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Grenze zwischen Irland und Nordirland
Aus 10 vor 10 vom 29.01.2019.
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Konflikt Nordirland Brexit droht in Nordirland alte Geister zu wecken

Der Brexit und die Diskussion um eine Grenze könnten in Nordirland einen Grund für Attacken liefern. Der britische Geheimdienst hat nun seine Präsenz in Nordirland verstärkt. Besonders im Fokus: Grenzregionen wie Londonderry.

Im nordirischen Londonderry – auch Derry genannt – ist am Sonntag vor einer Woche eine Autobombe hochgegangen. Die Beschädigungen sind auch Tage später noch deutlich zu sehen.

Kaputtes Trottoir.
Legende: Die Autobombe hat auf der Strasse Spuren hinterlassen. SRF/Henriette Engbersen

Verletzt wurde niemand. Die Polizei vermutet, dass eine militante Untergrundorganisation namens «New IRA» dahintersteht.

Hauseingang mit Pfosten, auf denen IRA steht.
Legende: Die Abkürzung IRA ist in Londonderry immer wieder anzutreffen. SRF/Henriette Engbersen

Die Bombe erinnert an den Bürgerkrieg in Nordirland, der während drei Jahrzehnten tobte. Über 3500 Menschen starben. Die katholische Bevölkerung fühlte sich unterdrückt und wollte zur Republik Irland gehören. Die IRA – die irisch-republikanische Armee – kämpfte mit Waffengewalt dafür.

Auf der anderen Seite kämpften protestantische Unionisten und die britische Armee. Die Lage normalisierte sich erst nach dem sogenannten Karfreitagsabkommen, dem Friedensabkommen von 1998.

Gemälden an Hausfront.
Legende: An den Hauswänden in Londonderry sind bis heute Gemälde, die an den Konflikt erinnern. SRF/Henriette Engbersen

Gleich vor solchen Gemälden demonstrieren Aktivisten mit irischen Fahnen, sie fordern ein vereinigtes Irland. Sie lehnen das Friedensabkommen ab. Unter ihnen auch Patrick Gallagher, der Sprecher der radikalen Partei Saoradh: «Wir leben unter britischer Besatzung. Wir wollen ein vereinigtes Irland.»

Patrick Gallagher spricht vor Kamera.
Legende: Patrick Gallagher verurteilt Gewaltakte wie die Autobombe nicht klar. SRF/Henriette Engbersen

Saoradh wird nachgesagt, der militanten Untergrundorganisation «New IRA» nahezustehen. Gallagher distanziert sich von der «New IRA», aber er verurteilt Gewaltakte wie die Autobombe nicht klar: «So lange wir unter britischer Besatzung leben, kann es zu solchen Attacken kommen.»

Und er geht noch weiter: «Wenn der Brexit Installationen an der Grenze zur Folge hat, dann werden diese wohl auch attackiert. Denn Grenzposten wären ein Symbol der britischen Besatzung.»

Und genau deshalb wollen viele in der Region eine sichtbare Grenze mit Barrieren oder Gebäuden verhindern. Während des Bürgerkrieges waren viele Strassen gesperrt, oftmals kontrollierte die britische Armee die Übergänge.

Betonklötzen auf der Strasse.
Legende: Früher wurde die Grenze mit Betonklötzen markiert. SRF/Henriette Engbersen

Beim Friedensabkommen wurde beschlossen, dass die Grenzen offen sind, also de facto unsichtbar. So lange Nordirland und Irland beide in der EU waren, gestaltete sich dies problemlos.

Wenn da auch nur ein einziges Gebäude steht, würde es innert Kürze beschossen werden.
Autor: Eamonn McCannBürgerrechtler

Eamonn McCann ist langjähriger Bürgerrechtler in Londonderry, der Friedensprozess liegt ihm am Herzen. Er sagt: «Gruppen wie die New IRA, sind nicht gross und sie haben nur wenig Rückhalt. Aber mit der Autobombe haben sie ein Zeichen gesetzt und gesagt: Es gibt uns.»

Deshalb warnt er vor einem sogenannt harten Brexit, der Grenzinstallationen zur Folge hätte. Es wäre ein gefundenes Fressen für solche Splittergruppen: «Wenn da auch nur ein einziges Gebäude steht, würde es innert Kürze beschossen werden.»

Ortstafel mit versprayten "Northern"-Schrift.
Legende: Schon jetzt wird bei den Grenztafeln das Wort «Nord» übersprayt. SRF/Henriette Engbersen

Mit Ausschreitungen wie damals rechnet niemand. Doch bereits kleine Unruhen wären ein Rückschritt im Friedensprozess. Das wäre fatal, denn Stabilität ist für die Menschen und die lokale Wirtschaft äusserst wichtig. Noch immer gehört die Region zu den ärmsten im ganzen Land. Erst langsam erholt sie sich vom früheren Konflikt.

Infografik um Brexit Fahrplan
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42 Kommentare

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  • Kommentar von Alexander Ognjenovic  (Alex)
    Ich verstehe nicht weshalb es für Protestanten so schwierig wäre in einem vereinten Irland zu leben. Bei den Protestanten handelt es sich um zugewanderte Briten die auf die irische Insel einwanderten, da könnte man doch erwarten dass sie sich zumindest anpassen. Die katholischen Iren fordern zu Recht ein vereintes Irland.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      Wann sind diese Briten zugewandet? Im Gegensatz zu vielen Zugewanderten in der Schweiz, wissen die das nicht einmal mehr, weil es schon Jahrhunderte her ist?
    2. Antwort von Alexander Ognjenovic  (Alex)
      Ich versuche es mal so zu schildern: In Grossbritannien leben mittlerweile Millionen Einwanderer aus aller Welt, wenn man von diesen Einwanderer erwarten kann dass sie sich in Grossbritannien anpassen müssen, warum kann man dann nicht auch von den britischen Einwanderern im vereinten Irland erwarten dass sie sich im vereinten Irland anpassen und kein Verbleib bei Grossbritannien anstreben!? Wäre der einfachste Weg um Krieg zu verhindern aber die Hartköpfe werden leider nicht locker lassen.
    3. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      tleu. Und trozdem ist es so.
    4. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Alex. Sie haben Recht mit der Anpassung. Einzig, die Briten machten Irland zur ersten Kolonie (seit Cromwell) und dementsprechend waren sie die Herren im Lande. Also nix von Anpassung, im Gegenteil.
    5. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Es gibt kein vereintes Irland, sondern einfach nur Irland und Nordirland. Wieso sollten die katholischen Iren ein vereintes Irland fordern dürfen und die Nordiren nicht ihren Anschluss an GB? Wollen Sie einen Krieg verhindern oder einen entfachen?
  • Kommentar von Haller Hans  (H.Haller)
    Innerhalb der EU gibt es einige Problemzonen in denen es zu erheblichen Konflikten kommen kann. Zu erwähnen wäre ganz aktuell Katalonien, die Basken, aber auch nicht vergessen, Südtirol was bekanntlich ganz in unserer Nähe liegt. Abgesehen davon zerfiel ja auch Jugoslawien in viele zum Teil auch problematische Teil-Staaten. Zu glauben innerhalb der EU oder im EU-Verbund würde das hinfällig werden, ist leider eine Illusion. Die EU täte gut daran solche "Geister" nicht noch zu wecken.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Die Geister haben die Breexiters herbeigerufen. Das Nordirland-Problem ist eine Altlast des Empire.
    2. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Was hat die EU damit zu tun?
  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Herr Planta, das ist ja genau das Problem bei "Katholiken und Protestanten" es geht nicht um Menschen sondern um Religion und Glaube und das ist das "Fatale"!
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ jean-claude albert heusser: Die Religion und der Einfluss der Kirchen haben auch in Nordirland an Bedeutung verloren. Sie dienen aber noch als simpler Vorwand, sich voneinander abzugrenzen.
    2. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Es geht um Zugehörigkeit, Irland und GB, nicht um Glauben. Die Katholiken sind Iren, die Protestanten ehemals zugewanderte Briten, welche die 'Herrschaft' übernahmen. Irland erlitt durch Cromwell die erste Kolonialisierung. Erst 1921 wurde Irland (ohne Nordirland) unabhängig.