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Belgische Kolonialgeschichte soll aufgearbeitet werden
Aus Tagesschau vom 09.07.2020.
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Kolonialismus im Kongo Belgien arbeitet seine grausame Geschichte auf

110 Jahre nach Ende der Schreckensherrschaft Leopolds II. setzt sich Belgien nun mit der kolonialen Vergangenheit auseinander.

Die «Black Live Matters»-Proteste in Belgien zeigen deutlich, dass sich das Königreich mit seiner Kolonialgeschichte bis jetzt zu wenig auseinandergesetzt hat. Es sind die Erinnerungsdenkmäler von König Leopold II., die von den Protestierenden beschmiert, besprayt und beschädigt werden. In der flämischen Stadt Gent wurde eine Statue des ehemaligen Königs von offizieller Seite entfernt.

Statue von Leopold II. wird entfernt
Legende: Keystone

Diese Angriffe auf Denkmäler hätten eine Symbolwirkung, erzählt Aliou Baldé, ein Vertreter des Kollektivs «Mémoire coloniale» in Brüssel: «Wenn die Statue sauber wäre, fühlte es sich an, als wäre alles in Ordnung. Hier können wir deutlich sehen, dass es in der Gesellschaft einen Konflikt gibt.»

Die Kolonialherrschaft Belgiens gehört laut Historikern zu den brutalsten Europas. König Leopold II. machte den Kongo im 19. Jahrhundert zu seinem persönlichen Eigentum. Der Umgang mit der Bevölkerung muss brutal gewesen sein. Wenn Zwangsarbeiter nicht so arbeiteten, wie dies der König verlangte, wurden ihnen die Hände abgeschlagen.

Bis zu zehn Millionen kongolesische Todesopfer

Nach Schätzungen von Historikern könnten über zehn Millionen Kongolesen wegen der kolonialen Gewalt gestorben sein. König Leopold II. sorgte zudem dafür, dass die Rohstoffe des Landes geplündert wurden. Ab 1908 verwaltete der Staat Belgien das zentralafrikanische Land, bis der Kongo im Jahr 1960 vom Königreich unabhängig wurde.

Viele Belgierinnen und Belgier haben kaum einen Bezug zur Kolonialgeschichte ihres Landes. Diese Aufarbeitung beginnt nur langsam. Einen wichtigen Schritt hat der amtierende König Philippe gemacht. Am Unabhängigkeitstag von Kongo-Kinshasa am 30. Juni 2020 hat er, als erster König Belgiens, sein Bedauern für die Schreckensherrschaft zum Ausdruck gebracht.

«Wahrheitskommission» soll Geschichte aufarbeiten

Mit der ganzen Wahrheit müsse man nun miteinander über die gemeinsame Geschichte sprechen, schrieb Philippe in einem Brief an Felix Tshisekedi, den Präsidenten von Kongo-Kinshasa. Aber nicht nur der König hat die Zeichen der Zeit erkannt. Auch das föderale Parlament Belgiens möchte die Kolonialgeschichte des Königreichs aufarbeiten.

Eine sogenannte Wahrheitskommission soll sich ab September mit der Kolonialgeschichte befassen. Diese bezieht sich nicht nur auf das heutige Kongo-Kinshasa, sondern auch auf Ruanda und Burundi, die nach dem Ersten Weltkrieg vom belgischen Staat als Mandatsgebiet verwaltet wurden.

Die Aufarbeitung der Geschichte müsse auch in der Schule stattfinden, fordern die Bildungsminister. Bis heute lernen Schülerinnen und Schüler sehr wenig bis nichts über das gewaltsame Regime von König Leopold II. Dies soll sich nun ändern. Die Anti-Rassismus-Proteste zeigen den Belgierinnen und Belgiern, dass es Zeit ist, sich auf allen Ebenen mit der Geschichte des Landes zu befassen. Es wird eine intensive und emotionale Zeit für das Königreich werden.

Tagesschau, 09.07.2020, 19:30 Uhr

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94 Kommentare

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  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Man könnte sich ja auch fragen: Wenn es diese Statue nicht gäbe und damit auch diesen Artikel nicht, wer wüsste denn um die Rolle Belgiens? Das wüsste kaum jemand und kaum jemand - von Historikern und einigen Nerds abgesehen - hätte einen Grund das wissen zu wollen.
    Und genau so wird es sein mit den nächsten Generationen, wenn die Statuen weg sind und der Hype um sie. Geschichte ist dann nicht verarbeitet, sondern wurde einfach mangels Referenzpunkten aus dem kollektiven Gedächtnis gelöscht!
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    1. Antwort von Christian Baumann  (Christian Baumann)
      Nach dieser Logik ist eine Statue von Julius Streicher genau das richtige Mittel um an den Holocaust zu erinnern und die Verbrechen der Nazis wach zu halten. Wie zynisch ist das denn?
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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    " ...........setzt sich Belgien nun mit der kolonialen Vergangenheit auseinander." Das ist edel und entspricht wohl einem Teil der Bevölkerung. Anderseits werden wieder alte Wunden aufgerissen bei den gepeinigten Kolonien (hier Kongo). Eigentlich müssten alle Sklavereien und Völkermorde aufgearbeitet werden, auch interne wie in den USA, Russland, China, Armenien usw. Dann gäbe es aber keine Statuen mehr von Washington, Adams, Lincoln (USA), Stalin (UDSSR), Mao (China), u.a.m.
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    1. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Wären die Wunden denn verheilt? Man muss ja Statuen trotzdem nicht realitätsfremd glorifizieren.
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  • Kommentar von Marc Grut  (Pandas)
    SRF berichtet wie so viele Massenmedien mehrheitlich negativ über unsere europäischen Vorfahren, die nicht perfekt waren, aber die Grundlagen gelegt haben für das tolerante System das wir heute haben.
    Ich bin jetzt 28 Jahre alt und die meisten meiner Altersgenossen schämen sich über unsere Vorfahren und möchten unsere Geschichte auslöschen. Das ist bedenklich.
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    1. Antwort von anne edelmann  (anne)
      Ich verstehe nicht ganz, warum in den Kommentaren so viele von „Geschichte auslöschen“ schreiben. Ich z.B. meine es im Gegenteil so, dass ich mich erinnern möchte und eben nicht vergessen. Ich finde auch nicht, dass ich mich dafür schämen muss, dass z.B. Schweizer in den Sklavenhandel involviert waren. Das ist nicht meine Schuld. Meine Schuld wäre es aber, wenn ich heute so tue, als hätte es diese Verbindung nie gegeben und als hätte z.B. die Kolonialisierung keine Nachwirkungen bis heute.
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    2. Antwort von Marc Grut  (Pandas)
      @anne. Ich glaube du hast meinen Punkt den ich zu machen versuche nicht verstanden. Es ist absolut wichtig das vergangene negative zu thematisieren wie den Sklavenhandel. Das Problem ist das es Ausgeglichen sein sollte mit positiven Beiträgen über was wir gut hinbekommen haben.
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