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US-Kongress kann sich nicht auf zweites Corona-Hilfspaket einigen
Aus Echo der Zeit vom 31.07.2020.
abspielen. Laufzeit 04:13 Minuten.
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«Kollateralschäden» der Krise In den USA droht ein Tsunami von Zwangsräumungen

Der US-Kongress ringt um das nächste Corona-Hilfspaket. Gerade ärmere Menschen bangen um das bisschen, das sie haben.

Republikaner und Demokraten bekunden Mühe, sich auf ein zweites Corona-Hilfspaket zu einigen. Dabei wäre eine Einigung im US-Kongress dringend: Heute Freitag läuft nämlich die zusätzliche Arbeitslosenunterstützung aus, ebenso das Moratorium für Zwangsräumungen.

Die Massnahmen waren im ersten Hilfspaket im März beschlossen worden und halfen Millionen von Menschen über die Runden – und sorgten dafür, dass sie ihr Dach über dem Kopf nicht verloren, weil sie die Hypothek nicht mehr abzahlen können. Besonders in ärmeren Gegenden fürchtet man sich vor der nahen Zukunft. Es droht ein Erdbeben auf dem Liegenschaftsmarkt.

Bange Blicke nach Washington

Richmond, Virginia, steht auf einem unrühmlichen Podest. Die Stadt weist die zweithöchste Rate von Zwangsräumungen in den USA auf. Christie Marra von der gemeinnützigen Organisation «Virginia Poverty Law Center» erklärt, warum: Sie hätten einen tiefen Mindestlohn, einen unregulierten Mietmarkt, knappen günstigen Wohnraum und nicht zuletzt seien Zwangsräumungen ganz einfach eine Folge der institutionellen Armut und deshalb ein Erbe des Rassismus.

Arbeitslose Frau mit Tochter in Massachusetts
Legende: Gerade die ärmeren Schichten trifft die Coronakrise in den USA hart: Sie bangen nicht nur um ihre Gesundheit, sondern auch um ihre Jobs und ihr Hab und Gut. Reuters Symbolbild

Fast die Hälfte der 230'000 Bewohner Richmonds ist afroamerikanisch. Von ihnen lebt ein Drittel unter der Armutsgrenze, oft in subventionierten Wohnblöcken. Sie können im Moment sicher sein, dass sie das Dach über dem Kopf behalten. 30'000 Mietobjekte allein in Richmond stünden derzeit unter dem Moratorium für Zwangsräumungen des US-Kongresses, sagt Marra.

Dass diese Notmassnahme nun ausläuft und eine Verlängerung bis jetzt nicht zur Diskussion steht, bereitet ihr Sorgen. Im September oder Oktober könnte ein «Tsunami» von Zwangsräumungen erfolgen, falls nicht etwas unternommen werde.

Erst die Warnung, dann die Räumung

Eigentümer müssen zuerst eine Warnung an zahlungsunfähige Mietparteien verschicken, dann 30 Tage warten, um vor Gericht eine Zwangsräumung zu beantragen. Deshalb sei die Räumungsrate im Moment noch tief, aber das könne sich ab Anfang September ändern.

Wenn man etwas aus der letzten Finanzkrise gelernt hat, dann, dass der Liegenschaftsmarkt fundamental ist für die US-Wirtschaft.
Autor: Patrick McCloudVirginia Apartment Management Association

Bis jetzt hätten über 90 Prozent der Mieter und Mieterinnen ihre Mieten bezahlt, sagt Patrick McCloud vom Wohnungs-Eigentümerverband «Virginia Apartment Management Association». Das hätten die Hilfszahlungen des Kongresses ermöglicht – zusammen mit der Kulanz der Eigentümer.

Die zwei wichtigsten Eigentümerverbände in Virginia haben ihren Mitgliedern im März empfohlen, während der Pandemie mit insolventen Mietern Ratenzahlungen auszuhandeln. Sie setzen sich für eine volle Weiterführung der Corona-Arbeitslosenhilfe ein. In den USA sind derzeit rund 23 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet.

US-Kongress in Washington
Legende: Die Parlamentarier in Washington arbeiten derzeit an einer neuen Hilfsvorlage. Die Republikaner wollen die Nothilfe für Arbeitslose und Arme reduzieren – die Demokraten erstrecken. Keystone

Es sei wichtig, den absoluten Kollaps des Wohnungsmarkts zu verhindern, sagt McCloud. «Wenn man etwas aus der letzten Finanzkrise gelernt hat, dann, dass der Liegenschaftsmarkt fundamental ist für die US-Wirtschaft.»

Und deshalb sei es wichtig, den Leuten Geld in die Hand zu geben, damit sie ihre Mieten bezahlen könnten. Denn das letzte, was man jetzt noch brauchen könne, sei eine Wiederholung der Situation von 2008. Und so ist die Botschaft aus Richmond an die Adresse des US-Kongresses klar – es braucht weitere Hilfe, um die Krise zu überbrücken, es braucht Cash, und zwar schnell.

Video
US-BIP bricht um über 30 Prozent ein
Aus Tagesschau vom 30.07.2020.
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Echo der Zeit, 31.07.2020, 18:00 Uhr

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Andrea Esslinger  (weiterdenken)
    Den Leuten Geld geben, das sie dann ihren Vermietern geben, die es dann wiederum den Banken für die Hypotekarzinsen abliefern. So wird Steuergeld den Banken und Superreichen zugeschaufelt. Die ganzen Hilfsmilliarden landen in den Taschen derer, die eh schon zu viel haben.
    Den Banken müsste verboten werden, während der Krise Hypozinsen zu verlangen. Alle Schulden sind für ein Jahr sistiert. Das bringt dem einfachen Mann etwas.
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  • Kommentar von Kurt Willi  (kuwilli)
    Darf ich mich als Trump Gegner ersatzweise zur Verfügung stellen?
    Wenn dieses Sozialsystem die Erfindung von DT wäre, wäre alles bestens und mit der nicht- Wahl von DT alle Probleme gelöst. Leider sind diese Probleme, wie auch Trump selber, nur die Indikatoren einer maroden Gesellschaft.
    Man bedenke, bei den kommenden US-Wahlen duelliert sich ein Unfähiger mit einem 78-Jährigen! Was wenn diese Nation tatsächlich nicht mehr zu bieten hat?
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  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Und wieder schweigen die Trump-Verteidiger, bei solch apokalyptischen Tatsachen!
    Es sind die Republikaner und Ihre Anhänger, die sich seit Jahren gegen einen anständigen Mindestlohn, schärfere Waffengesetze und ein vernünftiges Sozialsystem sperren.
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