Palmer-Le Gall freimütig zu. Als Eignerin von elf Schiffen und Präsidentin der bretonischen Fischervereinigung bangt sie um die Zukunft der ganzen Region: «Ein Arbeitsplatz auf dem Meer generiert deren vier an Land.»

Kein Zugang mehr zu britischen Gewässern könne für viele Fischer und damit auch für Zulieferer das Ende bedeuten.

56 Jahre altes Abkommen

Das Abkommen, wonach auch andere EU-Länder vor der Küste Grossbritanniens fischen dürfen, stammt aus dem Jahr 1964. Damals seien die Briten gegen territoriales Denken gewesen und hätten selbst vor Island und Norwegen gefischt, sagt Fischereirechts-Experte Griffin Carpenter.

Britischer Fisch diente schliesslich als «Gegengeschäft» für EU-Landwirtschaftssubventionen im fein austarierten System von Geben und Nehmen in der EU. «Doch seither hat sich vieles geändert. Die Isländer haben die Briten aus ihrem Territorium ausgeschlossen und nun wollen auch die Briten ihre Gewässer verteidigen.»

Zu sehen sind Fischerei-Schiffe in England.
Legende: Für die Wirtschaft hat die Fischerei heute keine Bedeutung mehr. Es geht beim Streit vor allem um Symbolpolitik. Keystone

Kein Fisch, kein Deal

Allerdings hätten die britischen Fischer durchaus Interesse, einen Kompromiss zu finden: 80 Prozent ihres Fangs wird in die EU exportiert. Was also, wenn die EU Zölle erhebt und britischer Fisch teuer und unattraktiv wird? «Dann kaufen wir einfach keine französischen Autos mehr», meint Fischer Adams trotzig.

Die Fischindustrie steuert zwar nicht einmal ein Prozent an die Gesamtwirtschaft der beiden Länder bei. Für die Briten aber gilt sie als Symbol, wie «unlautere Konkurrenz» aus dem Ausland die einheimische Wirtschaft übervorteilt. Dabei geht es für die Fischer auf beiden Seiten des Ärmelkanals ums Überleben.

«10vor10» 21.4.2020, 21:50 Uhr

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

49 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
    Und schon geht geht es nicht mehr um Ernährungssicherheit und Arbeit für MENSCHEN, geschweige denn Nachhaltigkeit, sondern um den Pass des Fischers. Streit und Missgunst, nicht lösungsorientiertes Zusammenarbeiten der Staaten zum Wohle der MENSCHEN sind die stetigen Begleiter des Nationalismus. Die trotzige Aussage des Fischers Adams steht quasi sinnbildlich dafür und für das intellektuelle und moralische Niveau nationalistischen Denkens. Kindergarten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Margot Helmers  (Margot Helmers)
    IM TA ist auch eine Bericht darüber, er um vielmehr als nur um die Fischereirechte.
    GB weigert sich EU-Regeln bei den Staatsbeihilfen, Steuern, Umwelt- und Sozialstandards vorschreiben zu lassen.
    Ausserdem wollen sie den Europäischen Gerichtshofs nicht akzeptieren.
    GB ist ja nicht umsonst ausgetreten, um nachher als EU-Nichtmitglied nach EU-Regeln verfahren.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Aber Zugang zum Binnenmarkt schon!! Den Fünfer und das Weggli, und die Bäckersfrau dazu....
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Die Briten wollen aber gleichzeitig vollen Zugang zum EU Binnenmarkt. Keine Ahnung, wieso Briten wie Schweizer denken, dass man hierfür keine Regeln akzeptieren müsse.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Haller Hans  (H.Haller)
      Es geht wahrscheinlich nicht nur um den Fisch allein. Und keine Ahnung warum die EU glaubt ihre Binnenmarkt-Hegemonial-Politik einfach nach Lust und Laune ausdehnen zu dürfen. Nüchtern betrachtet verhält sich gerade die EU selber wie ein nationalistischer Supra-Nationalstaat und dabei immer öfter nicht mal immer selber an alle "eigenen" Regeln. - Mir scheint bald, die EU sollte man umgekehrt dann auch in ihrem Binnenmarkt "einsperren" und sich selbst überlassen. (dann guckst du, smile)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Es gibt nicht einmal innerhalb der EU gleiche Spielregeln bei den Staatsbeihilfen, Steuern, Umwelt- und Sozialstandards. Es wurden und werden ja von verschiedenen Ländern nicht mal die Maastrichter-Verträge eingehalten. Sogar die EZB Präsidentin Frau Lagarde sagte 2010 als IWF Direktorin, wir müssen die EU-Verträge brechen um den €uro zu retten.
      Israel und die Türkei haben auch einen erleichterten EU-Zugang, ohne EU-Regeln zu übernehmen. Die EU exportiert weit mehr nach GB als umgekehrt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Eric Cerf  (Alpenjonny)
    Viel zu kurz gedacht! Wenn die Bretonen meinen,sie könnten wie seit 56 Jahren Jahren schon, völlig ungehindert in Britischen Gewässern weiter fischen, so ist das gelinde ausgedrückt, eine Sauerei! Die Bretonen sollen bitte schön in ihren Sektoren bleiben, und gewiss nicht in Englischen Gewässern! Schön fifty/fifty, das ist auch nur gerecht. Blöder Vertrag hin oder her!PM Boris Johnson hat da völlig Recht! Weil die Bretonen, ihre einst reichen Gewässer leerfischten, selber schuld.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Eric Cerf. Nur blöde, dass die Briten jetzt schon, mit weniger Fischen, 70% in die EU schicken. Kleine Abhängigkeit....
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Nur blöd, dass die EU weitaus mehr nach GB exportiert als umgekehrt. Ist die EU daran nicht interessiert, genauso wie am Fisch? Was ist die Alternative? Noch mehr Fisch vor der afrikanischen Westküste abfischen?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Helmer: es ist ein Trugschluss zu glauben, wenn ein Land mehr importiert als exportiert sei es unabhängiger. Woher sollen denn die Briten z. B. Künftig ihre Autos importieren? Aus den USA?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen