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Kontakt mit Covid-Erkranktem Johnson versuchte sich über Regeln hinwegzusetzen

Der Premierminister Boris Johnsons hat versucht, sich über die Covid-Regeln hinwegzusetzen – so sehen es viele in England. Und es fällt schwer, zu einem anderen Schluss zu kommen.

Bürger müssen sich dran halten

Nach Kontakt mit seinem Gesundheitsminister Sajid Javid, der sich mit Covid infiziert hatte, sollte Boris Johnson für 10 Tage in Selbstisolation, so sieht es die Regelung der Regierung vor. Rund eine halbe Million Engländer müssen diese zurzeit befolgen und isolieren sich deswegen.

Die grosse Zahl der Isolierten führt zu unzähligen Problemen. Die Zeitungen titelten letzte Woche: «Chaos in Firmen, weil halbe Million in Isolation ist» und «Das Land droht lahmgelegt zu werden, weil Mitarbeitende fehlen.» Der Frust in der Bevölkerung ist gross.

Da wirkte es wie ein Hohn, dass ausgerechnet der Premierminister am Sonntagmorgen verkündete, er müsse sich nicht gänzlich isolieren, denn er nehme an einem Pilotprojekt teil. Genauso wie sein Schatzkanzler. In der sonntäglichen Talkshow verteidigte einer der Minister Johnsons Entscheid. Auf Twitter gab es daraufhin einen Aufschrei. Dies zeigte wohl Wirkung.

Johnsons Erklärung kaum nachvollziehbar

Keine drei Stunden später die Kehrtwende: Boris Johnson und sein Schatzkanzler nehmen nun doch nicht an dem Pilotprojekt teil, sondern werden sich isolieren. Johnsons Erklärung: Er habe sich das kurz angesehen, sich dann aber anders entschieden.

Die beiden benehmen sich wie zwei Bankräuber, die das Geld nur zurückgeben, weil sie erwischt wurden.
Autor: Keir Starmer Parteichef der Labour

Die Erklärung ist schwer nachzuvollziehen, nach dem Auftritt des Ministers in der Talkshow. «Die beiden benehmen sich wie zwei Bankräuber, die das Geld nur zurückgeben, weil sie erwischt wurden», schrieb der Parteichef der Opposition, Keir Starmer, auf Twitter.

Das alles passiert just einen Tag vor der grossen Öffnung. Morgen werden die meisten Covid-Massnahmen beendet und Johnson setzt stark auf Selbstverantwortung. Er appellierte mehrmals, sich vernünftig zu verhalten. Doch das können viele in der Bevölkerung nicht mehr ernst nehmen nach Johnsons eigener Aktion. Die Gefahr: Das Virus breitet sich so stark aus, dass die Spitäler schon bald wieder an ihre Kapazitätsgrenzen stossen.

Nach der Vorsicht das Chaos?

Die jetzigen Handlungen stehen in krassem Gegensatz zur Covid-Strategie von Januar bis Ende Mai. Sie war von Vorsicht und Planbarkeit geprägt. Der Grund für die jetzige riskante Öffnung ist mitunter der Druck aus Johnsons Partei. Seine Abgeordneten wollen den vorsichtigen Weg nicht mehr länger mittragen.

Also nach einem stringenten Kurs im Frühling muss man jetzt wieder mit eher chaotischen Monaten rechnen – und mit der einen Eigenschaft von Boris Johnson, dass er es mit der Wahrheit und den Details nicht immer so genau nimmt. 

Henriette Engbersen

Henriette Engbersen

Grossbritannien-Korrespondentin, SRF

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Engbersen ist seit Frühling 2017 Grossbritannien-Korrespondentin von SRF. Sie ist seit 2008 für das Schweizer Fernsehen tätig, zuerst als Ostschweiz-Korrespondentin und später als Redaktorin der «Tagesschau».

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31 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Zitat:“Der Premierminister Boris Johnsons hat versucht, sich über die Covid-Regeln hinwegzusetzen – so sehen es viele in England. Und es fällt schwer, zu einem anderen Schluss zu kommen.“ - Da gibt es eine zügige Lösung: Machen, dass er so bald als möglich - auch wegen seiner chaotischen schadhaften Brexitgeschichte - von der Politbühne verschwinden muss.
  • Kommentar von Korina Graf  (Kory)
    Eigentlich ein guter Beweis das Johnson nichts aus seinen Fehlern, auch in Sachen Corona, gelernt hat. Trifft nur populäre Entscheidungen, wenn’s um ihn geht zählt etwas anderes. Eine klare Linien lässt sich nicht erkennen.
  • Kommentar von Barbara Jermann  (BarbaraJ)
    Good luck GB !